Neues digitales Angebot in Weil der Stadt Auch die Bürgerapp soll kommen

Mit der neuen städtische Webseite ist man im Weiler Rathaus zufrieden – auch im Büro von Bürgermeister Christian Walter. Foto: Stadt Weil der Stadt

Eine 2016 in Kraft getretene EU-Richtlinie verpflichtet öffentliche Stellen zu barrierefreien Homepages. Das hat die Stadt Weil der Stadt jetzt gemacht – und die Webseite dabei generalüberholt. Obwohl der Gemeinderat einst öffentlich dagegen stimmte, kommt auch noch eine App.

Leonberg: Sophia Herzog (she)

Dass das Internet für alle Neuland ist, proklamierte Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2013 und lieferte damit die Steilvorlage für einen bis heute gern gerissenen Witz über die schleppende Digitalisierung in Deutschland. Den machte sich jüngst auch der Weil der Städter Bürgermeister Christian Walter (parteilos) zunutze. In einem auf Instagram veröffentlichten Foto posiert er mit diesem berühmten Merkel-Ausspruch samt Merkel-Raute – mit Neuland ist hier gemeint: die neue Homepage der Stadt.

 

Ein altes Meme für die neue Homepage Foto: Stadt Weil der Stadt

Diese ging vor wenigen Tagen online, gute zwei Jahre, nachdem der Gemeinderat diese Investition beschlossen hatte. Ganz freiwillig war das nicht: Eine EU-Verordnung schreibt vor, dass die Homepages öffentlicher Einrichtungen barrierefrei gestaltet werden, also für Menschen mit Behinderung leichter bedienbar sein sollen – eine Aufgabe, die der Verwaltung also ohnehin bevorstand. Entschieden hat man sich dabei gleich für eine Rundumerneuerung, unter anderem, weil es für die Desktop-Version und jene auf dem Smartphone bisher zwei unterschiedliche Systeme brauchte, um die Inhalte zu verwalten. In der mobilen Version waren deshalb auch einige längst veraltete Informationen zu finden.

50 000 Euro für neue digitale Auftritte

Teil der neugestalteten städtischen Homepage ist nicht nur die Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung, die etwa durch Inhalte in leichter Sprache oder die Möglichkeit, Schrift zu vergrößern, geschaffen werden soll. „Neben der gesetzlichen Vorgabe lag ein Schwerpunkt darauf, dass die Website unabhängig vom Endgerät problemlos aufgerufen werden kann“, erklärt Jessica Dengel, Leiterin des Haupt- und Personalamtes. Sowohl am PC als auch am Smartphone sollen die Inhalte nun gut lesbar sein.

Gekostet hat die neue Internetseite 50 000 Euro, in etwa so viel, wie auch beim Gemeinderatsbeschluss eingeplant wurden. Rund 6000 Euro davon wurden im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert, heißt es aus dem Rathaus. „Weil die Inhalte von Grund auf neu eingepflegt werden mussten, war der Aufwand groß“, berichtet Dengel. Der Aufwand habe aber die Chance geboten, alle Inhalte auf Aktualität und Vollständigkeit zu prüfen. Vier Mitarbeitende der Stadtverwaltung und zwei geringfügig Beschäftigte waren am Neustart beteiligt. „Wir haben die Stunden nicht gezählt“, so Dengel. „Aber in der heißen Phase von Oktober bis jetzt haben alle parallel zum Tagesgeschäft sehr intensiv am Relaunch gearbeitet.“

Auch eine App wird es geben

Bei der Homepage will es die Stadt aber nicht belassen, voraussichtlich im März soll auch eine eigene App starten. Gegen diese hatte sich der Gemeinderat im Spätherbst 2021 eigentlich aus Kostengründen entschieden, man wollte angesichts der Haushaltslage in der Keplerstadt Geld sparen. Warum jetzt also doch eine App? „Die Verwaltung hat dem Gemeinderat zwischenzeitlich noch einmal das vollständige Angebot der Firma Hitcom nichtöffentlich vorgelegt“, so Dengel. Nichtöffentlich habe man dies besprechen wollen, um die Interessen der Firma zu schützen. Außerdem habe man parallel die Förderbedingungen erörtert. „Auf dieser Basis ist der Gemeinderat zu dem mehrheitlichen Entschluss gelangt, dass die Lösung mit App die wirtschaftlichste ist“, sagt Dengel.

Für die App sollen die Inhalte der Webseite übernommen werden, damit kein zusätzlicher Verwaltungsaufwand entsteht. Funktionen der Browser-Version, etwa der Schadensmelder oder das Bürgerserviceportal, soll es also auch in der App geben. Nur das Design wird angepasst. Im Laufe des Jahres werden weitere Funktionen dazukommen, kündigt die Stadt an.

Bis dahin gibt es an der neuen Webseite noch Optimierungsbedarf. Wer über die Google-Suche auf Unterseiten der Homepage will, läuft mit so manchem Link noch ins Leere. Und die neue, intelligente Suchfunktion müsse erst einmal lernen, so Dengel. „Ansonsten sind wir bisher sehr zufrieden mit unserer neuen Website“, so die Hauptamtsleiterin. „Wer Anregungen hat, kann sich gerne an uns wenden.“

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