Neuer Sportchef des 1. FC Köln Armin Veh wird vom Privatier zum Feuerwehrmann

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Zur allgemeinen Überraschung hat der 1. FC Köln Armin Veh als neuen Sportchef verpflichtet. Der frühere Meistercoach des VfB Stuttgart dürfte beim Tabellenletzten schnell merken, dass die Arbeit am Schreibtisch nicht weniger aufreibend ist als die auf dem Trainingsplatz.

Armin Veh ist zurück in der Bundesliga – nicht mehr als Trainer, sondern als Manager. Foto: dpa
Armin Veh ist zurück in der Bundesliga – nicht mehr als Trainer, sondern als Manager. Foto: dpa

Köln/Stuttgart - Diesmal ist alles ganz lautlos über die Bühne gegangen, was nicht oft vorkommt beim 1. FC Köln, dem selbst ernannten Karnevalsclub vom Rhein. Es gab kein Präsidiumsmitglied, das sich um Kopf und Kragen geredet, und keinen Boulevardreporter, der von dem tollkühnen Plan Wind bekommen hätte. Streng nachrichtlich setzte der akut abstiegsgefährdete Fußball-Bundesligist stattdessen selbst die verblüffte Öffentlichkeit darüber in Kenntnis, wer das Amt des vor sechs Wochen abgetretenen Sportchefs Jörg Schmadtke übernimmt: „Armin Veh wird FC-Geschäftsführer“, so stand es am Mittwochmittag auf der Vereinshomepage.

Die Überraschung könnte größer kaum sein und betrifft nicht allein die Diskretion aller Beteiligten. Sondern vor allem den Inhalt dieser Nachricht. Die Namen vieler möglicher Kandidaten sind in den vergangenen Wochen in Köln umhergeschwirrt – der von Armin Veh war interessanterweise nicht darunter. Dabei erfüllt der 56-Jährige doch „unsere Kriterien perfekt“, wie FC-Präsident Werner Spinner meint und die Personalie daher als „echtes Aufbruchsignal“ feiert: Veh bringe „große Erfolge“ und „viel Erfahrung“ mit – „auch in Krisen“.

Beim VfB Stuttgart warf Armin Veh vor drei Jahren freiwillig hin

Allerdings: bei seinen letzten Trainerstationen in Frankfurt (bis März 2016) und Stuttgart (bis November 2014) war jeweils schon wieder Schluss, noch ehe Veh die Krisen hätte meistern können. Beim VfB warf der Meistertrainer des Jahres 2007 nach seiner Rückkehr sogar freiwillig hin. In Köln hingegen wird sich Veh vom ersten Tag an mitten im Sturm befinden, wenn er am Montag, also nach dem Europa-League-Spiel an diesem Donnerstag in Belgrad und dem Abstiegsduell am Sonntag gegen Freiburg, seinen Dienst antritt.

Mit drei Punkten ist der FC abgeschlagener Tabellenletzter und hat zuletzt nach einer wochenlangen Hängepartie den bei den Kölner Fans hoch angesehenen Trainer Peter Stöger gefeuert. Nachvollziehbar also, dass Veh seine Aufgabe als „riesige Herausforderung“ betrachtet.

Seine Trainerkarriere hat Armin Veh offiziell beendet

Schon seit einigen Jahren hat sich Veh mit dem Gedanken getragen, den täglichen Trainerstress auf dem Rasen hinter sich zu lassen und es eine Etage höher am Schreibtisch ruhiger angehen zu lassen. Das war in Frankfurt nicht anders als beim VfB, wo er mit dem Präsidentenamt liebäugelte. Seine Trainerkarriere hat der 56-Jährige nun tatsächlich offiziell beendet, wie sein neuer Arbeitgeber mitteilt. Eher fraglich jedoch, ob der Plan, nicht mehr ganz so hochtourig zu fahren, ausgerechnet in Köln aufgeht.

Am traditionell stets aufgeregten Fußballstandort am Dom muss der Sportchef die große Krise moderieren, einen Trainer finden, den Abstieg einkalkulieren und den Neustart in der zweiten Liga vorbereiten. Gut also, dass Veh zumindest ausgeruht sein dürfte. In den vergangenen 21 Monaten hatte der Privatier viel Zeit, in den Wäldern um Augsburg mit seinem Flat-Coated Retriever spazieren zu gehen und auch sonst sein neues Lebensmotto zu beherzigen: „Ich mache nur, was mir Spaß macht.“

Der Müßiggang ist Armin Veh auf Dauer zu langweilig geworden

Der Müßiggang ist ihm auf Dauer offenbar doch zu langweilig geworden, und auch bei der gelegentlichen Teilnahme an Expertenrunden wollte es Veh nicht länger belassen. Die Verantwortlichen des FC, berichtet er, hätten ihn „sofort begeistert“. Jetzt freue er sich auf „die tolle Möglichkeit“, in Köln „ein nachhaltiges Projekt anzugehen“ und „in diesem faszinierenden Traditionsclub etwas zu bewegen“. Bis 2020 hat sich Veh gebunden, nachdem er bei seinen letzten Stationen als Trainer auf eigenen Wunsch nur noch Einjahresverträge unterschrieben hatte.

Es dürfte seinen Einstieg befördert haben, dass beim FC in Alexander Wehrle ein alter Bekannter aus VfB-Zeiten in der Geschäftsführung sitzt. Vom neuen Sportchef erhofft sich Wehrle „die nötige Ruhe“, nachdem ein anderer früherer Stuttgarter zuletzt ordentlich Unruhe verursacht hat: Zur Posse geriet der geplatzte Wechsel von Hannovers Sportchef Horst Heldt nach Köln, als beide Parteien öffentlich Gesprächsinhalte ausplauderten und heftig darüber stritten, wer denn nun wen zuerst kontaktiert hatte. Am Ende war es der FC, der Heldt eine Absage erteilte.

Armin Veh hat jenen Posten eingenommen, den Horst Heldt gern gehabt hätte

Und so zeigt sich jetzt ein weiteres Mal, welch verrückte Volten das Fußballgeschäft manchmal schlägt. Horst Heldt war es, der im Februar 2006, kurz zuvor vom Spieler zum Manager befördert, Armin Veh aus der Versenkung holte und zum VfB-Trainer machte. Gemeinsam mit Wehrle, dem damaligen Vorstandsreferenten, feierten sie im Jahr darauf die Meisterschaft. Und jetzt ist es Armin Veh, der den Platz beim FC einnimmt, den Horst Heldt so gerne gehabt hätte. Wehrle und Heldt wiederum, so darf man vermuten, werden sich nicht mehr allzu viel zu sagen haben.