Nahezu alle Bürgerinnen und Bürger in Deutschland haben wohl schon einmal einen Stromausfall miterlebt. Meist bleibt es nur wenige Minuten, im Ausnahmefall einige Stunden dunkel. Im besten Fall zündet man Kerzen an, liest ein Buch oder geht abends eben etwas früher ins Bett. Doch was, wenn über längere Zeit kein Saft aus der Steckdose fließt?
Ein „Blackout“ könnte durch Katastrophen wie Unwetter, Unfälle, Sabotage oder einem Cyberangriff ausgelöst werden. Fachleute halten einen derartigen Stromausfall in Deutschland zwar für äußerst unwahrscheinlich, dennoch bereitet sich die Stadt Stuttgart auch auf solch ein Szenario vor. Unter anderem mit „Notfall-Leuchttürmen“ als Anlaufstellen für Bürgerinnen und Bürger, falls ihr Festnetztelefon länger ausfallen sollte. An 23 Standorten der Freiwilligen Feuerwehr können dann Notrufe zur Integrierten Leitstelle übermittelt werden. Ebenso am Heslacher Hallenbad, dem Leo-Vetter-Bad und dem Hallenbad Feuerbach, sie würden im Ernstfall durch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) besetzt werden. Entsprechende Schilder seien im Juli und August montiert worden, sagt Daniel Anand, Sprecher der Branddirektion Stuttgart. „Nur in Vaihingen noch nicht, da folgt es nach kleineren Renovierungsarbeiten, welche aktuell laufen.“ Die Schilder seien nicht nur im Katastrophenfall nützlich: „Schon jetzt werden sie von Anwohnern in den jeweiligen Stadtteilen wahrgenommen. Sollte der Blackout wirklich einmal eintreten, wissen sie, wo sie hin müssen“, sagt Anand. Darüber hinaus würde auch entsprechende Flyer erstellt, die in den Stadtteilen ausliegen.
Stadt warnt über App NINA
Grundsätzlich könnten im Katastrophenfall auch an den fünf Wachen der Berufsfeuerwehr Notfälle gemeldet werden. Allerdings kann hier nicht garantiert werden, dass sie besetzt sind, da alle Kräfte ausgerückt sein könnten, wenn es viele Einsätze gibt. Welche Notfall-Leuchttürme zu welchem Zeitpunkt aktiviert werden, entscheidet die Feuerwehr. Die entsprechende Information werde über Warn-Apps wie NINA und gegebenenfalls über Radiomeldungen kommuniziert. Sollte der Strom über längere Zeit flächendeckend ausfallen, muss man sich auf deutliche Einschränkungen einstellen. Aus Sicht der Experten ist ein Totalausfall aller gewohnten Kommunikationswege – bis auf Radioübertragung – wahrscheinlich. Und dennoch macht es bei einem Blackout laut Stadt durchaus Sinn, Hinweise an Handys zu schicken, denn das Mobilfunknetz wäre erst nach und nach nicht mehr verfügbar. Ganz wichtig ist aber, betont Marina Hausch von der Branddirektion, dass die Bevölkerung batteriebetriebene Radios oder kurbelbetriebene Geräte vorhält, um diese Radiomeldungen empfangen zu können.
Sobald absehbar ist, dass der Stromausfall länger andauert und große Teile des Stadtgebiets betroffen sind, werden innerhalb von 24 Stunden nach Beginn des Blackouts in jedem Stadtbezirk eine Sport-, Turn- beziehungsweise Versammlungshalle als „Notfall-Treffpunkt“ geöffnet, wobei Plieningen und Birkach zusammengefasst werden. Bleibt die Situation länger unverändert, werden innerhalb von 48 Stunden weitere 19 Hallen in den großen Stadtbezirken mit hoher Einwohnerzahl als Anlaufstelle für Hilfe jeglicher Art zur Verfügung gestellt. Sie werden mit städtischem Personal betrieben und von der Freiwilligen Feuerwehr, Sanitätern der Hilfsorganisationen, Betreuungspersonal sowie Helfern aus der Bürgerschaft und Vereinen unterstützt.
Empfehlung: eine Woche Trinkwasser vorhalten
Zusätzlich soll auch ärztliches Personal in den Notfall-Treffpunkten sein. Dort würde dann auch Notstrom zur Verfügung stehen, um zum Beispiel medizinische Heimgeräte und Mobiltelefone aufzuladen. Außerdem sollen dort Bürger Informationen zur Lage sowie behördliche Anweisungen erhalten. Je nach Dauer des Stromausfalls und Verschärfung der Lage sollen auch Verpflegung, Lebensmittel und Trinkwasser zur Verfügung gestellt werden. In diesem Zusammenhang appelliert der Katastrophenschutz nochmals an die Bevölkerung, Lebensmittel- und Trinkwasservorräte für mindestens sieben Tage selbst vorzuhalten. Immerhin: die großen Kliniken der Stadt sollten ihren Betrieb während eines Stromausfalls aufrechterhalten können. Sie verfügen bereits über Notstromaggregate. „Dialyse-Zentren leider nicht“, sagt Marina Hausch. „Die Patienten müssen dann alle in die Krankenhäuser zur Dialyse.“ Sie sieht hier ein Mengenproblem.
Noch seien die Vorbereitungen für einen Blackout in Stuttgart nicht abgeschlossen, betont Marina Hausch. Sie ist bei der Branddirektion für den Zivil- und Katastrophen- beziehungsweise Bevölkerungsschutz zuständig und tüftelt am Konzept. Dazu werde auch weiteres technisches Equipment wie Notstromaggregate angeschafft. „In einer kleinen Gemeinde reicht es, einen Notfalltreffpunkt zu errichten. In einer Großstadt ist es aber eine Herausforderung, insgesamt 41 Notfall-Treffpunkte zu betreiben“, sagt sie. Denn der öffentliche Personennahverkehr wird größtenteils zum Erliegen kommen, da Stadtbahnen und S-Bahnen nicht mehr fahren und im Straßenverkehr die Verkehrszeichenanlagen ausfallen. Dann haben auch die Helfer Probleme die Notfall-Treffpunkte in Stuttgart zu erreichen. Sollte ein Blackout eintreten und es müssten einmal alle Anlaufstellen gleichzeitig in Betrieb genommen werden, werden im Drei-Schicht-Betrieb (rund um die Uhr) täglich mindestens 533 städtische Beschäftigte für Betreuung und Verwaltung benötigt.