Neues Radgeschäft in Leonberg Das E-Bike ist noch immer der Motor der Fahrradbranche
In Leonberg, in Sichtweite des Bahnhofs, haben die Geschäftsleute Imle aus Bietigheim-Bissingen einen Cube-Store eröffnet. Sie investierten sechs Millionen Euro.
In Leonberg, in Sichtweite des Bahnhofs, haben die Geschäftsleute Imle aus Bietigheim-Bissingen einen Cube-Store eröffnet. Sie investierten sechs Millionen Euro.
Gleich im Eingangsbereich an der Fensterfront stehen repräsentativ die Ferraris unter den Fahrrädern. Vollgefederte E-Bikes mit breiten Reifen und markantem Stollenprofil. Überhaupt lassen Petra und Klaus Imle, die Geschäftsführer des jüngst eröffneten Leonberger Cube-Stores in der Schweizermühle 13, mit ihrer Produktausstellung im gesamten Untergeschoss den anhaltenden Trend erkennen. „Seit fünf bis sechs Jahren haben wir eine erdrutschartige Entwicklung im E-Bike-Bereich, vor allem bei der Marke Cube, die wir hier ausschließlich vertreten“, sagt Petra Imle.
Untermauert wird dieser Trend von den aktuellen Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV). Demnach ist das E-Bike der Motor der Fahrradbranche – und das in fast allen Produktsegmenten. Im Jahr 2023 wurden in Deutschland mit 53 Prozent (2022 waren es 48) erstmals mehr E-Bikes als klassische Fahrräder verkauft. Abgesetzt wurden 2,1 Millionen E-Bikes sowie 1,9 Millionen Fahrräder ohne elektronische Verstärkung. „Fahrräder und E-Bikes stehen bei Verbrauchern trotz der wirtschaftlichen Lage hoch im Kurs“, sagt Burkhard Stork, der Geschäftsführer des ZIV.
Insgesamt sei der Fahrrad- beziehungsweise E-Bike-Bestand in Deutschland 2023, wie in den vergangenen Jahren, weiter gewachsen. Insgesamt gäbe es in Deutschland 84 Millionen Räder, davon seien 11 Millionen mit einem Antrieb versehen. Der Trend gehe dabei neben dem Neukauf vermehrt auch zur Anschaffung von Zweit- oder Dritträdern. Beispielsweise für die Freizeit, den Sport oder den Transport. Laut ZIV sei eine Marktsättigung weiterhin nicht absehbar.
Diese Entwicklung kann Petra Imle bestätigen, die mit ihrem Mann in Leonberg bereits ihr drittes Radgeschäft eröffnet hat. „Historische Verkaufsrekorde erlebten wir während der Coronazeit“, sagt die 57-jährige Geschäftsfrau, „da sind die Leute stundenlang angestanden, um ein Rad kaufen zu können.“ Die Umsätze in ihren bisherigen Geschäften in Bietigheim-Bissingen und in Ludwigsburg bewegten sich im Jahr 2022 im zweistelligen Millionenbereich. „In den vergangenen zehn Jahren sind wir zweistellig gewachsen.“ Nicht nur das E-Bike-Geschäft boome, sondern auch das mit allen anderen Rädern ohne Antrieb, die im oberen Raum ausgestellt sind. Rennräder, Gravelbikes, Mountainbikes, Urbanbikes und wie sie alle heißen. Im Lager im oberen Stockwerk gibt es noch weit mehr davon. Eine Etage drüber wird eine Mitarbeiterwohnung fertiggestellt, im Kellergeschoss ist die Werkstatt.
Petra Imle, die aus Bietigheim-Bissingen stammt, hat schon im Alter von zwölf Jahren nach der Schule oder in den Ferien im kleinen Radladen ihres Vaters viel Zeit verbracht. „Er war eher der Schrauber, vom Verkauf habe ich mehr verstanden“, sagt die 57-Jährige und lacht. Dass sie einmal das kleine Geschäft auf 50 Quadratmetern übernehmen sollte, war zu diesem Zeitpunkt kein Thema. „Ich wollte Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens werden, das habe ich ja jetzt mit 90 Mitarbeitenden geschafft.“ Sie studierte Betriebswirtschaftslehre und war zunächst in der Automobilbranche tätig, als sie Mutter von zwei Töchtern wurde. Ihr Mann Klaus, der lieber im Hintergrund die Fäden zieht und im technischen Bereich Wissen und Überblick hat, übernahm 1995 den Multi-Store des Vaters mit unterschiedlichen Marken. Petra Imle stieg 2006 in Vollzeit ein.
Im etwa 300 Kilometer entfernten bayerischen Waldershof hatte 1993 ein gewisser Marcus Pürner die Firma Cube gegründet, die er heute noch mit mehr als tausend Mitarbeitern führt – und wo er nach wie vor auch Räder entwickelt und produziert. 2018 startete er mit dem Store-Konzept und expandierte damit weltweit. In Ludwigsburg ergriffen die Imles die Chance und eröffneten 2019 ihren ersten Cube-Store. „Das ist kein Franchise-Konzept, sondern ein von uns inhabergeführtes Unternehmen, Cube hat keine Umsatzbeteiligung“, sagt Petra Imle, begeistert von diesem Konzept.
Auch in Bietigheim wollten sie sich vergrößern, suchten zehn Jahre vergeblich nach einer passenden Fläche. Dann liebäugelten sie mit dem Leonberger Gewerbegebiet West, nahmen Kontakt mit dem städtischen Wirtschaftsförderer Benjamin Schweizer auf. Zumal die Geschäftsleute die Möglichkeit bekamen, im Großraum Stuttgart einen weiteren Cube-Store zu eröffnen.
Im Gewerbegebiet West gab es keinen Platz. Fündig wurde man an der Schweizermühle hinter dem Discounter, in Sichtweite des Bahnhofs, wo ursprünglich eine Investorengruppe so genannte „Serviced Business-Appartments“ errichten wollten. Die Bedarfszahlen an geschäftlichen hotelartigen Unterkünften wurde aber nach Corona und vermehrtem Homeoffice nach unten korrigiert. Die Grundstückeigentümer verkauften an die Imles, die für den Bau inklusive des etwa 1100 Quadratmeter großen Grundstücks sechs Millionen Euro investierten. Die Verkaufsfläche liegt bei etwa 1200 Quadratmetern. Mit der Lage ist Petra Imle richtig zufrieden. „Wir fühlen uns hier wohl.“