Nord Stream 2 AG Warnig vor Abschied bei Pipelinefirma

Engster deutscher Putin-Vertrauter: Matthias Warnig, 67 Foto: dpa/Alexei Druzhinin

Noch ist Matthias Warnig Chef der Pipelinefirma Nord Stream 2, die sich in der Schweiz gegen den Konkurs stemmt. Doch bald endet sein Amt. Die Nachfolge scheint Probleme zu bereiten.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Der engste deutsche Putin-Vertraute, Matthias Warnig (67) aus Staufen bei Freiburg, steht vor dem Abschied als Chef der Pipelinegesellschaft Nord Stream 2. Seine Verpflichtung ende mit Ablauf des Monats März, bestätigte die im schweizerischen Kanton Zug ansässige Gesellschaft unserer Zeitung. Auf die Frage nach der Nachfolge hieß es nur, man werde „über weitere Entwicklungen rechtzeitig informieren“.

 

Unkommentiert ließ das Tochterunternehmen des russischen Staatskonzerns Gazprom Informationen, wonach die Besetzung des Chefpostens wegen der US-Sanktionen gegen Nord Stream Probleme bereitet. Warnig steht als einziger Deutscher im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Konflikt auf der US-Sanktionsliste. Seinem Nachfolger an der Unternehmensspitze würden offenbar ebenfalls erhebliche Einschränkungen drohen. Deswegen wird dem Vernehmen nach über eine Gremienlösung nachgedacht.

Firma stemmt sich gegen Konkurs

Der frühere Stasi-Agent Warnig war bereits Chef der Nord-Stream-Gesellschaft, die die erste Gaspipeline durch die Ostsee verlegt hatte. Nach deren Fertigstellung übernahm er auch die Führung bei der Nord Stream 2 AG. Kurz vor der Inbetriebnahme wurde das Projekt wegen des Russland-Ukraine-Konflikts gestoppt. Inzwischen wurden drei von vier Röhren durch einen Sprengstoffanschlag zerstört, dessen Urheber unklar sind.

Die verschuldete Pipelinefirma stemmt sich mit Unterstützung von Gazprom derweil weiter gegen einen Konkurs. Von den einst mehr als 200 Mitarbeitern waren zuletzt noch etwa 40 beschäftigt, für technische und administrative Aufgaben. Das Kantonsgericht hat einen sogenannten Sachwalter eingesetzt, zu dessen Aufgaben es gehört, Vermögenswerte zu sichern. Er hat allerdings nur eine Art Überwachungsfunktion, die Geschäftsführung liegt weiter bei Nord Stream 2. Ende vorigen Jahres hatte das Gericht eine „Nachlassstundung“ bis Juli 2023 gewährt; innerhalb dieser Frist kann nun weiter eine Sanierung oder eine Verständigung mit den Gläubigern geprüft werden. Gelingt das nicht, droht der Firma doch noch der Konkurs.

Bleibt Warnig als Rentner in Staufen?

Mit dem Ausscheiden bei Nord Stream gibt Warnig seine letzte geschäftliche Aufgabe ab. Infolge des Russland-Ukraine-Krieges hatte er bereits alle anderen Funktionen in russischen Unternehmen niedergelegt. Er wolle sich ganz auf die Pipelinefirma konzentrieren, hieß es damals. In Südbaden wird nun mit Spannung erwartet, ob der Manager mit seiner Familie trotz Ächtungen und Anfeindungen auch im Ruhestand dort wohnen bleibt.

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