Neues Bilderbuch Wie zwei Mütter zu Verlegerinnen wurden
Weil ihnen die Kinderbücher, die es gibt, nicht gefallen, entwerfen zwei Frauen aus Plochingen und Süßen kurzerhand ein eigenes. Jetzt ist die Geschichte über Tilli Löwenzahn fertig.
Weil ihnen die Kinderbücher, die es gibt, nicht gefallen, entwerfen zwei Frauen aus Plochingen und Süßen kurzerhand ein eigenes. Jetzt ist die Geschichte über Tilli Löwenzahn fertig.
Es gibt kein Unkraut! Biogärtner wissen das, Tilli Löwenzahn zunächst nicht. Die Geschichte, wie die Pusteblume sich selbst wertschätzen lernt, erzählt ein Pappbilderbuch für die Kleinsten. Die Autorin Vanessa Schneider und die Illustratorin Tamara Feldmeier haben aber auch selbst eine Menge gelernt.
Beschnittzugabe, Druckverfahren, Buchvertrieb – das alles war vor zwei Jahren noch unbekanntes Terrain für Vanessa Schneider und Tamara Feldmeier, die mit ihren Familien in Plochingen und Süßen (Kreis Göppingen) wohnen. Die Frauen haben sich vor Jahren im Schwangerschaftsyoga kennengelernt; mittlerweile sind beide zweifache Mutter und nach wie vor befreundet. Abendliches Vorlesen ist in ihren Familien „wichtiger Bestandteil in der Erziehung“, sagt Feldmeier. Aber mit dem Lesestoff für die Kleinsten waren sie nicht zufrieden: Diese Bücher hätten in der Regel so gut wie keinen Text; sie selbst trauen den Jüngsten aber durchaus zu, eine kleine Geschichte zu verstehen.
Wie die von der Pusteblume, die Schneider eines Tages in den Sinn kam: „Sie war an einem Abend plötzlich da, komplett von Anfang bis Ende.“ Von da an war es nicht mehr weit bis zu der Idee, ein Buch zu machen. Zumal Tamara Feldmeier schon einmal ein Märchen für einen Autor illustriert hat: Sie zeichnet zunächst von Hand und arbeitet dann die Bilder mit einem Grafikprogramm digital aus. Vanessa Schneider träumte dagegen schon lange davon, Autorin zu werden. Warum nicht mit einem Bilderbuch anfangen? „Wir dachten, wir sind in drei Monaten fertig“, sagen die beiden.
Das war optimistisch, das Projekt nahm weitaus größere Ausmaße an, zumal sie es sehr gründlich angingen. Die ersten kritischen Probeleser waren die eigenen Kinder, die prompt protestierten, wenn etwas nicht ganz klar war. Eins von ihnen hat auch den Namen Tilli für den Löwenzahn vorgeschlagen, der sowohl männlich als auch weiblich verstanden werden kann. Gelesen haben auch eine Lektorin mit pädagogischem Hintergrund und weitere Personen, die einem Aufruf auf Instagram folgten. Das brachte zahlreiche Rückmeldungen, viele positive und einige kritische, mit denen sich die beiden Frauen ebenfalls auseinandersetzten.
Ihr Buch hat ein besonderes Konzept: Die kurzen Sätze auf den linken Buchseiten funktionieren für die Jüngsten, erklärt Vanessa Schneider. Wenn man die etwas längeren Texte auf der jeweils rechten Seite liest, passt die Geschichte für Kinder bis etwa drei Jahre. Zusätzlich gibt das Buch Impulse, Themen zu vertiefen oder aktiv zu werden. Auf der Website des Storchenverlags, den Schneider und Feldmeier gleich mitgegründet haben, findet man zudem Ausmalbilder, Bastelvorlagen und Sticker. „Self-Publishing“ schien ihnen der bessere Weg, brachte aber auch eine Reihe von Herausforderungen mit sich: zum Beispiel, eine Druckerei für das Spezialgebiet Papp-Bilderbücher zu finden, druckreife Vorlagen zu erstellen und sich Gedanken über den Vertrieb zu machen.
Mittels Crowdfunding haben sich die Verlegerinnen eine Anschubfinanzierung verschafft. Vom 1. Dezember an soll „Tilli Löwenzahn – du bist etwas ganz Besonderes“ nun im Buchhandel bestellbar sein, ebenso natürlich direkt im Storchenverlag. „Wir sind echt stolz“, sagen die beiden, die noch einiges vorhaben. So wollen sie Tilli Löwenzahn etwa als Projekt für Kitas anbieten. Weitere Bücher sind auch nicht ausgeschlossen. „Die Ideen sind da“, sagt Vanessa Schneider.