Stuttgart-Feuerbach - Nach zähem Ringen, etlichen E-Mails, Briefen, Anträgen und Gesprächen scheint eine neue Lösung für die Interimsplanung des Neuen Gymnasiums Leibniz in Feuerbach gefunden zu sein. Am vergangenen Donnerstag hatte Schulbürgermeisterin Isabel Fezer zu einem digitalen Runden Tisch geladen, um der Schulleitung, den Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern sowie den Stadt- und Bezirksbeiräten einen neuen Vorschlag zu präsentieren, wie und wo während der geplanten sechsjährigen Bauzeit des Feuerbacher Schulcampus die Gymnasiasten unterrichtet werden können.
Das alte Konzept sah gleich mehrere Interimsquartiere vor
Das erste, stark kritisierte Konzept sah vor, dass gleich mehrere Interimsquartiere nötig sind, um die rund 1300 Schüler des größten allgemeinbildenden Gymnasiums in Stuttgart ab dem Schuljahr 2022/2023 zu unterrichten (wir berichteten). Die Rede war von zwei/drei weiteren Standorten, die teilweise bis zu zwei Kilometer von den Hauptgebäuden an der Klagenfurter Straße entfernt liegen. Etwa die Hälfte der Schüler sollte zum Beispiel in zwei Gebäuden an der Siemensstraße 52 untergebracht werden – bis zum Schuljahresbeginn 2026/27. Dieses Vorhaben stieß bei der Schulgemeinschaft auf großen Widerstand. „Es geht uns hier nicht nur um den baulichen Zustand des Interimsgebäudes in der Siemensstraße 52, auch nicht ausschließlich um die gefährliche Lage des Gebäudes oder den gefährlichen Schulweg dorthin, sondern vielmehr befürchten wir einen kompletten Zerriss unserer Schulgemeinschaft und den Verlust unseres Schulspirits durch das Splitten des Unterrichtes auf mehr als vier Standorte“, schrieben die Elternbeiratsvorsitzende Gabriele Dehner und ihre Stellvertreterin Tanja Küstermann unter anderem an Bezirksvorsteherin Andrea Klöber. Zudem habe man festgestellt, „dass das Schulverwaltungsamt bislang am Raumbedarf unserer Schule vorbeigeplant hat und trotz der vielen Standorte weitere elf Klassenräume fehlen“.
An der Siemensstraße soll nur noch die Kursstufe unterrichtet werden
Die Proteste der Schulgemeinschaft blieben nicht ungehört. Die Gemeinderatsfraktionen hakten nach, das Schulverwaltungsamt ging noch einmal in intensive Gespräche und konnte letztendlich am Donnerstag einen Vorschlag präsentieren, mit dem wohl die große Mehrheit der Schulgemeinschaft und des Gemeinderats sehr gut leben kann. An der Siemensstraße 52 sollen nun nicht mehr die Schüler ab der achten Klasse unterrichtet werden, sondern nur noch die Kursstufe und eventuell Teile der elften Klassen. „Für Letztere suchen wir aber noch nach Lösungen, da sie gemeinsam mit den Zehntklässlern einige Kurse belegen. Wir versuchen auch für sie das Hin- und Herfahren zu vermeiden“, sagte der Direktor des Neuen Gymnasiums Leibniz (NGL), Stefan Warthmann, am Montag gegenüber unserer Zeitung.
Die Finanzierung ist noch nicht geklärt
Alle anderen Schüler können während der Bauzeit im ehemaligen Leibniz-Gymnasium, ab Herbst 2026 in den Neubauten und sonst in elf Containern auf freien Flächen rund um die benachbarte Kerschensteinerschule unterkommen. Letztere Lösung ist neu – würde allerdings auch rund fünf Millionen Euro zusätzlich kosten, die der Gemeinderat erst noch bewilligen muss. Unabhängig von der noch fehlenden Finanzierung, so berichten mehrere Teilnehmer des Rundes Tisches übereinstimmend, habe Fezer am Donnerstag immer wieder betont, dass dieser Vorschlag zwar einen sehr realistischen Plan darstelle, aber noch kein Haken dran sei. Man sei zwar mit den anderen Ämtern bezüglich Planung und Baurecht im Gespräch, habe aber noch kein grünes Licht. Allerdings habe man sich Mühe gegeben und sei auf dem richtigen Weg.
Der Elternbeirat lobt das Schulverwaltungsamt
„Wenn das alles so kommt, ist es wirklich super“, freut sich Warthmann. „In den vergangenen Wochen hat sich wahnsinnig viel bewegt.“ Auch Schülersprecher Faris Hamada ist frohen Mutes: „Es gibt noch offene Fragen zur Siemensstraße 52, unter anderem zur Ausstattung und der Modernisierung.“ Aber wenn alles so klappen werde, wie besprochen, gehe er davon aus, dass der Großteil der Schüler mit dieser Lösung durchaus leben könne. Auch die Elternbeiratsvorsitzende Gabriele Dehner ist im Großen und Ganzen zufrieden: „Am Donnerstag werden wir den Elternbeirat über den aktuellen Stand informieren.“ Das Schulverwaltungsamt habe sich ins Zeug gelegt. Einige Punkte seien aber noch zu klären – wie zum Beispiel die Frage nach der Essenversorgung an der Siemensstraße oder der dortigen Parkplatzsituation. Man werde auf jeden Fall am Ball bleiben und habe in den vergangenen Wochen schon sehr viel erreicht.