Make Joseph-Süß-Oppenheimer-Platz great again – das war und ist das Motto der Jahre 2023 und 2024 am kleinen quadratischen Plätzchen, das unterhalb der Königstraße liegt, wo die Innenstadt langsam wieder anfängt, cool zu werden. Das ist nicht zuletzt dem Café Consafos, dem koreanischen Restaurant Kim’s So und dem Pop-up-Store-Konzept Brycke nebenan zu verdanken, die ein junges kreatives Publikum anziehen. Und den aktuellen Verschönerungsarbeiten seitens der Stadt, die den Platz in einen „attraktiven Aufenthaltsraum für die gesamte Stadtgesellschaft in zentraler Innenstadtlage“ verwandeln sollen, inklusive Erinnerungsort an das jüdische Justizopfer Joseph Süß Oppenheimer, Sitzgelegenheiten, Trinkwasserbrunnen, Beleuchtung und schattenspendender Bepflanzung. Ende dieses Jahres werden die Bauarbeiten für den „Joseph-Süß-Oppenheimer-Platz 2.0“ planmäßig beendet sein.
Und Mitte Mai eröffnet an diesem vielversprechenden Place-to-be ein weiteres Lokal, das sich als Publikumsmagnet entpuppen könnte: das Oscho, mit sch, nicht mit sh, wie der indische Philosoph Osho, nach dem der Laden zwar benannt ist, aber nur „weil uns der Name so gut gefallen hat, nicht aus inhaltlichen Gründen“, wie die beiden Betreiber:innen sagen. Das sind keine Geringeren als Nawel Haas und Armen Shala, die sich seit 15 Jahren kennen, lange Zeit für die Schräglage gearbeitet haben und nun mit einem eigenen Gastro-Projekt durchstarten wollen. „Wir haben schon damals, als wir noch für die Schräglage gemeinsam bei der Spielbank im SI-Centrum gearbeitet haben, gescherzt, dass wir irgendwann einen eigenen Laden eröffnen sollten“, erinnert sich Nawel. Dass es dann tatsächlich ausgerechnet die Fläche werden sollte, an der sie oft genug auf dem Weg zum Schräglage Club vorbeigelaufen sind und von der sie lange geträumt haben, „weil sie einfach perfekt ist“, hätten sich die beiden nicht träumen lassen. Doch das erst 2022 eröffnete Bianco machte schneller Platz als gedacht.
Bei unserem Besuch des künftigen Oschos in der Königstraße 29 (was missverständlich ist, denn es handelt sich um die Rückseite der Königstraße) stehen wir noch mitten auf einer Baustelle, die Fenster sind abgeklebt, die Wände unverputzt. Alles, was vorher drin war, haben die beiden neuen Pächter:innen herausgerissen. Doch der Plan steht: „Die große Bar wird nach hinten versetzt, da drüben kommt die Garderobe hin, da hinten werden die Toiletten abgetrennt“, erklärt Armen und blättert auf seinem Smartphone die Entwürfe durch. Helles Holz, Weiß, Grau und Waldgrün dominieren das Interior. Für die Innenausstattung haben sich die beiden das ganzheitliche Stuttgarter Bau- und Planungsbüro Werkkollektiv zur Seite geholt. 50 bis 60 Plätze soll es im vorderen Hauptteil geben, weitere 50 bis 60 im hinteren Lounge-Bereich, den man abtrennen und mieten kann. Nicht zu vergessen: die 60 Außenplätze, sobald die Bauarbeiten am Joseph-Süß-Oppenheimer-Platz abgeschlossen sind.
Bis dahin kann mit den großen Fensterfronten gearbeitet werden, die sich komplett öffnen lassen und im Sommer auch ins Innere des Ladens Sonne und frische Luft lassen. Das Oscho-Konzept lässt sich grob unter dem Begriff Cafébar zusammenfassen, „wir werden vermutlich um neun Uhr morgens aufmachen und bis abends um zwölf, am Wochenende auch länger – vielleicht bis drei Uhr – geöffnet haben“, prophezeit Armen. „Und zwar jeden Tag“, ergänzt Nawel. Auf der Karte sollen sich Kleinigkeiten wie belegte Brote und Croissants zum Frühstücken finden, aber auch verschiedene Kuchen. Mittags und abends soll’s leichte Küche geben, Flatbreads zum Beispiel, Oliven, verschiedene Platten mit Käse und Antipasti. „Alles, was man entspannt zu einer Flasche Wein essen kann“, betont Armen und schildert, wie er und Nawel sich einen optimalen Oscho-Besuch ausmalen: „Draußen in der Sonne sitzen, dann entspannt den Abend ausklingen lassen bei einem guten Wein und guter Gesellschaft und ein bisschen Musik. Ein bisschen wie im Urlaub.“ Besagten Vino wird es von internationalen, aber auch regionalen Weingütern auf der Karte geben. Das Bier kommt vom Fass (von welcher Brauerei, möchte man noch nicht verraten).
Sobald sich die Eröffnung nähert, werden wir nochmal auf einen Antrittsbesuch mit Kamera vorbeischauen.
Oscho, Königstr. 29 (Rückseite Richtung Joseph-Süß-Oppenheimer-Platz), Stuttgart-Mitte