Neues Konzerthaus in Stuttgart Macht doch endlich!
Die Chance auf ein integratives Konzerthaus darf nicht verpasst werden, findet unsere Autorin Susanne Benda.
Die Chance auf ein integratives Konzerthaus darf nicht verpasst werden, findet unsere Autorin Susanne Benda.
Von der Aussichtsplattform der Elbphilharmonie aus blicken täglich Tausende Gäste auf den Hamburger Hafen. Auf der Rampe zum Opernhaus in Oslo wird im Winter gerodelt. Im Bochumer Musikforum Ruhr residiert neben den Symphonikern die Musikschule.
In anderen neueren Konzerthäusern versammelt sich im Foyer die Stadtgesellschaft, da wird gearbeitet, gelesen, gegessen und getrunken. Sie sind Orte des Miteinanders, und sie beweisen, dass hohe Qualität den niederschwelligen Zugang nicht ausschließt.
Jede Stadt, die über ein solches Haus verfügt, leistet hier wichtige Integrationsarbeit. Zumal in Zeiten der auseinanderbrechenden Interessen, der sich radikalisierenden politischen Positionen und der wachsenden migrantischen Anteile ist das ein wichtiger Kitt für die Gesellschaft.
Ein Konzerthaus zu bauen heißt heute nicht mehr, mit Steuergeldern von allen der sogenannten Hochkultur einen geschlossenen Raum zu finanzieren, sondern es bedeutet, einen Ort zu installieren, an dem man zusammenkommt und im Austausch sein kann.
Ein Konzerthaus nicht zu bauen heißt, die Chance auf diese konkrete Utopie zu verschenken.
Eine genaue Planung ist wichtig. Unabdingbar ist auch eine umfassende Diskussion. Aber dann: Macht doch endlich! Erstickt nicht so lange in Zögerlichkeiten, Bedenken und Klein-Klein, bis aus dem großen Konzerthausprojekt ein mickriges Klanghäuschen geworden ist.
Man muss nicht in München wohnen, um auch mal groß zu denken. Handlungsbedarf besteht jetzt. Und vor der Handlung braucht es Klarheit: Was will die Landeshauptstadt in Zukunft sein, wie will sie wirken, wie definiert sie ihr Image als Kulturstadt?
In einer Zeit der vielen Ängste täte es Stuttgart gut, endlich mal keine Angst vor einer mutigen Vision zu haben.
„Mir san mir!“ – das geht auch im schwäbischen Stuttgart, und es täte dieser Stadt verdammt gut.