Neuer „Tatort“ aus Erfurt Die Jungen kommen

Das Erfurter Trio:  Benjamin Kramme, Alina Levshin, Friedrich  Mücke Foto: ARD
Das Erfurter Trio: Benjamin Kramme, Alina Levshin, Friedrich Mücke Foto: ARD

Neue Ermittler, neue Städte: Der Tatort bekommt schon wieder einen neuen Look. Am Sonntag hat das jüngste „Tatort“-Team aller Zeiten in Erfurt Premiere. Eine Story ohne Sperenzchen, keine Helden, keine Psychos - allerdings trägt die Regie beim Unterstreichen der Jugendlichkeit zu dick auf.

Kultur: Ulla Hanselmann (uh)
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Stuttgart - Nie hat man seine Ruhe – nicht mal sonntagabends beim TV-Ritual. Der „Tatort“ war lange Zeit wie ein gemütliches Sofa. Wie ein Sitzmöbel, dass es gut mit einem meint. Weil man darauf prima herumlümmeln kann. Weil es schön durchgesessen ist und einen die Flecken an der einen oder anderen Stelle nicht stören. Im Gegenteil: wo’s schon ein bisschen schmuddelig ist, darf man sich gehen lassen. Wissenschaftler aus Karlsruhe haben neulich herausgefunden, dass der „Tatort“, obwohl er auf abgeschlossenen Einzelfolgen basiert, an das Seriengedächtnis der Zuschauer appelliere und wegen seines Wiedererkennungswertes über die regionalen Ausprägungen hinweg Geborgenheit vermittle.

Die Teams wurden immer mal wieder ausgetauscht, das Sofa bekam einen neuen Bezug. Aber der Zuschauer hatte reichlich Zeit, um die frisch bezogene Couch wieder abzuwetzen. Und an der Machart der Krimis hat sich wenig geändert, auch wenn immer wieder ein bisschen herumprobiert wird. Allein schon der seit mehr als vierzig Jahren unveränderte Vorspann garantiert Ruhe und Ordnung. Seit geraumer Zeit aber hat die Bequemlichkeit des „Tatort“-Sofas erheblich gelitten. Immer öfter wird ihm ein neuer Look verpasst. Ständig stellen sich neue Kommissare vor, unbekannte Einsatzgebiete tauchen auf der TV-Krimi-Landkarte auf. Abstrakt formuliert: die Reihe ist stark von Dynamik und Diversifikation geprägt Das klingt ungemütlich – und ist es auch.

Ein Blick zurück: vor gut einem Jahr gesellte sich Dortmund zu den Tatorten Köln und Münster in WDR-Land; im Zentrum des neuen Quartetts im Revier steht seitdem Jörg Hartmann als psychisch angeknackster Kommissar Peter Faber. Dann traten Anfang dieses Jahres in Saarbrücken Devid Striesow und Elisabeth Brück an die Stelle von Maximilian Brückner und Gregor Weber. Der Versuch, dem Münsteraner Spaßmacherduo Liefers und Prahl mit einer geballten Ladung unmotivierter Albernheiten nachzueifern, ging nach hinten los, Jens Stellbrinks zweiter Fall im April fuhr eine der miserabelsten Quoten überhaupt ein. Von Erfolg gesegnet darf sich hingegen der NDR wähnen: In Hamburg veredelte Til Schweiger alias Nick Tschiller in „Willkommen in Hamburg“ die Dauerserienware zu einem Action-Thriller und erzielte damit eine Topquote von 12,6 Millionen Zuschauern. Auch Wotan Wilke Möhring, der neuerdings im Norden Deutschlands als Thorsten Falke unterwegs ist, traf mit seiner trocken-schnoddrigen Art den Geschmack der Zuschauer.

Mit Ulmen und Tschirner soll es humorig werden

In der neuen Saison steht nun am Sonntag die erste von zwei Premieren an: In Erfurt gehen drei Jungspunde an den Start. Friedrich Mücke, 32, und Benjamin Kramme, 31, sind als Kriminalhauptkommissar Henry Funck und Kriminaloberkommissar Maik Schaffert ein eingespieltes Team im neuen Thüringen-„Tatort“. Die Dritte im Bunde ist die Jura-Studentin Johanna Grewel, gespielt von Alina Levshin, 29. Sie will mal Staatsanwältin werden und macht deshalb ein Polizei-Praktikum. Das Trio ist das jüngste Team, das es je im „Tatort“ gegeben hat. In „Kalter Engel“ führen die Ermittlungen ins Uni-Milieu, wo gnadenloser Leistungsdruck herrscht. Eine Story ohne Sperenzchen, die Jungen kommen ganz normal daher, keine Helden, keine Psychos, allerdings trägt die Regie beim Unterstreichen ihrer Jugendlichkeit viel zu dick auf.




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