Neuer Trainer des FC Bayern Mit diesen Problemen kämpft Julian Nagelsmann

Klare Ansagen: Julian Nagelsmann, Trainer des FC Bayern Foto: dpa/Sven Hoppe

Thomas Müller, Manuel Neuer und Joshua Kimmich steigen beim FC Bayern ins Training ein – dennoch gibt es beim Rekordmeister viele Fragezeichen.

Sport: Marco Seliger (sem)

Stuttgart/München - Thomas Müller erkannte die Zeichen der Zeit frühzeitig. Vor eineinhalb Wochen schaute er auf seine Füße und sah, nun ja, recht derangierte Zehnägel, die teils blau und rot gefärbt waren. Die Fußnote des Nationalspielers, die er im Netz zu seinem Zehenbild verfasste: „Ich muss wohl dringend zum Nagelsmann.“

 

Ob es der Müller inzwischen zur Fußpflege geschafft hat, ist nicht überliefert – beim echten Nagelsmann (das ist dieser junge Trainer mit dem Vornamen Julian) aber ist er nun vorstellig geworden. Verlinkt hatte Müller seinen neuen Münchner Coach ja schon beim Fuß-Post im Internet, und wahrscheinlich musste der Nagelsmann herzhaft lachen, als er das sah. Am Montag nun startete Müller mit seinen Nationalelf-Kollegen Manuel Neuer und Joshua Kimmich als letzter Profi des FC Bayern in die Vorbereitung. Und ja, auch der Trainer Nagelsmann erkannte die Dringlichkeit seines ersten beruflichen Treffens mit Müller und dessen Kollegen nach Ende des EM-Urlaubs. Er freue sich, so sagte es der Coach, über den Start seiner „entscheidenden und wertvollen Spieler“.

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Für diese Freude hat Nagelsmann gute Gründe. Denn bisher trainierte und spielte er, etwas überspitzt ausgedrückt, fast nur mit Talenten. Und der große FC Bayern lieferte daher in der Vorbereitung die Ergebnisse einer kleinen Talentetruppe. Nach den Niederlagen gegen den 1. FC Köln (2:3) und Borussia Mönchengladbach (0:2) sowie dem Remis gegen Ajax Amsterdam (2:2) setzte es nun zum krönenden Abschluss ein 0:3 gegen den SSC Neapel.

Viel Zeit bleibt nicht

In der ersten Hälfte standen da immerhin Robert Lewandowski, Leon Goretzka, Serge Gnabry oder Leroy Sané wieder zur Verfügung, jetzt komplettierten Müller, Kimmich und Neuer das Team – allerdings: Viel Zeit zum Einspielen bleibt Nagelsmann mit seiner Elf nicht. Das Erstrundenspiel im DFB-Pokal an diesem Freitag (20.45 Uhr/Sport1) beim Oberligisten Bremer SV dürfte kein Problem werden, eine Woche später aber geht es zum Bundesliga-Auftakt zu Borussia Mönchengladbach. Und das weiter unter erschwerten Bedingungen.

Denn die Lage bleibt trotz der prominenten Rückkehrer angespannt: Lucas Hernandez, Alphonso Davies (verletzt), Corentin Tolisso (Quarantäne), Niklas Süle (Rückenprobleme) und Kingsley Coman (Rippenprellung) fallen derzeit aus. Gepaart mit den Ergebnissen der Testspiele und der kurzen Vorbereitung mit den EM-Stars bedeutete das in München nun kurz vor dem Start normalerweise eine Transferoffensive (oder zumindest ein Transferoffensivchen). Mindestens einen Neuzugang also gäbe es wohl in den nächsten Tagen oder Wochen – jetzt, im Sommer 2021 aber, gibt es an der Säbener Straße in dieser Hinsicht wohl: nichts.

Große Einbußen auch für den FC Bayern

Denn der FC Bayern plant keine weiteren Transfers. Vorstandschef Oliver Kahn betonte, dass man „sehr gut aufgestellt ist“. Der Kader, so Kahn weiter, sei „exzellent“. So also verkauft der Clubchef den Beschluss des Vorstands, nach dem es zur Saison 2021/22 keine Großinvestitionen gibt, nach außen. 150 Millionen Euro an Einbußen gab es seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 – das ist auch für den großen FC Bayern kein Klacks. Weshalb der große FC Bayern in diesem Sommer spart. Auch bei den Neuzugängen.

Da trifft es sich im Sinne des Betriebsklimas gut, dass sich der neue Trainer im Gegensatz zu seinem Vorgänger Hansi Flick mit Forderungen zurückhält. Julian Nagelsmann nimmt die personellen Bedingungen ohne großes Murren hin. „Wenn nichts auf dem Markt ist“, sagt er dazu trocken, „dann haben wir einen guten Kader.“

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