In die neue Flüchtlingsunterkunft in Plieningen sollen nach Auskunft der Stadt bereits am 27. Mai die ersten Geflüchteten einziehen. In den quaderförmigen Gebäuden, die in einer neu entwickelten Modulbauweise errichtet wurden, können bis zu 156 Menschen untergebracht werden.
Noch im vergangenen Sommer war auf dem brach liegenden Areal im Gewerbegebiet Entenäcker eine struppige Wiesenfläche zu sehen. Zehn Monate später stehen insgesamt 39 Wohneinheiten dazu bereit, bezogen zu werden. Die vergleichsweise kurze Zeitspanne, innerhalb derer die Flüchtlingsunterkunft aus zehn Einzelgebäuden am neuen Standort fertiggestellt werden konnte, wurde möglich, weil die einzelnen Wohnmodule vorgefertigt auf Tiefladern angeliefert und vor Ort mit einem Schwerlastkran auf Punktfundamenten übereinandergestapelt wurden.
Die holzverkleideten Quader können bis zu 30 Jahre lang verwendet werden
Jeweils vier Module, zwei im Parterre, zwei darüber, bilden eine Gebäudeeinheit. Jedes Modul, so informiert die Stadt, verfüge über eine Wohnfläche von 40 Quadratmetern, aufgeteilt in zwei Schlafzimmer für jeweils zwei Personen, einen Sanitätsbereich und eine offene Küche mit angegliederter Gemeinschaftsfläche.
Die 10,7 Millionen Euro teure Unterkunft in den Entenäckern ist die erste von acht geplanten Flüchtlingseinrichtungen, die in Stuttgart nach dem Modulbau-Konzept errichtet werden sollen. Laut Stadtverwaltung sollen die holzverkleideten Quader bis zu 30 Jahre lang verwendet werden können, sodass sie später zum Beispiel als Studentenunterkünfte einsetzbar seien.
Wie die Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann (Grüne) erklärt, sollen die so entstandenen Wohnungen ein Ort für die Geflüchteten sein, „um in Deutschland und in Stuttgart noch besser ankommen zu können und dann in eigenen Wohnraum umzuziehen“. Zugunsten einer maximalen Platzzahl verzichtet die Stadt bei dieser Bauweise auf einen Gemeinschaftsraum für die Gesamtunterkunft. Die Leiterin des Sozialamts, Franziska Vogel, betont, damit sei auch das Ziel verbunden, dass die Geflüchteten die im Stadtbezirk vorhandene Infrastrukturen nutzen „und sich damit leichter in die jeweiligen Stadtbezirke integrieren“. Welche Infrastruktur das im Fall von Plieningen konkret sein könnte, wurde nicht mitgeteilt.
Im vergangenen Jahr hatte es massive Proteste gegeben
Der Errichtung der Flüchtlingsunterkunft in den Entenäckern waren im vergangenen Jahr massive Proteste aus der benachbarten Anwohnerschaft vorausgegangen. Ein Kritikpunkt: Im betreffenden Gewerbegebiet Entenäcker existiert bereits ein Hotel, in dem 300 Flüchtlingen untergebracht sind, sodass nun insgesamt rund 450 Geflüchtete im Viertel leben.
Im vergangenen Jahr war die geplante Kapazität der neuen Flüchtlingsunterkunft kurzfristig noch einmal von der Stadt von 100 auf 156 Personen erhöht worden. Vertreter der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe fürchteten damals eine Überforderung der Helfer sowie der Schulen im Stadtbezirk, die die Flüchtlingskinder aufnehmen müssen. Der Sprecher der CDU im Bezirksbeirat, Michael Wörner, sprach von einer „Schieflage in der Verteilung der Flüchtlinge in den Außenbezirken“.