Neue und längere ICE-4-Züge Bahn stockt ICE-Flotte weiter auf

Der ICE 4 wird durch einen Zusatzwagen 375 Meter lang und damit zum längsten Schnellzug der Deutschen Bahn. Foto: Bahn
Der ICE 4 wird durch einen Zusatzwagen 375 Meter lang und damit zum längsten Schnellzug der Deutschen Bahn. Foto: Bahn

Der Bahn-Aufsichtsrat gibt eine Milliarde Euro für Fernzüge frei, um mehr Kapazität auf der Schiene zu schaffen. Auf vielgenutzten Fernstrecken zwischen Großstädten verschärfen sich seit Jahren die Probleme mit überfüllten Zügen, weil die Fahrgastzahlen steigen.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)
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Berlin - Mit 18 neuen und 50 verlängerten ICE-4-Zügen will die Deutsche Bahn die massiven Kapazitätsengpässe im Fernverkehr lindern. Der Aufsichtsrat des Staatskonzerns hat dazu geplante Investitionen von einer Milliarde Euro freigegeben. Trotz sinkender Gewinne und hoher Schulden steckt die DB damit nochmals viel Geld in die Verbesserung von Qualität und Service und erweitert die 2015 gestartete „Fernverkehrsoffensive“.

Auf viel genutzten Fernstrecken zwischen Großstädten verschärfen sich seit Jahren die Probleme mit überfüllten Zügen, weil die Fahrgastzahlen steigen und der Konzern teils mit sehr günstigen Preisen lockt. Einige Male pro Woche müssen Reisende sogar aus den Fahrzeugen gewiesen werden, weil die Platznot zu Stoßzeiten manchmal so groß ist, dass Züge nicht abfahren können.

Bahnchef verspricht mehr Komfort

„Mit diesen zusätzlichen Investitionen machen wir die Schiene noch attraktiver“, erklärte Bahn-Chef Richard Lutz, der zuletzt mit einem internen Brandbrief zur kritischen Lage des Staatskonzerns eher negative Reaktionen in der Bundesregierung und bei den Gewerkschaften ausgelöst hatte. Den Fahrgästen verspricht Lutz „mehr Platz, mehr Komfort und ein größeres Angebot“. Die Bahn bleibe der Schlüssel für eine erfolgreiche Verkehrswende.

Allerdings wird es Jahre dauern, bis der ICE-4-Hersteller Siemens die nun insgesamt 137 bestellten Züge geliefert haben wird. Nach derzeitigem Stand soll 2025 der letzte Hightech-Flitzer aus dem ICE-Werk in Krefeld rollen. Bisher hatte der Konzern 119 ICE 4 für 5,3 Milliarden Euro bei seinem Hauslieferanten geordert, darunter 100 zwölfteilige und 19 siebenteilige ICE. Dazu kommen nun weitere 18 kürzere Züge mit je sieben Wagen, die auch in Doppeltraktion fahren können, also je zwei Fahrzeuge gekoppelt. Zudem werden 50 der 100 bestellten langen ICE 4 um einen auf dann 13 Wagen verlängert. Zusammen investiert die Bahn dafür weitere 700 Millionen Euro.

Zahl der Sitzplätze im ICE 4 steigt von 830 auf 918

Der ICE 4 wird durch den Zusatzwagen 375 Meter erreichen und damit der längste DB-Flitzer. Die Zahl der Sitzplätze steigt den Angaben zufolge von 830 auf 918, fünfmal mehr als in einem Kurzstreckenflugzeug und rund 15-mal mehr als in einem Fernreisebus. Auch für 2018 rechnet die Bahn mit einem weiteren Fahrgastrekord im Fernverkehr, 2017 waren 142 Millionen Reisende mit ICE-, EC- und IC-Zügen unterwegs. Der zusätzliche Wagen soll jeweils ein „Powercar“ mit Antrieb sein, wie schon beim ICE 3 sind die Elektromotoren unter den Fahrgastwagen verteilt. und es gibt vorne kein Triebfahrzeug mehr. Mit dem zusätzlichen Schub können die Züge schneller fahren und Steigungen besser überwinden. Die Bahn prüft, ob das Höchsttempo von 250 auf 265 Kilometer pro Stunde erhöht wird.

Weitere 320 Millionen Euro wird der Konzern in die nochmalige Modernisierung der betagten ICE-1-Flotte stecken, die 1991 den Betrieb aufgenommen hatte und nun bis 2030 fahren soll. Die Züge bekommen unter anderem neue Sitzbezüge und Teppiche, ein modernes Fahrgast-Informationssystem sowie eine verbesserte Antriebstechnik.

Fahrgastverband beklagt schon länger Kapazitätsnot

Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßt die Maßnahmen. „Das ist angesichts der vielen Engpässe im Bahnverkehr dringend nötig, kommt aber reichlich spät“, sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann unserer Zeitung. Die Kapazitätsnot sei schon lange absehbar gewesen, der ICE 1 mittlerweile ziemlich betagt. Zur besseren Anbindung touristisch beliebter Regionen wie Garmisch-Partenkirchen oder Berchtesgaden seien vor allem mehr kürzere Züge nötig, die flexibler seien. Die koppelbaren Zugeinheiten können wie schon der ICE 2 und der Neigezug ICE-T bei Bedarf hälftig geteilt werden und die beiden Zugteile dann ab Verkehrskreuzen wie München unterschiedliche Zielorte ansteuern.

Die bisher gelieferten ICE-4-Züge sind aktuell zwischen Hamburg und München sowie Hamburg und Stuttgart unterwegs. Ab Dezember 2018 sollen sie auch zwischen Berlin, Erfurt und München sowie zwischen Köln und Frankfurt fahren.

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