Schnell noch zu Fuß die wichtigsten Zutaten für das Abendessen besorgen, gestaltet sich in kleinen Orten häufig schwer. Die großen Supermärkte und Discounter sind ohne Auto kaum erreichbar, Nahversorger gibt es nur noch wenige. Diese Lücke sollen die Tante-M-Läden mit ihrem Selbstbedienungskonzept schließen.
Im Landkreis Ludwigsburg gibt es derzeit sechs der kleinen Nahversorger-Läden. Fünf davon betreiben Sabrina und Markus Buck im Franchisesystem. „Wir sind mittlerweile total verrückt nach den Läden“, sagt Sabrina Buck. Am Sonntag eröffnete das Paar ihr fünftes Geschäft in Kleinbottwar. Die Landfrauen unterstützten bei der Feierlichkeit. „Wir hoffen, dass die Kleinbottwarer unseren Laden gut annehmen und uns unterstützen“, sagt Buck.
Neubeginn nach plötzlicher Schließung
Vor knapp einem Jahr schloss das Geschäft ganz plötzlich. Vermehrte Diebstähle, Ruhestörung und Probleme mit dem Internet waren damals die Gründe. „Wir haben nun Glasfaser-Internet im Laden, das zuverlässig funktioniert“, erklärt Sabrina Buck. Außerdem habe das Paar Erfahrungen mit Diebstählen aus ihren anderen Läden. „Wir kontrollieren die Überwachungskameras und bringen jeden Diebstahl konsequent zur Anzeige.“ Rund 80 Prozent der Diebstähle konnten so schon aufgeklärt werden.
1400 Produkte bietet das Paar in ihren Läden an. Besonders die Regionalen Produkte zusätzlich zum Standardsortiment kommen gut an. „Wir haben Gemüse von der Gärtnerei Kienle, Geflügelfleisch und Eier vom Bauer Kurz aus Sachsenheim und Produkte von der Vaihinger Mühle“, sagt Buck. In Zukunft versorgt die Metzgerei Sommer in Kleinbottwar den Tante-M-Laden mit Dosenwurst und Grillfleisch. „Wir haben Produkte aufgenommen, von denen wir überzeugt sind.“
Ende 2024 soll es 100 Tante-M-Läden geben
2019 startete Christian Maresch in Grafenberg bei Reutlingen die Erfolgsgeschichte Tante-M. Der Schlüssel zum Erfolg: Tante-M funktioniert im ländlichen Raum, wo es keine Konkurrenz mehr gibt. 60 Läden gibt es derzeit – die meisten von ihnen in Baden-Württemberg, aber auch in Bayern und Rheinland-Pfalz finden sich Standorte. Und es geht weiter. 2024 möchte der 43-Jährige bis zu 40 neue Läden eröffnen. Für den Landkreis Ludwigsburg gebe es heuer keine Pläne. „Aber wir suchen ja auch nirgends aktiv selbst, sondern man kommt immer auf uns zu, und es gibt genug Bedarf.“
Anders als am Anfang jedoch nur noch im Franchise-Konzept. 49 der 60 Tante-M-Läden sind franchisebetrieben. „Das ist der Weg der Zukunft“, sagt Maresch. „Expansion geht nur über Franchising. Die ursprüngliche Idee eines zentral aus der Ferne gesteuerten Filialkonzeptes war nicht so erfolgreich wie wir dachten“, sagt er selbstkritisch.
Der Grund: Es fehlt das örtliche Insiderwissen. „Betreiber, die aus dem Ort selbst oder aus der Nähe sind, schenken den Läden eine andere Aufmerksamkeit, als wir das aus der Ferne könnten. Sie kennen sich mit den Gegebenheiten aus. Wissen, welche Vereine man eventuell mitversorgen kann und bei welchem Fest man dabei sein sollte.“ Darüber hinaus ermögliche man Menschen auch den Weg in die Selbstständigkeit und den Aufbau von Existenzen.
Mit moderner Technik gegen Diebstahl
Beim Thema Diebstahl ist Christian Maresch gelassen. Ja, es werde gestohlen in Tante-M-Läden, doch in der Summe würden die Diebstähle nicht wirklich ins Gewicht fallen. „Sagen wir mal so: Sie bereiten uns kein großes Kopfweh.“ Zumal sich die Technik ja auch immer weiterentwickele und man perspektivisch auch künstliche Intelligenz nutzen wolle. Wie genau, darüber wolle er jedoch im Moment noch nicht sprechen. „Die Weiterentwicklung soll aber nicht das Wohlempfinden der Kunden beeinträchtigen. Es darf nicht zu kompliziert werden und die Kunden dürfen sich auch nicht zu beobachtet fühlen – das ist ein Spagat“, sagt Christian Maresch
Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen
Ob voll automatisierte SB-Läden, wie es die Tante-M-Läden sind, auch an Sonn- und Feiertagen öffnen dürfen, ist umstritten. In Baden-Württemberg pocht vor allem der regionale Ableger der „Allianz für den freien Sonntag“, ein Zusammenschluss der katholischen und evangelischen Kirchen, Verdi und dem Deutschen Gewerkschaftsbund, auf eine Schließung. Ein Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH) gibt der Allianz Aufwind.
Ende Dezember 2023 hatte der 8. Senat des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes entschieden, dass die von der Stadt Fulda verfügte Schließung von ohne Personal betriebenen Verkaufsmodulen an Sonn- und Feiertagen Bestand hat. Geklagt hatte die Stadt Fulda gegen die Firma „Tegut“, die in Hessen unter dem Label „teo“ rund 30 Selbstbedienungsgeschäfte unterhält.
Der VGH begründete das Urteil damit, dass es sich bei den „teo“-Filialen um Verkaufsstellen im Sinne des hessischen Ladenöffnungsgesetzes handele. Somit müssten diese wie andere Geschäfte sonn- und feiertags geschlossen bleiben. Denn das Ladenöffnungsgesetz diene nicht nur dem Arbeitsschutz, sondern auch dem Schutz der Sonn- und Feiertage. Diese seien als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung zu schützen, wie es im Artikel 140 des Grundgesetzes heißt.
In Baden-Württemberg gibt es noch keine klare Regelung. Christian Maresch spricht von einer rechtlichen Grauzone, auf die er sich vor Jahren eingelassen habe, und hofft, dass eine Konkretisierung des baden-württembergischen Ladenöffnungsgesetzes Rechtssicherheit gibt. „Ich bin aber, nach den Signalen, die ich aus der Politik erhalte, recht entspannt, denn jedem ist klar, dass unser Konzept ohne eine Öffnung an Sonn- und Feiertagen nicht geht.“
Einkaufen bei Tante-M
Konzept
Das Konzept der Läden ist simpel: Es wird ein Sortiment aus Marken- aber auch Regionalprodukten angeboten, und es kann an sieben Tagen die Woche, 365 Tage im Jahr eingekauft werden. Es gibt kein aktives Verkaufspersonal. Der Kunde scannt und bezahlt seinen Einkauf selbst an einer Selbstbedienungskasse.
Bezahlung
Bezahlt wird bar, mit Kredit- oder EC-Karte. Außerdem gibt es eine Kundenkarte, die mit Geld aufgeladen werden kann. „Das nutzen häufig Eltern für ihre Kinder“, sagt Sabrina Buck. In ihrem neuen Geschäft bieten sie im kommenden Monat einen Trainingsnachmittag für die SB-Kasse an. Eingeladen sind alle, die unsicher im Umgang mit der Kasse sind. „Wir nehmen uns immer Zeit, den älteren Leuten die Kasse zu erklären.“