Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter wegen illegalen Waffenbesitzes auf dem „Reichsbürger“-Areal in Boxberg, auf dem es am 20. April zu einer Schießerei gekommen ist.

Politik/Baden-Württemberg: Renate Allgöwer (ral)

Die Bewohner von Bobstadt (Main-Tauber-Kreis) waren am Freitagvormittag erneut in heller Aufregung. Wieder schob sich Polizeiauto an Polizeiauto mit blinkendem Blaulicht durch den 450 Einwohner zählenden Teilort von Boxberg. Ziel des Einsatzes war auch diesmal das Anwesen, in dem es vor wenigen Wochen zu einem Schusswechsel zwischen einem Bewohner des Gehöfts, der den „Reichsbürgern“ zugeordnet wird, und der Polizei gekommen war.

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Verdacht auf weiteren illegalen Waffenbesitz

Es handelte sich um einen geplanten Einsatz, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn auf Anfrage. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Karlsruhe erklärte, ermittelt seine Behörde gegen mehrere Personen, „insbesondere wegen des Verdachts möglicher Verstöße gegen das Waffengesetz“. Dabei gehe es um Waffen, die in keinem direkten Zusammenhang stünden mit dem Verfahren, das zu dem Einsatz im April geführt hatte, so der Staatsanwalt. Strafprozessuale Folgemaßnahme nennen das die Juristen.

SEK sichert Einsatz ab

Im Einsatz waren das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und Zollbeamte. Um die Situation abzusichern, rückte auch diesmal wieder ein Sondereinsatzkommando in Bobstadt an, um, wie die Polizei sagt, die Situation abzusichern. „Soweit bekannt, verliefen die Maßnahmen bislang ohne besondere Zwischenfälle“, erklärte der Staatsanwalt am Nachmittag. Da war der Einsatz nach Auskunft der Polizei abgeschlossen.

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Am 20. April war die Polizei mit einem Großaufgebot zu dem Anwesen ausgerückt, um einen Durchsuchungsbefehl wegen unerlaubten Waffenbesitzes des Amtsgerichts Mosbach umzusetzen. Die Polizei war gewarnt, der Verdächtige wird den „Reichsbürgern“ zugeordnet, wegen einschlägiger Vorstrafen war mit Gewaltbereitschaft zu rechnen. Der Einsatz war akribisch vorbereitet, berichtete die Polizei später. Dennoch eröffnete der Hauptverdächtige, ein 54 Jahre alter Mann, das Feuer auf die Polizisten, ehe diese das Anwesen betreten konnten. Ein Beamter kam mit Schussverletzungen in den Oberschenkeln ins Krankenhaus. Bei einem anderen verhinderte die Schutzausrüstung Schlimmeres. Bei der anschließenden Durchsuchung fand die Polizei ein regelrechtes Waffenarsenal in dem Gehöft.

Extremistischer Hintergrund nicht ausgeschlossen

Der Generalbundesanwalt hat ein Verfahren eingeleitet. Es besteht der Verdacht, dass die Vorfälle extremistisch motiviert sind. „Ein derartiger Hintergrund kann nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht ausgeschlossen werden“, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Karlsruhe. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe ist im Bezirk des Oberlandesgerichts Karlsruhe zuständig für Staatsschutzverfahren und Verfahren mit Staatsschutzbezug.

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