Niedrige Zinsen Unvermeidliche Nebenwirkungen

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Die Zinsen sind niedrig, die Immobilienpreise hoch. Eine Anhebung der Zinsen ist derzeit nicht möglich. Umso wichtiger ist eine starke Aufsicht, meint StZ-Autorin Babara Schäder.

Niedrige Zinsen verleiten zu riskanten Finanzierungen beim Immobilienkauf. Foto: Achim Zweygarth
Niedrige Zinsen verleiten zu riskanten Finanzierungen beim Immobilienkauf. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Die Bundesbank legt den Finger in die Wunde: Die im Kampf gegen die   weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise nahe null gesenkten Zinsen sind ein Risiko. Wie jedes Medikament haben sie Nebenwirkungen: Sie sind eine Strafe für Sparer – und ein Anreiz zum Schuldenmachen.

Letzteres spiegelt sich in den steigenden Immobilienpreisen. Grundsätzlich ist es natürlich vernünftig, die Gunst der Stunde für den Erwerb eines Eigenheims zu nutzen. Aber der von der Bundesbank aufgezeigte Trend zu Vollfinanzierungen in großen Städten gibt zu denken. Solche Darlehen können Kreditnehmer leicht überfordern – und damit letztlich auch ihrer Bank auf die Füße fallen.

Die Krise auf dem US-Immobilienmarkt war der Auslöser der weltweiten Finanzkrise, Hauspreisblasen in Spanien und Irland haben die beiden Eurostaaten an den Rand der Pleite getrieben. Bei Fehlentwicklungen hierzulande muss die Aufsicht deshalb frühzeitig gegensteuern. Vor diesem Hintergrund ist es erschreckend, wenn die Bundesbank über Lücken in der Datenbasis klagt, die sie für die Überwachung der Vergabe von Hypotheken bräuchte.

Und die Risiken im Finanzsystem beschränken sich keineswegs auf den Immobilienboom in Großstädten. Auf dem Markt für Unternehmensanleihen macht die Bundesbank ebenfalls Übertreibungen aus: Die Ausfallrisiken würden unterschätzt.

Auch diese Entwicklung wird von den niedrigen Zinsen getrieben. Da sichere Schuldtitel wie etwa Bundesanleihen nach Abzug der Inflationsrate teilweise überhaupt kein Geld mehr abwerfen, suchen Investoren nach renditeträchtigen Alterna­tiven. Was, wenn sich dabei ein großer Hedgefonds verzockt und seine Kredite nicht mehr bedienen kann – die möglicherweise von wichtigen Banken stammen?

Eine Zinserhöhung im Euroraum wird es trotz all dieser Risiken wohl nicht vor 2016 geben. Die Konjunktur in Europa ist derzeit einfach zu schwach. Außerdem betont selbst die Bundesbank, dass ein abrupter Zinsanstieg heftige Verwerfungen auf den Märkten auslösen würde. Umso wichtiger ist es, die Reform des Finanzsystems weiter voranzutreiben. Die Eingriffsmöglichkeiten der Aufseher – etwa durch Beleihungsgrenzen – müssen dringend gestärkt werden.