Es wird erst der zweite wirkliche Vereinswechsel in seinem Leben sein. Mit acht Jahren kam er von TS Woltmershausen in die Jugend des SV Werder. Dort durchlief er alle Jugendteams bis zur U21. Ab der U16 kamen zusätzlich noch Einsätze für die entsprechenden Junioren-Nationalmannschaften Deutschlands dazu. Aktuell ist Woltemade noch im Kader der DFB-U-21 gelistet, kann auf bisher sechs Partien (ein Treffer) zurückblicken. Sein Profidebüt liegt derweil schon eine ganze Weile zurück. Am 1. Februar 2020 machte ihn der damalige Werder-Trainer Florian Kohfeldt zum jüngsten Bundesliga-Spieler der Bremer Geschichte. Mit 17 Jahren, elf Monaten und 18 Tagen verdrängte Woltemade einen gewissen Thomas Schaaf in dieser Wertung von der Spitze.
Selbstbewusster Auftritt dank Durchbruch in Elversberg
Seit diesem Tag ist aus dem schüchternen langen Schlaks (1,98 Meter/75 Kilogramm) ein durchaus selbstbewusster junger Mann geworden. Das ist zum einen sichtbar – Woltemade ist großflächig tätowiert und als Träger durchaus hochpreisiger Haute Couture für ausdrucksstarken Stil bekannt –, zum anderen mussten das zuletzt die Bremer Verantwortlichen um Clemens Fritz schmerzlich erfahren. Denn als Woltemade ihnen vor wenigen Wochen nach dem Training kurzerhand erklärte, dass er nicht gedenke, seinen auslaufenden Vertrag in Bremen zu verlängern, war der entsprechende Instagram-Post für seinen privaten Kanal bereits vorbereitet. Beim Verlassen des Sportdirektoren-Büros drückte der Youngster aufs Knöpfchen – und schuf Tatsachen, ohne dass die Bremer Verantwortlichen noch irgendwas dagegen tun konnten.
Vor allem aber fußt sein Selbstbewusstsein darauf, bei seiner bisher einzigen Leihstation – Woltemade war für die Saison 2022/23 an die SV Elversberg verliehen – all die Zweifler, die seine Tauglichkeit für den Profisport mehr oder minder deutlich in Frage stellten, widerlegen zu können. Denn schließlich konnte Woltemade bei seinen bisher 46 Profi-Einsätzen für Werder Bremen noch nie ein Tor erzielen und erst einen Treffer auflegen. Eine magere Bilanz für ein hochgehandeltes Talent, zumal der Mann in der Offensive beheimatet ist.
31 Ligaspiele, zehn Tore, neun Vorlagen und eine Wahl zum Spieler der Saison in der dritten Liga – der Offensivspieler darf mit Fug und Recht behaupten, seinen endgültigen Durchbruch geschafft zu haben. „Nick ist ein guter Junge. Er hat zu Beginn auch nicht immer von Anfang an gespielt, hat sich dann aber richtig gut entwickelt und wurde immer besser“, bilanziert Horst Steffen rückblickend. Der ehemalige Trainer der Stuttgarter Kickers ist damals mit der SV Elversberg auch dank Woltemades Leistungen in die Zweite Bundesliga aufgestiegen.
Was Steffen zudem noch sagt, wird wohl all jene aufhorchen lassen, die in Woltemade ob seiner Körpermaße den klassischen, wuchtig-bulligen Stoßstürmer auf der Neunerposition sehen. „Nick besticht durch tolle Dribblings, hat aber auch seine Stärken mit dem Rücken zum Gegner, er kann den Ball gut behaupten“, sagt Steffen zwar, jedoch nicht ohne zu ergänzen: „Er hat Zug zum Tor und ist torgefährlich. Er spielt aber nicht egoistisch, sondern sucht seine Mitspieler, die er gut freispielt und in Szene setzt.“ Für Steffen ist sein ehemaliger Spieler einer, der gut zum VfB passen wird. „Denn der VfB will Fußball spielen, kombinieren – und Nick ist ein mitspielender Stürmer mit hoher Spielintelligenz, der auch von der Zehnerposition aus kommen kann“, sagt Steffen weiter.
Mischung aus Deniz Undav und Sasa Kalajdzic
Lediglich einen Punkt gibt es, in dem Woltemade Nachholbedarf hat. Er gilt als ausgewiesen schwach im Kopfballspiel – was zumindest beim Blick auf seine stattliche Größe verwundert. Wenn man so möchte ist er also eine Mischung aus Deniz Undav und Sasa Kalajdzic. Technische Fertigkeiten, kombiniert mit Spielstärke, Uneigennützigkeit und einer Körpergröße, die es ihm ermöglicht, auch gegen robuste Innenverteidiger zu bestehen. Er könnte also ein Spieler sein, der dem VfB weiterhelfen kann.
Denn schließlich sucht der Club angesichts seiner finanziellen Nöte und den bevorstehenden internationalen Aufgaben immer auch Akteure, die als Rotationsspieler im Kader dessen Breite vergrößern, günstig im Unterhalt sind und sich im Zweifel vorerst auch mit einer Rolle auf der Bank zufriedengeben. Aber auch eine Menge Entwicklungspotenzial mitbringen. Und diese Anforderungen erfüllt Woltemade allemal. Was sich daraus dann entwickeln kann, beweist aktuell etwa Jamie Leweling Woche für Woche im Trikot mit dem Brustring.