Neue Stadtführung Wie viel Italien steckt in Ludwigsburg?
Bei einer neuen Stadtführung begeben sich die Gäste auf die Spuren italienischer Einflüsse und Persönlichkeiten in der Barockstadt. Kulinarisches inklusive.
Bei einer neuen Stadtführung begeben sich die Gäste auf die Spuren italienischer Einflüsse und Persönlichkeiten in der Barockstadt. Kulinarisches inklusive.
Ein lauer Sommerabend, ein Gläschen Vino, der Blick auf die Arkaden . . . Manchmal fühlt es sich auf dem Ludwigsburger Marktplatz schon so an, als wäre man irgendwo im schönen Italien. Nicht umsonst wird Ludwigsburg auch das „Venedig des Nordens“ genannt. Das kommt nicht von ungefähr. Italienische Einflüsse haben das Gesicht der Stadt geprägt. Wie genau, das zeigt eine neue Stadtführung namens Bella Italia. Kerstin Bamler nimmt dabei ihre Gäste mit auf eine lehrreiche und kulinarische Tour auf den Spuren italienischer Einflüsse in Ludwigsburg.
Am Schloss geht es los. Nicht nur die Stadtführung. Auch historisch ist hier – sieht man einmal von den alten Römern ab – quasi die Wiege aller italienischer Einflüsse auf Ludwigsburg. Als Herzog Eberhard Ludwig im 18. Jahrhundert sein Schloss samt dazugehöriger Stadt in Auftrag gab, arbeitete dort der junge italienische Stuckateur Donato Giuseppe Frisoni. Nach dem überraschenden Tod des Baumeisters Johann Friedrich Nette übernahm er 1715 die Leitung des Schlossbauwesens.
Während des Baus der vierflügeligen Anlage mit 452 Zimmern und 18 Gebäudeteilen holte Frisoni quasi seine komplette Verwandtschaft, die handwerklich tätig war, ins entstehende Ludwigsburg. Der Bauherr, Herzog Eberhard Ludwig, schätzte die Stuckdekorationen, die Frisoni gemeinsam mit seinem Kollegen Tommaso Soldati im Alten Hauptbau sowie im Ordensbau und im Riesenbau ausführte. Der Glasbehang der Kronleuchter sowie die Spiegel wurden aus Italien geliefert. Letztere übrigens verpackt in Butter, damit sie beim beschwerlichen Weg in der Kutsche über die Alpen keinen Schaden nahmen. Die Bedeutung der Redewendung „alles in Butter“ dürfte damit klar sein.
Donato Giuseppe Frisoni arbeitete aber nicht nur am Residenzschloss. Er prägte auch das Gesicht der Stadt, die von 1715 an nach einem von ihm geschaffenen Planmodell erbaut wurde. Der symmetrischen Grundriss, die schnurgeraden Straßen, die einheitlichen Häuserfassaden mit den Ludwigsburger Normhäusern und der Marktplatz mit seinen Arkaden gehen auf Frisonis Pläne zurück.
Apropos Marktplatz. Der ist 110 mal 80 Meter groß und hat nicht nur italienisches Piazza-Flair, sondern auch eine Menge italienischer Gastronomie. Unter anderem das La Signora Moro. Gegründet wurde das Restaurant von Francesco Moro, dem ersten Gastarbeiter der Bundesrepublik Deutschland. Er kam der Liebe wegen nach Ludwigsburg: Hedwig, seine Frau, ist La Signora Moro. Weil Francesco Heimweh nach Brindisi hatte, kam er auf die Idee, Lebensmittel aus der alten Heimat in die neue zu importieren. Später kam das Ristorante dazu.
Germano Moro, der Sohn des Gründers, brachte vergangenes Jahr die langjährige Stadtführerin Kerstin Bamler auf die Idee: „Warum gibt es keine Tour über die Italiener in Ludwigsburg?“, fragte er. Und Kerstin Bamler begann zu recherchieren, überlegte sich den Weg, einen Spannungsbogen und fand im Archiv jede Menge italienischer Berührungspunkte in der Barockstadt. Gemeinsam mit Tourismus und Events Ludwigsburg kam die neue Stadtführung nun auf den Markt. Zum Abschluss der Tour gibt es übrigens noch Vino und Antipasti – in der Trattoria Antipasto in der Seestraße.
Termine gibt es unter https://visit.ludwigsburg.de/start/entdecken/fuehrungen.html.