Neuer OB in Schorndorf Warum Bernd Hornikel einen Start im Krisenmodus hat
Bernd Hornikel wird am Dienstag offiziell als Oberbürgermeister von Schorndorf eingesetzt. Der Krieg in der Ukraine prägt auch den Amtsantritt des 52-jährigen Rathauschefs.
Bernd Hornikel wird am Dienstag offiziell als Oberbürgermeister von Schorndorf eingesetzt. Der Krieg in der Ukraine prägt auch den Amtsantritt des 52-jährigen Rathauschefs.
Der Umzug war zwar unabhängig vom Wahlausgang geplant. Trotzdem dürften manche Amtskollegen, die oft lange nach einer Bleibe an ihrer neuen Wirkungsstätte suchen müssen, den Schorndorfer Oberbürgermeister ein wenig beneiden. Denn bereits am Tag nach seiner Wahl am 28. November konnte Bernd Hornikel mit seiner Lebensgefährtin Jil Rieth in die Daimlerstadt ziehen. „Den Wahltag habe ich mit Kistenpacken verbracht. Das hat sehr gut abgelenkt“, erzählt er.
Am Dienstag wird Bernd Hornikel offiziell als Oberbürgermeister eingesetzt, am 1. März war sein erster Arbeitstag. Drei Monate sind also zwischen seiner Wahl und Amtsantritt vergangen. „Das war ein kleiner Spagat“, sagt der 52-Jährige. Zum einen war er bis zum 28. Februar stellvertretender Amtsleiter beim Landesbetrieb Vermögen und Bau in Ludwigsburg. Zum anderen hat er versucht, die Stadt schon so gut wie möglich kennenzulernen und sich auf den neuen Job vorzubereiten. „Ich habe Kontakte aus dem Wahlkampf aufrechterhalten“, so Hornikel. Und er hat sich mit denen zusammengesetzt, die in jener Zeit Teil des gegnerischen Lagers waren. Mehrere gelungene Gespräche habe es zum Beispiel mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Hermann Beutel gegeben: „Ich kann keine Gräben feststellen.“ Auch mit seinem Mitbewerber Andreas Schneider, der ihm nun als Stadtrat gegenübersitzt, habe er nach der Wahl lange geredet.
Der parteilose Jurist hat sich außerdem in die Gemeindeverfassung sowie das Haushaltsrecht eingelesen und sich seit vielen Wochen regelmäßig montags mit dem Ersten Bürgermeister Thorsten Englert getroffen: „Das war wichtig, um die ganzen Themen schon einmal gehört zu haben.“ Thorsten Englert habe ihm immer wieder gesagt, er würde quasi auf einen fahrenden ICE aufspringen. Wie richtig diese Einschätzung ist, hat Bernd Hornikel bereits am zweiten Tag im Amt gemerkt: „Da haben wir entschieden, einen Ukrainekrisenstab zu bilden.“
Der Krieg in Europa begleitet seine ersten Tage im Amt. „Die Solidarität und Hilfsbereitschaft ist spürbar“, sagt Bernd Hornikel. Rund 60 Haushalte hätten bereits angeboten, Flüchtlinge aufzunehmen. Rund 60 Menschen aus der Ukraine seien bisher angekommen: „Die ganz große Flüchtlingswelle haben wir noch nicht, aber ich gehe davon aus, dass es einen Sprung nach oben geben wird.“ Der Krisenstab kümmere sich bisher vor allem um das Thema Unterbringung. Bernd Hornikel vermutet aber, dass im Fahrwasser der Krise noch andere Themenfelder hochgespült werden: Wie sieht es aus mit der Ausstattung an Sirenen? Wie kann es eine bessere Energieautarkie geben? „Das könnte der Windkraft oder Fotovoltaik einen richtigen Schub geben“, sagt Bernd Hornikel.
Der Klimaschutz und die angepeilte Klimaneutralität von Schorndorf bis ins Jahr 2035 stünden bei ihm ganz oben. „Ich habe erste Gespräche mit meiner Stabsstelle geführt, weitere folgen,“ sagt er. Zügig vorangehen soll es jetzt in Sachen Stadtbücherei: Im April soll der Gemeinderat beschließen, ob die Einrichtung so wie bisher geplant am Archivplatz neu gebaut werden soll. Wie ist seine Einschätzung? „Ich verspüre Zustimmung“, formuliert es der Rathauschef vorsichtig.
Darüber hinaus liegen Bernd Hornikel vor allem die Teilorte am Herzen. Er möchte die Verwaltungsstellen stärken und kehrt damit vom bisherigen Kurs ab. „Wir müssen schauen, wie das organisatorisch und finanziell gehen kann“, sagt Hornikel, der aber auf jeden Fall dafür sorgen will, dass sich die Ortschaften wahrgenommen und wertgeschätzt fühlen. „Das kann ich selbst machen und kostet nichts“, sagt Hornikel, der bereits zwei Ortschaftsratssitzungen besucht hat.
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Wie blickt er auf seine ersten zwei Wochen zurück? Der Terminkalender sei vollgepackt, die Tage lang, es sei eine Herausforderung, sich trotzdem in die Themen einzuarbeiten. „Sagen wir es mal schwäbisch: Ich weiß abends, was ich gemacht habe.“ Aber: „Es hat mir jeden Tag Spaß gemacht und ich bin wirklich toll aufgenommen worden,“ sagt Bernd Hornikel.