Neuer Air-France-Chef Gegenwind zum Start

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Der Kanadier Benjamin Smith Chef ist von September an neuer Chef der französischen Fluggesellschaft Air France. Die Gewerkschaften machen gegen die Berufung des 46-Jährigen mobil, auch weil er mit einem Jahresverdienst von 3,3 Millionen Euro mehr als drei Mal so viel wie sein Vorgänger verdienen soll.

Benjamin Smith übernimmt den Chefposten bei Air France Foto: AP
Benjamin Smith übernimmt den Chefposten bei Air France Foto: AP

Paris - Die Ankündigung mitten im Urlaubsmonat August hätte wohl unbemerkt durchgehen sollen. Doch die Vertreter der 51 000 Angestellten von Air France reagierten prompt. Der Verwaltungsrat von Air France-KLM hatte zuvor die Nominierung von Benjamin Smith zum neuen Konzernchef bekanntgegeben. Der 46-jährige Kanadier ist derzeit Nummer zwei des operativen Geschäftes von Air Canada und soll seinen neuen Posten Ende September antreten. Er ist der erste Nichtfranzose an der Spitze der Gesellschaft, die 2003 mit der niederländischen KLM fusioniert hatte. Und diese Nominierung geht in Paris nicht durch.

Von französischer Regierung als Sanierer unterstützt

„Um die 85 Jahre Bestand von Air France zu feiern, ernennt das Unternehmen einen Nordamerikaner!“, entrüstet sich die Gewerkschaft Force Ouvrière (FO). Die führende Pilotengewerkschaft SNPL lehnt die Nominierung eines „ausländischen Kandidaten“ ebenfalls ab. FO behauptet, der Kanadier sei vor allem von Delta Airlines als Air-France-Chef in Stellung gebracht worden. Die amerikanische Airline hält wie China Eastern 8,8 Prozent an Air France-KLM.  

Unterstützt wurde der „Sanierer“ Smith sicherlich von der Regierung in Paris, die 14,3 Prozent an der französischen Fluggesellschaft hält, und von den niederländischen Partnern, die seit langem auf eine Sanierung des französischen Carriers pochen. Denn Air France geht es schlecht. Ein wochenlanger Streik im Juli führte zur Annullierung von 240 Flügen und Verlusten von mehr als 300 Millionen Euro.

Billig-Airlines und TGV machen Air France Konkurrenz

  Strukturell leidet Air France seit Jahren unter der Konkurrenz des Hochgeschwindigkeitszuges TGV, der Lowcost-Anbieter und der Golf-Airlines. Die Konzernleitung macht die Belegschaft für den Niedergang verantwortlich: Sie hatte noch im Mai einen Sparplan abgelehnt, was zum Rücktritt von Firmenchef Jean-Marc Janaillac führte.

  Versuche, die Pilotengehälter – die einiges höher als bei Lufthansa liegen – einzudämmen, scheiterten am Ego von Philippe Evain, dem mächtigen SNPL-Boss. Er wirft der Konzernleitung Blindheit vor. Den „Ausländer“ Smith lehnt er ab, da dieser bei Air Canada und zwei Tochterfirmen Lowcost-Modelle durchgesetzt hatte.   Die Gewerkschaft CGT, aber auch konservative Politiker zeigen sich zudem schockiert über Smiths Gesamtsalär, das inklusive der üblichen Boni 3,3 Millionen Euro im Jahr erreichen soll - dreimal mehr als das von Janaillac.  

Neuer Chef soll Fix- und Gehaltskosten senken

Das sind nicht die besten Voraussetzungen für einen Konzernchef, der vor allem die Fix- und Gehaltkosten senken soll. Die CGT verlangte am Freitag eine generelle Lohnerhöhung um sechs Prozent; andernfalls droht sie mit einem neuen Streik.   Smith wird sich deshalb mit den sozialen Gepflogenheiten bei Air France-KLM anfreunden müssen. Die Märkte scheinen ob der Erfolgschancen des Kanadiers skeptisch zu sein: Die Aktie stürzte am Freitag um fast fünf Prozent ab.