Neujahrsempfang in Ditzingen Die Stadthalle platzt fast aus allen Nähten

Lacht und schüttelt unzählige Hände: Der Ditzinger Oberbürgermeister Michael Makurath begrüßt beim Neujahrsempfang die Gäste. Foto: Simon Granville

Nach dem Händeschütteln ist vor der Ansprache: Beim Neujahrsempfang in Ditzingen appelliert der Oberbürgermeister auch, die Wahlkreuzchen richtig zu setzen.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Dass der Neujahrsempfang nicht wie angekündigt um 11 Uhr losgeht, sondern eine Viertelstunde später, ist üblich – zumindest solange Michael Makurath (parteilos) Oberbürgermeister ist. Denn der schüttelt traditionell die Hände derjenigen Gäste, die seine Hand schütteln und persönliche Worte wechseln wollen. Dutzende Menschen reihen sich in die Schlange, die schnell bis vor die Stadthalle reicht.

 

Auch ohne Händeschütteln würde sich der Veranstaltungsbeginn wohl verzögern: Der Rathaussprecher Jens Schmukal bringt bis zu den ersten Sätzen Makuraths möglichst viele Gäste zu den vereinzelt noch freien Plätzen. Für 650 Personen stehen Stühle im Saal – es kommen aber mehr Menschen. In den vergangenen Jahren waren es 700 bis 800, und so verfolgen auch am Sonntag viele Gäste die Veranstaltung stehend. Schmukal: „Die Menschen interessieren sich für das Geschehen in der Stadt.“

„Die Welt ist komplizierter geworden“, sagt der OB

Auf das vorige „doch durchwachsene“ Jahr und das künftige blickt der Rathauschef in seiner Ansprache. Er redet über den Krieg in der Ukraine – eines von vielen Themen, das die Bevölkerung verunsichere. „Die Welt ist komplizierter geworden, und bisherige Grundgewissheiten stehen in Frage“, meint Makurath in Bezug auf die Energieversorgung, den Klimawandel, die Transformation der Wirtschaft, die illegale Migration.

Immerhin, finanziell sieht es in der Großen Kreisstadt gut aus. Michael Makurath berichtet von einem „sehr sportlichen Investitionsprogramm“, das sie mit Eigenmitteln stemmt – dank größerer Nachzahlungen von Gewerbesteuer habe Ditzingen 2023 insgesamt 84 Millionen Euro einnehmen können. Ein Erlebnis, das sich nicht so schnell wiederholen werde. Es schaffe aber den nötigen Puffer für die großen Investitionen in Schulen und Kitas (etwa 90 Millionen Euro): Das „größte Flaggschiff im Wasser“ ist der Neubau der gemeinsamen Grundschule auf dem Gelände der Konrad-Kocher-Schule. Das Schulzentrum wird erweitert, sechs Kitas werden saniert oder entstehen neu.

Es fehlen Wohnungen

Das Neubaugebiet „Ob dem Korntaler Weg“ soll im Jahr 2027 bebaut werden – diese Zeitschiene erhofft sich der Rathauschef jedenfalls, denn Wohnungen fehlen. Auch für geflüchtete Menschen. Aus dem Grund entstehen in Ditzingen weitere Unterkünfte, am Rand des Heimerdinger Gewerbegebiets Mittenbühl, in Hirschlanden in der Schwabstraße, eventuell in Schöckingen neben der bestehenden Unterkunft.

Dass laut Makurath „wir zu einer demokratischen, freiheitlichen und offenen Gesellschaft geworden sind“, in Ditzingen Menschen aus mehr als 100 Nationen friedlich miteinander leben, nimmt er zum Anlass auch für ein Plädoyer vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen. „Zeigen wir eine klare Haltung gegen alles, was unserer Demokratie schadet oder sie infrage stellt“, sagt der Rathauschef. Das schärfste Schwert der Demokraten sei „unser Votum“, so Makurath, der appelliert, Kandidatinnen und Kandidaten zu wählen, die glaubwürdig für die Demokratie und ihre Werte eintreten. Ein „Bombenjahr“ werde es dann.

Waldheim bekommt Bürgerpreis

Am Ende enthüllt der Rathauschef denn auch, wer den Bürgerpreis für „vorbildliche Leistungen“ bekommt: das Waldheim. 3000 Euro erhalten die Macher des Sommerfreizeitangebots der evangelischen Kirchengemeinde. Seit 40 Jahren bietet es Erst- bis Sechstklässlern, mittlerweile aus allen Stadtteilen, Ferienspaß. Mehr als 200 Kinder nahmen im Sommer teil. Der Ausschuss zählt sieben Ehrenamtliche, hinzu kommen pro Ferienwoche 15 bis 20 vor allem im pädagogischen Bereich und in der Bewirtung. Die Leiterin Hannah Gommel sagt beim Empfang, es war eine tolle Überraschung, die das Team voriges Jahr erreichte. „Wir haben uns riesig gefreut.“ Sie hoffe, in den kommenden 40 Jahren gehe es so weiter wie bisher – „oder es wird sogar noch besser“.

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