Neustart für den VfB Stuttgart am 9. Mai? So könnte es jetzt in der Bundesliga weitergehen

Auch in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena könnte es bald Geisterspiele geben Foto: imago /Bernd Feil
Auch in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena könnte es bald Geisterspiele geben Foto: imago /Bernd Feil

Rollt ab dem zweiten Mai-Wochenende wieder der Ball in der ersten und zweiten Liga und damit auch beim VfB Stuttgart? Hochrangige Politiker haben sich für die Austragung von Geisterspielen ausgesprochen. Doch es sind einige Fragen zu klären.

Sport: Marco Seliger (sem)

Stuttgart - Es könnte bald wieder so weit sein – der Ball rollt in der ersten und zweiten Liga: Nach dem Montagabend ist das Szenario zumindest wahrscheinlicher geworden. Es war das Zeichen, auf das viele Fußballfans und die Clubs, darunter der VfB Stuttgart, gewartet haben. Am 9. Mai könnte die Bundesliga nach fast zwei Monaten Corona-Auszeit ihre Saison mit Geisterspielen fortsetzen. Dieses Datum brachten die Ministerpräsidenten Markus Söder (Bayern) und Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen) am Montag in der Live-Sendung der „Bild“ ins Gespräch.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verschließt sich dem Wiederbeginn nicht und spricht von einem „Stück Normalität, wenn auch im leeren Stadion“. Andere wie Baden-Württembergs Sportministerin Susanne Eisenmann oder der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bleiben skeptisch – aber der Ball scheint beim Thema Wiederaufnahme des Spielbetriebs zumindest ins Rollen gekommen zu sein. Doch wie könnte es jetzt genau weitergehen, was sind die Pläne und was mögliche Hürden? Wir bieten einen Überblick.

Die Lage im Stadion: Bei der Austragung der Geisterspiele würde das Aufgebot an Sicherheitsleuten, Journalisten und Vereinsangehörigen auf ein Minimum reduziert werden. Auch wären strenge hygienische Auflagen im Stadion einzuhalten. Lediglich 126 Personen dürfen noch in den Innenraum. Pro Mannschaft sind noch acht Trainer, Betreuer und Ärzte zugelassen. Vier Balljungen sind dabei (bisher waren es zwölf pro Spiel). 30 Ordner sind im Stadion im Einsatz – ansonsten sind es mehr als zehnmal so viele. Vor dem Stadion sind ebenfalls Ordner eingeplant, um Fan-Ansammlungen zu vermeiden.

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Sowohl Söder als auch Laschet betonen, dass in dieser Saison nicht daran zu denken ist, dass Fans ins Stadion dürfen. Söder: „Spiele mit Zuschauerbeteiligung sind völlig undenkbar. Auch Geisterspiele sind eine Gratwanderung.“

Termine: Bis zum avisierten Saisonende Ende Juni stehen ab dem 9. Mai acht Wochenenden zur Verfügung. Insgesamt sind noch neun Spieltage auszutragen. Mindestens eine Runde müsste unter der Woche gespielt werden. Vermutlich sogar zwei, soll das DFB-Pokalfinale auch noch an einem Wochenende stattfinden. Dazu stehen noch das Nachholspiel zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt sowie die Halbfinal-Partien im DFB-Pokal an. Offen ist auch, wie es im Europapokal weitergeht. In Bayern München, RB Leipzig (beide Champions League), Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt (alle Europa League) sind noch fünf deutsche Clubs vertreten.

Tests: Im Gespräch ist, dass die Bundesligaprofis regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden. Die DFL erwägt offenbar, Spieler, Trainer und Mitglieder der Funktions-Teams alle drei Tage mit einem Schnelltest auf Corona zu testen, um die Sicherheit bei den möglichen Geisterspielen zu garantieren. Bis zum Saisonende würden so wohl etwa 20 000 Tests fällig. Schalkes Aufsichtsratschef und Fleischfabrikant Clemens Tönnies hat bereits angeboten, in seinem Firmenlabor Corona-Tests durchführen zu lassen.

Vorgaben für die Spieler: DFL-Boss Christian Seifert sagte bei „Bild“: „Es ist unsere Aufgabe, das Vertrauen der Politik zurückzuzahlen. Aufgabe der Clubs, aber auch der Spieler. Das hat eine Menge mit Hygienemaßnahmen zu tun, das hat mit dem Verhalten im Privatleben zu tun. Da gilt es, besonders diszipliniert zu sein.“ Mit einem detaillierten Konzept soll den Profis vorgegeben werden, wie sie sich zu verhalten haben.

Seifert sagt weiter: „Das Konzept, das wir vorgelegt haben, beginnt bei den medizinischen Voraussetzungen. Eine medizinische Task Force hat ein Konzept entwickelt, angefangen vom Gruppen- bis Mannschaftstraining bis hin zum Spieltag. Nicht nur was auf dem Platz, sondern auch daneben passiert. Es ist eine Gratwanderung, aber die Clubs werden der Verantwortung gerecht werden.“

Kritik an den Sonderrechten: Viele Menschen denken, dass der Fußball ein Sonderrecht habe – während das öffentliche Leben teils noch stillsteht und auch andere Sportarten den Betrieb nicht wieder aufnehmen, soll in der ersten und zweiten Liga der Ball rollen. Ein weiterer Kritikpunkt: Wenn Fußballprofis oft auf das Coronavirus getestet werden, könnten allgemein in der Gesellschaft weniger Tests durchgeführt werden.

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Christian Seifert sagt dazu: „Ich selbst bin seit Wochen im Gespräch mit großen Anbietern von Test-Volumen und mögliche Antikörper-Testungen. Wir haben uns mit vielen Experten unterhalten, uns schlau gemacht. Es wird niemals so sein, dass der Fußball einer systemrelevanten Person einen Test wegnimmt. Deutschland hat enorme Test-Qualitäten. Wir erwarten keine Sonderrechte.“




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