Neuer Wasserteich in Alfdorf So wappnet sich der Golfclub Haghof gegen Dürresommer

Golfclub-Präsidentin Hanni Weiler und Platzbeauftragter Eckard Munz können den nächsten Dürresommer entspannt angehen. Foto: Georg Friedel

Der Golf- und Landclub Haghof bekommt die Folgen des Klimawandels deutlich zu spüren. Um die Bewässerung des Grüns zu sichern, müssen sich die Betreiber einiges einfallen lassen.

Paule ist kein Weichei. Der Schwimmreifenmann, der mitten im kleinsten Weiher des Golf- und Landclubs Haghof (GLC) treibt, ist allwettertauglich – ganz egal, ob es nun im Juli 35 Grad im Schatten hat oder wie jetzt gerade ein ziemlich kalter Märzwind durch die bewaldete Schneise an Bahn 17 pfeift. Aus mehreren 100 Metern Entfernung ist für Golfgäste am Abschlag schwer erkennbar, dass es sich bei Paule drunten im Tal gar nicht um einen echten Menschen handelt. Denn das voluminöse Kerlchen mit seiner blau-weißen Badekappe und dem großen Schwimmring ist in Wirklichkeit eine ziemlich lebensecht aussehende Figur der Installationskünstlerin Christel Lechner.

 

Von Juni bis Mitte August fast keine Niederschläge

Eigentlich ist GLC-Maskottchen Paule das passende Sinnbild dafür, dass sich Golfplatz-Betreiber in Zukunft neu aufstellen müssen. Denn im letzten Hochsommer schmolz Paules angestammtes Feucht-Reservat am Rande des Schwäbischen Waldes fast so schnell dahin wie ein Wasserloch in der Wüste Namib. „Wir hatten von Juni bis Mitte August fast keine Niederschläge“, sagt Eckard Munz. Das ehrenamtliche Mitglied im Vorstand des GLC ist sich sicher, dass wenn diese Trockenphase noch zwei oder drei Wochen länger angedauert hätte, die Bewässerung der Grüns und Abschläge gefährdet gewesen wäre.

Wenn diese relativ kleinen von Landschaftsgärtnern modellierten und aufgebauten Flächen auf einem Golfplatz kaputtgehen, wird der Wiederaufbau relativ teuer. Umso wichtiger sei es, „eine ausreichende Wasserversorgung zur Beregnung der Grüns und Abschläge sicherzustellen“, sagt der GLC-Platzbeauftragte Munz. Angesichts der immer länger werdenden Dürrephasen kommen Golfplatz-Betreiber künftig kaum mehr umhin, das Wassermanagement für ihre großflächigen Anlagen zu optimieren.

Das heißt: Ohne ausreichende eigene Wasservorräte und Speicher droht dem Golfsport auch hierzulande der Kollaps. Denn das Brauchwasser aus der Leitung zu nehmen oder bestehende Fließgewässer im öffentlichen Raum anzuzapfen, ist künftig weder finanzierbar noch gesellschaftlich vermittelbar. Daher beschreiten die Verantwortlichen beim GLC Haghof nun eigene Wege, um ihre Öko-Bilanz zu verbessern.

Im vergangenen Oktober wurde mit dem Aushub eines 133 Meter langen und 35 Meter breiten Folienteiches an der Bahn 4 begonnen. Dieses lang gezogene Wasserhindernis hat ein Fassungsvermögen von 8500 Kubikmetern. Gleichzeitig wurde ein zweiter bestehender See auf der Bahn 4 um 3500 Kubikmeter erweitert. Damit kann nun die Wasserspeicher-Kapazität im Idealfall um 12 000 Kubikmeter erhöht werden. Insgesamt existieren auf dem Haghof nun fünf solcher Speicherseen und mehrere Biotope auf dem 18-Loch-Platz zwischen Welzheim und Alfdorf: „Wir können somit die Trockensommer künftig etwas entspannter angehen“, betont Munz. Rund 500 000 Euro kostet das Projekt. Die Baumaßnahme wird bis auf einen Zuschuss in Höhe von 37 000 Euro vom Golfclub selbst finanziert. Ein vom Landratsamt gefordertes Bodenschutzkonzept und ein Artenschutzkonzept musste im Rahmen des Genehmigungsverfahrens erstellt werden. Mit der ausgebaggerten Erde wird der Uferbereich modelliert und die stark Richtung Wald abfallende Bahn 2 ebener gestaltet.

Bepflanzung des Uferbereichs mit Schwertlilien

Ab Mitte März soll die Bepflanzung der Uferbereiche des neuen Teiches mit Schwertlilien und Schilf in Angriff genommen werden. Zudem sollen 18 neue Laub- und Obstbäume gesetzt werden. Blumenwiesen werden gesät und ein weiteres Biotop ist geplant, um Lebensräume für Schmetterlinge, Bienen, Insekten, aber auch Lurche, Kröten und Frösche zu schaffen. Wissenschaftler und Golfplatz-Gutachter wie Martin Bocksch von der Universität Geisenheim beraten den Golfclub regelmäßig beim Thema Artenvielfalt und Naturschutz.

Für Club-Präsidentin Hanni Weiler und den Platzbeauftragten Eckard Munz besteht kein Zweifel, dass Golfplätze sich mit kluger Vorsorge auf den fortschreitenden Klimawandel einstellen müssen. Bei dem Projekt „Golf und Natur“ des Deutschen Golfverbandes hat der Haghof nun wiederholt das Zertifikat „Gold“ bekommen. Und Schwimmreifenmann Paule muss sich angesichts der verdoppelten Speichersee-Kapazität nun keine Sorgen mehr machen, dass er bald auf dem Trockenen sitzen könnte.

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