Stuttgart 21 bei Neuhausen Die Schürfzüge warten auf ihren Einsatz

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Premiere auf den Fildern: Die französischen Erdbauspezialisten Vinci bereiten der Deutschen Bahn den Weg von den Fildern ins Neckartal. Um die ICE-Trasse vorzubereiten, werden 1,4 Millionen Tonnen Filderboden bewegt.

Auf den Fildern haben die Erdarbeiten an der Bahntrasse begonnen. Foto: Horst Rudel
Auf den Fildern haben die Erdarbeiten an der Bahntrasse begonnen. Foto: Horst Rudel

Neuhausen - Nichts, was auf den ersten Blick spektakulär aussähe. Knapp 170 PS schieben ein paar Kubikmeter Filderboden vor sich her. Und trotzdem ist mit den eher überschaubaren Erdbewegungen einer 15 Tonnen schweren Raupe am Dienstag Geschichte geschrieben worden: Auf einem Stück Brachland, auf Höhe der Anschlussstelle Esslingen neben der Autobahn 8. „Erstmals in der Geschichte der Bahn baut hier ein französisches Unternehmen an einer deutschen Eisenbahnstrecke“, sagt Benjamin Denk, der Projektleiter für den Planfeststellungsabschnitt 1.4 des Bahnprojekts Stuttgart 21.

Der in Paris beheimatete Erdbauspezialist Vinci hatte im Februar den Zuschlag für die Arbeiten auf dem Abschnitt zwischen dem Flughafenrollfeld und der Stadt Wendlingen bekommen. Sie schließt direkt an die 18,5 Meter lange Brücke über die Straße zwischen Ostfildern-Scharnhausen und Neuhausen an, die vor Wochenfrist fertiggestellt worden ist. Bis zum Frühjahr 2020 soll die abzüglich der Tunnels und der beiden großen Eisenbahnbrücken, die das Körschtal und das Sulzbachtal überspannen, rund sechs Kilometer lange und 22 Meter breite Trasse planiert sein. Dann werden die Spezialisten der bahntechnischen Ausrüstung anrücken, um mit der Verlegung der Gleise und der Bahntechnik zu beginnen. Ist dieser Teil der Hochgeschwindigkeitstrasse fertiggestellt, dann wird der ICE mit einer Geschwindigkeit von 250 Stundenkilometern entlang der Autobahn unterwegs sein.

Unnötigen Lastwagenverkehr vermieden

Bis das soweit ist, werden allein in dem jetzt begonnenen Abschnitt rund 1,4 Millionen Tonnen Erde bewegt werden. „Der größte Teil des Oberbodens wird die Baustelle nicht verlassen. Damit modellieren wir die Trasse und verhindern ganz nebenbei auch unnötigen Lastwagenverkehr auf den umliegenden Straßen“, sagt Denk. Was an gutem Filderboden nicht an Ort und Stelle wieder eingebaut wird, kommt in Zwischenlager und kann bei Bedarf wieder auf Ackerflächen ausgebracht werden.

Das Volumen des Auftrags, den Vinci an Land gezogen hat, beträgt Denks Worten zufolge rund 56 Millionen Euro. Um ihn in der festgelegten Frist abzuarbeiten, wird das französischen Unternehmen Maschinen auffahren lassen, die auf deutschem Boden zuletzt in den 1970er-Jahren gesehen worden sind. Die 15 Meter langen und 50 Tonnen schweren Schürfzüge, die ihrerseits wieder von 60 Tonnen schweren Bulldozern vorangeschoben werden, haben seinerzeit die Trasse für die Autobahn 831 zwischen dem Kreuz Stuttgart und Stuttgart-Vaihingen vorbereitet.

Das Unternehmen hat Erfahrung mit Großbaustellen

Für die französischen Experten ist der Maschineneinsatz – zu Spitzenzeiten werden sich auf der Baustelle neben den Schürfzügen bis zu 40 Bagger und Planierraupen tummeln – eher die Regel, denn die Ausnahme. Vinci hat in Frankreich beim Bau der Trassen für den Train de Grande Vitesse (TGV) – das französische Pendant zum ICE – reichlich Erfahrung mit Großprojekten gesammelt. „Unser letzter Auftrag war es, die 300 Kilometer lange Strecke zwischen Tours und Bordeaux vorzubereiten“, sagt der Vinci-Bauleiter, Julien Siquier. Er geht davon aus, dass in der Hochzeit bis zu 100 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt sein werden – der Löwenanteil davon aus Frankreich.

Der Bau der ICE-Trasse über die Fildern, und damit auch der Planfeststellungsabschnitt 1.4, ist organisatorisch und planerisch ein Teil des Bahnprojekt Stuttgart 21. Von Wendlingen an läuft das Projekt unter der Flagge „Neubaustrecke Wendlingen–Ulm“. Zusammengenommen ist das Bauvorhaben das größte Ausbaukonzept für den öffentlichen Schienenverkehr in Baden-Württemberg seit dem 19. Jahrhundert.




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