“Women’s March“ Weltweite Proteste gegen Trump

Von red/dpa/AP/AFP 

Proteste in aller Welt nach der Amtsübernahme von Donald Trump: Die düster-aggressive Antrittsrede des US-Präsidenten schürt Ängste. In Washington trat Madonna beim „Women’s March“ auf.

Eine Teilnehmerin beim „Women’s March“ in Bordeaux. Weltweit gingen Menschen gegen Trump auf die Straße. Foto: AFP 34 Bilder
Eine Teilnehmerin beim „Women’s March“ in Bordeaux. Weltweit gingen Menschen gegen Trump auf die Straße. Foto: AFP

Washington - Die Vereidigung des Unternehmers Donald Trump zum neuen US-Präsidenten und die von ihm angekündigte rücksichtslose Interessenpolitik haben weltweit Ängste, Sorgen und Proteste ausgelöst.

Zur größten Anti-Trump-Kundgebung „Marsch der Frauen“ wurden in der US-Hauptstadt am Samstag zwischen 200 000 und einer halben Million Teilnehmer erwartet – eine der größten Demonstrationen in den USA seit vielen Jahren. Die Demonstranten wollten die Wahrung von Menschen- und Bürgerrechten einfordern sowie gegen Hass und Intoleranz eintreten.

Alternative Route durch Washington

Dabei hat Pop-Diva Madonna die Menschen mit einem Überraschungsauftritt erfreut. Sie trat auf die Bühne und hielt eine Rede, in der sie heftig über den neuen Präsidenten herzog. Sie rief die Frauen im Land auf, ihre Ablehnung deutlich zu machen, „dieses neue Zeitalter der Tyrannei zu akzeptieren“. Alle Minderheiten im Land seien „in Gefahr“, warnte Madonna. Dem müssten die Demonstranten eine „Revolution der Liebe“ entgegensetzten. Nach ihrer Rede sang die Pop-Diva zwei Songs.

Wegen der offenbar riesigen Beteiligung sind die Teilnehmer von den Organisatoren ermutigt worden, auf einer Alternativroute zu einem Gebiet nahe dem Weißen Haus zu marschieren. Der Originalplan war gewesen, einen förmlichen Marsch vom Kapitol über die Südseite der National Mall zu der Ellipse, einer ellipsenförmigen Rasenfläche vor dem Amtssitz von US-Präsident Donald Trump, abzuhalten.

Das war laut der Verwaltung des Hauptstadtbezirks wegen der immensen Teilnehmerzahlen aber nicht mehr möglich, da sich auf der gesamten ursprünglichen Marschroute mehrere Hunderttausend Demonstranten eingefunden hatten. Die Organisatoren empfahlen Kundgebungsteilnehmern deshalb, entlang der Nordseite der Mall über die Constitution Avenue Richtung Ellipse zu marschieren.

Weltweite Demonstrationen

Zur wohl größten Demo außerhalb der USA kamen in London nach Schätzungen der Veranstalter etwa 100 000 Menschen zusammen.

Auch in Paris haben Menschen am Tag nach der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump für Frauenrechte demonstriert. Sie versammelten sich am Samstag in der Nähe des Eiffelturms. Die Zeitung „Le Monde“ berichtete von mehreren Hundert, die Zeitung „Libération“ sogar von mehreren Tausend Teilnehmern. Im Aufruf zu dem Protest hatten feministische Verbände und Menschenrechtsorganisationen Trump eine sexistische und ausländerfeindliche Ideologie vorgeworfen. Trumps Amtsantritt bedrohe die Demokratie, sagte eine Teilnehmerin dem Sender BFMTV. Ähnliche Demonstrationen gab es auch in vielen anderen Städten weltweit, wenn auch viel kleiner, so in Berlin, Frankfurt, München und Heidelberg.

Trump macht Obamas Politik rückgängig

Sätze wie dieser in seiner Antrittsrede ließen weltweit die Alarmglocken läuten: „Wir sind heute hier zusammengekommen, um ein neues Dekret zu erlassen, das man in jeder Stadt, in jeder ausländischen Hauptstadt und in jedem Machtzentrum hören soll. Vom heutigen Tag an wird eine neue Vision unser Land regieren. Vom heutigen Tag an wird es nur noch „Amerika zuerst“ heißen, „Amerika zuerst“.“

Trump hatte noch am Abend seiner Vereidigung begonnen, die Politik seines Vorgängers Barack Obama rückgängig zu machen. So unterschrieb er in einer seiner ersten Amtshandlungen eine Anordnung, mit der die Gesundheitsreform rückgängig und die flächendeckende Gesundheitsvorsorge in den USA abgeschafft werden könnte. Das von Trump und seiner republikanischen Partei versprochene Ersatzinstrumentarium für „Obamacare“ ist bisher nicht in Sicht.

In den ersten Stunden der Präsidentschaft wurden der neue Verteidigungsminister James Mattis sowie Heimatschutzminister John Kelly vereidigt - beide sind ehemalige Generäle der US-Streitkräfte. Mattis steht für einen kritischeren Umgang mit Russland, als Trump ihn angekündigt hatte. Es sind die ersten beiden voll arbeitsfähigen Mitglieder des neuen Kabinetts.

Bereits am Tag der Vereidigung Trumps war es in Washington und vielen anderen Städten der Welt zu Protesten gegen Trump und seine Politik gekommen. Allein in der US-Hauptstadt wurden rund 200 Menschen festgenommen. Vereinzelt kam es zu Ausschreitungen, jedoch hatte die Polizei die Situation unter Kontrolle.

„Es kommen Turbulenzen auf uns zu“

Die internationalen Medien hatten auf die Amtsübernahme des 70 Jahre alten Politikneulings überwiegend negativ reagiert. „2017 hat Trump der Welt klar gemacht, dass sie sehr besorgt sein sollte. Trumps Rede war abwechselnd bitter, angeberisch und banal. Sie kochte über vor Groll und Verachtung für die Politik sowie die Gewaltenteilung im US-System“, schrieb der britische „Guardian“. Die Trump-freundlichere „Times“ glaubt, seine Präsidentschaft könne zum Erfolg führen, dafür müsse er aber mehr Bescheidenheit an den Tag legen. Trump selbst bedankte sich beim US-Sender Fox News und anderen Medien für die „großartige“ Berichterstattung.

Der „Sydney Morning Herald“ schreibt: „Trump befehligt nun die größte wirtschaftliche und militärische Macht der Welt. Aber er hörte sich an, als habe er gerade Venezuela übernommen (...) Wie sagen die Flugbegleiter zu den Passagieren: „Bitte bleiben Sie auf ihren Plätzen. Schnallen Sie sich an. Es kommen Turbulenzen auf uns zu.““