Neukalkulation in Steinheim an der Murr Neues Rathaus – fast 10 Millionen Euro billiger?

Das neue Rathaus soll im Bereich des Marktplatzes entstehen. Das Gebäude in der Mitte wird abgerissen. Foto: Werner Kuhnle

Die Stadt Steinheim hat die Kosten ohne Archivräume durchrechnen lassen. Das Ergebnis spricht nun aus Sicht der Verwaltung für einen Neubau am Marktplatz – und gegen den Plan B.

Kaum ein Thema wird derzeit in Steinheim so kontrovers diskutiert wie die anvisierte Verlagerung der Stadtverwaltung aus dem maroden, viel zu kleinen Rathaus in ein größeres, modernes Domizil. Der volle Fokus lag dabei zunächst auf einem Neubau am Marktplatz. Als aber die Kostenschätzung von rund 28 Millionen Euro auf den Tisch kam, waren alle Beteiligten geschockt. Das Vorhaben wurde fürs Erste gestoppt.

 

Zugleich wurde die auf den ersten Blick deutlich günstigere Umgestaltung des NKD-Gebäudes schräg gegenüber als Plan B in Erwägung gezogen. Eine vertiefende Untersuchung hat nun jedoch ergeben, dass sich die Kosten für den Neubau gravierend drücken lassen und der Unterschied dann gar nicht mehr so gewaltig wäre – sodass sich die Verwaltungsspitze für einen Neubau ausspricht.

Das Raumprogramm könnte hier wie da verwirklicht werden. Allerdings gab es anfangs einen kleinen, aber wohl gar nicht so feinen Unterschied, der sich mittlerweile als Gamechanger entpuppt hat. Im Konzept für das NKD-Anwesen waren keine Räume für das Stadtarchiv vorgesehen, im Neubau schon. Um Waffengleichheit herzustellen, durfte das zuständige Architekturbüro seinen Entwurf, der bei einem Wettbewerb zum Sieger gekürt worden war, entsprechend überarbeiten. Und ohne einen Verwahrungsort für die geschichtlichen Dokumente ergab sich ein völlig neues Bild.

Gebäude braucht keinen Keller mehr

Durch den Wegfall des im Dachgeschoss geplanten Archivs könnte vor allem komplett auf das Untergeschoss verzichtet werden. Die im Keller vorgesehenen Technikflächen würden nach oben verlagert. Außerdem könnte das Gebäude unter anderem wegen veränderter statischer Voraussetzungen verschmälert werden. „Keiner konnte sich vorher vorstellen, welche Potenziale hier durch den Wegfall des Archivs entstehen“, resümiert Bürgermeister Thomas Winterhalter. Die Gesamtkosten würden sich auf etwa 21 Millionen belaufen, wenn man auf einen Holzbau setzt.

Für eine Variante mit Stahlbeton könnte sich der Preis um eine weitere Million Euro drücken lassen, wie es in der Vorlage zur Steinheimer Gemeinderatssitzung am 14. Juni heißt, in der die Würfel fallen sollen. Zum Vergleich: Eine Umgestaltung des NKD-Gebäudes würde mit etwa 18,6 Millionen Euro zu Buche schlagen und wäre angesichts der im Raum stehenden Summen folglich nur etwas günstiger.

Zudem hätte diese Alternative aus Sicht der Verwaltung mehrere Pferdefüße. Zum einen müsste die aktuell aus dem alten Rathaus in das NKD-Ensemble ausgelagerte Abteilung Bürgerdienste und Ordnung während der Sanierung in Containern beherbergt werden. Dafür wird mit Kosten von rund einer Million Euro kalkuliert. Außerdem seien für die ebenfalls dort angesiedelte Post und das Steinheimer Lädle keine räumlichen Alternativen in Sicht. Beide würden darüber hinaus wie der NKD als Besuchermagnet für die Innenstadt wegfallen. Auf Mieteinnahmen müsste die Kommune als Eigentümerin der Immobilie ebenfalls verzichten. Als weiteres Manko sieht die Führungsriege im Rathaus den Umstand an, dass nicht geklärt wäre, was mit dem Marktplatz passieren soll. Beim Entwurf für den Neubau war eine Planung für die Gestaltung der guten Stube der Stadt inbegriffen.

In der Gesamtabwägung kommt die Verwaltung zu dem Schluss, dass der Neubau gewählt werden sollte. „Das wurde auch schon vorbesprochen im Gemeinderat. Die Tendenz ging deutlich in diese Richtung“, sagt der Bürgermeister.

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