Neuer Betriebshof in Wangen Abfallwirtschaft geht auf Anwohner zu

Auf dem Gelände in der Gingener Straße haben die Aushubarbeiten für den neuen Betriebshof der Abfallwirtschaft Stuttgart begonnen. Foto: /Mathias Kuhn

Der Betriebshof der Abfallwirtschaft in Stuttgart-Wangen soll ein guter Nachbar sein. Schallschutzwände, geregelte Zufahrtswege und ein Abladeplatz im Hafen sollen Lärm vermindern.

Es lag nicht an der Schokokugel, die die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) den Gästen des Anwohnerdialogs auf den Stuhl legte, dass die rund 50 Wangenerinnen und Wangener, die in die Turn- und Versammlungshalle gekommen waren, besänftigt heimkehrten.

 

Die AWS hat Anfang März damit begonnen, auf dem Gelände in der Gingener Straße ihren neuen Betriebshof zu errichten. Im Vorfeld hatte es Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohnern gegeben. Auch während der Infoveranstaltung vergangene Woche stellten die Wangener einige kritische Fragen. AWS-Geschäftsführer Markus Töpfer gelang es jedoch, zu vermitteln, was auf der orangefarbenen Karte mit den Kontaktdaten stand. „Wir möchten mit unserem neuen Betriebshof ein guter Nachbar sein.“

Betrieb könne durchaus mit Geräuschen oder Gerüchen verbunden sein

Mit seiner kompetenten und direkten Art verschwieg Töpfer nicht, dass der künftige Betrieb mit den Müllfahrzeugen durchaus mit Geräuschen und vielleicht auch manchmal mit Gerüchen verbunden sein könnte. „Aber wir werden alles dafür tun, dass die Nachbarn nicht zu sehr belastet werden“, versprach er. Grundlage dieser Bemühungen sei die Baugenehmigung, die das Regierungspräsidium Anfang des Jahres erteilt habe. Schallschutzwände, abgeschottete Betriebsabläufe, die Regelung der Zu- und Abfahrten der Müllfahrzeuge und andere Bestimmungen sollen Anwohner vor Belastungen schützen.

Nur in Ausnahmefällen rücken die Teams an Samstagen aus

Maximal 170 Mitarbeitende werden im Wangener Betriebshof beschäftigt sein. Die Arbeitszeiten beginnen im Normalfall um 6.30 Uhr und enden gegen 16 Uhr. „Gegen 17.30 Uhr ist der Betriebshof geschlossen und Sie haben Ruhe“, so Töpfer. Nur in Ausnahmefällen – sechs bis acht Mal im Jahr – rücken auch an den Samstagen die AWS-Teams aus, um Müll einzusammeln, wenn wegen eines Feiertages die wöchentliche Tour ausfällt.

Extra Abladeplatz im Hafen für Sammelgut der Straßenkehrmaschinen

Und was ist mit Extraschichten der Abfallentsorgung wegen des Volksfestes oder wegen Stadtfesten, fragten Anwohner nach. „Die werden im Normalfall alle über die Heinrich-Baumann-Straße abgewickelt“, nahm Töpfer den besorgten Anwohnern den Wind aus den Segeln. Auch die Sorgen, dass auf dem Gelände das Sammelgut der Straßenkehrmaschinen abgeladen wird, verflogen schnell. „Wir haben dafür auf dem Gelände der Firma Rhenus im Hafen einen Platz gepachtet und sind bemüht, dass wir dort auch die Kehrmaschinen reinigen können“, so Töpfer.

Keine Erdgastankstelle in Wangen

Während „normaler“ Zeiten sind maximal 40 Abfallsammelfahrzeuge – darunter 29 große und sechs kleine – auf dem Gelände in der Gingener Straße geparkt. Noch werden diese mit Erdgas betrieben. Die neuen Fahrzeuge werden dann aber entweder mit Wasserstoff oder mit einem Elektromotor bestückt. „Eine Erdgas- oder Wasserstofftankstelle wird in Wangen allerdings nicht eingerichtet“, beruhigte Töpfer einige vorsichtige Nachbarn. Auch die Sorge, dass sich der Elektroschrott, der in einem Bereich gesammelt werde, entzünden könnte, versucht Töpfer zu entkräften. „Nicht in jedem Gerät, das auch bei Ihnen im Haushalt steht, ist eine Batterie. Zudem ist die Sammelstelle geschützt.“

Geregelte Abfahrtswege

Als großes Problem sieht Maria van Kassel La Ferrara die Zu- und Abfahrt der Fahrzeuge in unmittelbarer Nachbarschaft zur Wilhelmschule, die just an der Grundstücksgrenze einen Erweiterungsbau erhalten soll. In einem Ringverkehr, und zwar ausschließlich über die Autohof-Zufahrt, sollen die Fahrzeuge auf den Betriebshof fahren und diesen verlassen. Die Gingener Straße ist tabu. „In der Halle, in der sie abgestellt sind, werden sie nicht mehr rückwärts ausparken. Das Warnpiepsen wird nur selten ertönen“, so Töpfer. Für die Betriebsangehörigen stehen zudem 43 Parkplätze zur Verfügung. „Erfahrungsmäßig kommen die meisten aber mit dem öffentlichen Nahverkehr.“

Wegen der Schulerweiterung suchte Ortschronist Martin Dolde den Schulterschluss mit Töpfer. Dolde hofft, dass sich die AWS dafür einsetzt, dass der Zwickel zwischen Wilhelmschule und dem Betriebshof, der der SVG als Besitzerin des Autohof-Areals gehört, der Schule zugeschlagen werde. „Damit die Kinder mehr Platz für ein Außengelände erhalten.“

Selbstverständlich werden auch etwaige Schäden an den benachbarten Häusern, die durch die Bauarbeiten verursacht worden sein könnten, angeschaut und behoben. Einige Anwohner haben Risse gemeldet. Auch wenn einige Kritiker die Ansiedlung des Betriebshofs weiterhin „nicht für die beste Lösung“ halten, verließen sie beruhigter die Halle. „Wir begleiten das Projekt kritisch und hoffen auf gute Nachbarschaft“, meinte Bezirksbeirat Niels Clasen.

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