Die Gruppe Irgend aus Stuttgart sieht es auch nicht ein, nur ein Genre, ergo auch nur einen Hörerkreis zu bedienen. Dennoch hört man ihnen eine Affinität zu dem Jahrzehnt an, das die Neue Deutsche Welle hervorgebracht hat: locker, nie ganz ernst, leicht funky. Spliff geistern ebenso durch die Stücke ihrer ersten EP „Das Beste von 81 bis 21“ wie Ideal. Und irgendwie erinnert das alles auch an den großen Sommerhit von Eutoteuro, „Autogrill“.
In den Achtzigern hat der Pop geglänzt
Bevölkert sind Irgend von zwei ehemaligen Mitgliedern der Band Hawelka und drei Akteuren von Bands wie The Jitterbug Bites und The Night Steadies. „Nach dem Ende von Hawelka haben Jan Georg und ich schnell begonnen, eine neue Band zusammenzustellen“, klärt Chris Seyffert auf. „Seit etwas mehr als einem Jahr ist sie komplett mit Gabi Fulir am Gesang, Martin Schniz an Gitarre und Gesang und Sebastian Zeh am Bass.“
Obwohl sie auf verschiedenen musikalischen Strömungen in die Gegenwart getragen wurden und zuvor eher polternde Bänkellieder (Hawelka), Swing (The Jitterbug Bites) oder Ska (The Night Steadies) auf der Agenda hatten, gab es einen großen gemeinsamen Nenner: die Achtziger. „So wie sich derzeit im Pop fast alle auf die Neue Neue Deutsche Welle einigen können, kommen wir alle beim Irgend-Sound zusammen“, so Jan-Georg Plavec. „Das lässt uns hoffen, dass unsere Musik für jeden etwas bereithält.“
Zwischen Dada und Gaga
Die Band kommt nicht zur falschen Zeit: Eine ganze Generation entdeckt gerade Wave und Post Punk wieder. Aus gutem Grund: „In den Achtzigern hat der Pop geglänzt. Damals wurden Hits und Hymnen geschrieben, die bis heute jeder kennt und ein Sound kreiert, dem heute wieder viele nacheifern“, sagt Seyffert, und Plavec ergänzt: „Pop hat nie besser geklungen als in den Achtzigern und zugleich seine gesellschaftliche Kraft unter Beweis gestellt.“
Die Achtziger waren aber eben auch das Jahrzehnt, in dem der Pop zwischen Dada und Gaga oszillierte. Genialität und Klamauk lagen nah beieinander. Irgend erweisen auch diesem Umstand Tribut – mit dem kauzigen „Internet Explorer“. Plavec berichtet von seinen frühen Erlebnissen als Online-Tourist: „Als ich 1995 zum ersten Mal online ging, war das eine fremde Welt. Die Browser trugen seltsame Namen, es gab Webverzeichnisse, und Software wurde auf CD-Roms verbreitet. In diesem Jahr kam der Internet Explorer in unsere Welt.“
Als man das Internet noch Datenautobahn nannte
Das frühe Internet war ein Ort, an dem irgendwie alles klang wie ein Kraftwerk-Song. „Man nannte das Internet damals noch ‚Datenautobahn‘“, nickt Plavec. „Eine ganz herrliche Sprache, der dieser Song ein Denkmal setzen will. Nicht ganz zufällig ist der Internet Explorer dieses Jahr von der Bildfläche verschwunden.“
Irgend sind gerade erst auf selbiger aufgetaucht. Am 17. August stellen sie ihre erste EP im Merlin vor. Weil die aber nur rund zwölf Minuten geht, darf man sich auch auf einige Coversongs freuen. Aus welchem Jahrzehnt die kommen, sollte keine Überraschung sein.
Irgend: Konzert im Kulturzentrum Merlin, Augustenstraße 72, S-West, 17. August, 20 Uhr