Neuinszenierung von „Afrika! Afrika!“ Großer Zirkus

Dickson Oppong hantiert mittlerweile mit zehn Schüsseln gleichzeitig. Foto: Afrika! Afrika!
Dickson Oppong hantiert mittlerweile mit zehn Schüsseln gleichzeitig. Foto: Afrika! Afrika!

André´Heller hat seine Show „Afrika! Afrika!“ neu besetzt und neu inszeniert. Im Januar gastiert die Produktion in Stuttgart. Eindrück aus einer Künstlerwelt.

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Frankfurt am Main/Stuttgart - Drei Stunden noch, dann strömt das hellhäutige Premierenpublikum erwartungsvoll in die Frankfurter Jahrhunderthalle. Bis dahin sind die Rollen so verteilt: Die meisten der 77 dunkelhäutigen Artisten, auf deren Künste sich die Erwartungen des Publikums richten, lauschen zwischen Stretchübungen und Scheinwerferprobe dem älteren hellhäutigen Herrn in schwarzen Lederhosen, dessen Name auf den Plakaten ganz oben steht: „Ich weiß, dass das Reisen ermüdend ist“, sagt André Heller in wienerisch eingefärbtem Englisch zu den Akrobaten und Tänzern, die gerade erst aus Salzburg angereist sind, „aber wir machen das, weil ihr zeigen wolltet, wie gut ihr seid.“

Bevor der mittlerweile 66-jährige Interdisziplinärkünstler seinen Spezialisten erklärt, dass Frankfurt die Geschäftshauptstadt Deutschlands ist, kommt Heller auf den Film zu sprechen, den sein Freund Hannes Rossacher bald über seine neu inszenierte Zirkusshow „Afrika! Afrika!“ drehen soll. Die DVD soll an Veranstalter in Asien und Amerika geschickt werden, sagt Heller, vielleicht läuft der Film auch mal auf Arte. Aber vor allem: „Jeder von euch kriegt eine DVD, die ihr euren Familien und Freunden zeigen könnt.“ André Heller ist auf der Bühne der Frankfurter Jahrhunderthalle in seinem Element. Der Motivator. Der Inspirator. Der Artistenflüsterer.

Nur ist es leider so, dass einer der 77 Artisten, der einen atemberaubenden Trick beherrscht, nicht gefilmt und schon gar nicht im Fernsehen gezeigt werden will. Er fürchtet Nachahmer. André Heller findet es zwar absurd, dass ein Bühnenkünstler nicht gezeigt werden will, aber weil er ein hilfsbereiter Mensch geworden ist, seit er den Zynismus überwunden hat, borgt er dem Artisten sein Handy. Der telefoniert daraufhin eine halbe Stunde lang mit Robert Hofferer, Hellers Manager in Wien, der die Show in Hellers Auftrag produziert, über die geplante DVD. Dann gibt er Heller das Telefon mit leerem Akku zurück. Und niemand in der Halle hat ein Nokia-Ladegerät.

Traurige Vorgeschichte

Eigentlich wollte sich André Heller das nie wieder antun: Als „Afrika! Afrika!“ Mitte 2009 nach dreieinhalb Jahren und dreieinhalb Millionen Zuschauern mit einem Streik und im Streit zwischen dem damaligen Produzenten Matthias Hoffmann und einigen Artisten endete, erklärte Heller bitter enttäuscht, dass das Thema Zirkusshow für ihn fortan erledigt sei. Ende 2010 stellte er gemeinsam mit Marcel Avram, einem anderen Produzenten, dennoch eine neuartige Pferdeshow namens „Magnifico“ vor. „Aus ,Afrika! Afrika!‘ bin ich sehr traurig herausgegangen, weil wir einen sehr ungewöhnlichen Erfolg hatten und ich dann merkte, dass viele der Künstler und der Produzent gierig geworden sind“, sagte er damals auf der „Magnifico“-Pressekonferenz, bevor Pferde durch eine Manege trabten. Ein paar Monate später meldete Avrams Firma, die „Magnifico“ produzierte, Insolvenz an. „Vollkommen betrogen“ habe er sich gefühlt, sagt Heller heute, beim Ende von „Magnifico“ seien „einige der infamsten Dinge, die mir je passiert sind“, geschehen. Und er habe viel Geld verloren.

Auch seinen ehemaligen „Afrika! Afrika!“-Partner Matthias Hoffmann hatte das Glück verlassen. Der stellte schon Ende 2009, gleich nach dem Ende der Afrika-Show eine neue Produktion namens „India“ auf die Beine, ohne André Heller, dafür mit dem ehemaligen Cirque-du-Soleil-Regisseur Franco Dragone. Doch auch „India“ schlitterte nach wenigen Monaten mit viel zu wenigen Zuschauern in die Insolvenz.

Nun probieren es die Staunmarke Heller und die Tourneemarke Hoffmann erneut miteinander, wenn auch mit neuer Rollenverteilung: Produziert wird die aktuelle „Afrika! Afrika!“-Variante von André Hellers Firma Artevent in Wien. Die „Afrika! Zirkus- und Veranstaltungs-GmbH & Co. KG“ darf nur noch die Tournee veranstalten, als deren Geschäftsführerin firmiert Faiza Hoffmann, die Frau von Matthias Hoffmann, die einst als Praktikantin zu „Afrika! Afrika!“ kam.




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