Stuttgart - Eine gute Nachricht vorneweg: Es ist „höchst unwahrscheinlich“, dass das Coronavirus über das Trinkwasser übertragen werden könnte. Darauf hat das Umweltbundesamt Ende vergangener Woche hingewiesen. Das Virus sei in Wasser leichter zu inaktivieren als etwa Noroviren. Bernhard Röhrle, der Sprecher der Landeswasserversorgung, weist zudem darauf hin, dass das Trinkwasser je nach Herkunft in mehreren Stufen behandelt werde – er spricht von Multibarrieren. Grundwasser werde schon durch das Gestein und die Erde, die es durchläuft, gut gefiltert, bis es an einer Quelle entnommen wird. Weiter werde das Wasser durch Sand- und Aktivkohlefilter geleitet und zuletzt mit Ozon behandelt.
Oberflächenwasser etwa aus der Donau, das Umwelteinflüssen stärker ausgesetzt ist, werde zudem von Schwebstoffen befreit, mit UV-Licht behandelt und mit Chlordioxid keimfrei gemacht. „Eine hundertprozentige Garantie kann niemand geben, aber nach derzeitigem Stand ist das Trinkwasser sicher“, betont Röhrle. Maria Quignon, die Sprecherin der Bodenseewasserversorgung, streicht heraus, dass Ozon Viren in aller Regel sicher abtöte.
Leitwarten müssen dauerhaft besetzt bleiben
Derzeit laufen die wichtigen Versorgungsbetriebe im Land wie der Energiekonzern EnBW oder auch die Bodenwasserseeversorgung ohne Probleme. Es gebe für den Notfall ein stufenweises Vorgehen, so der EnBW-Sprecher Hans-Jörg Groscurth. Eine Task-Force ist gebildet, die EnBW hat Mitarbeiter in der Verwaltung schon früher als andere Firmen ins Homeoffice geschickt. Für den Extremfall habe man sogar Feldbetten eingelagert, so dass wichtige Mitarbeiter in der Leitzentrale oder im Kraftwerk bleiben könnten, um sich nicht anzustecken, sagte Groscurth. Auch Pläne für die Essensversorgung in einem solchen Fall gebe es. Was der EnBW jetzt helfe, sei auch der große Digitalisierungsschub der vergangenen Jahre – vieles ließe sich jetzt einfacher bewerkstelligen. Sicherheitsrelevante Bereiche könnten aber natürlich nicht von zu Hause aus gefahren werden.
Auch Maria Quignon von der Bodenseewasserversorgung betont, dass die Leitwarten in Sipplingen und Stuttgart nicht vollautomatisch gesteuert werden könnten – bei steigendem Wasserbedarf oder bei einer Druckveränderung müsse ein Mensch in der Leitwarte sein und aktiv werden. Man habe deshalb mehrere Gruppen gebildet, die keinen Kontakt zueinander hätten und sich gegenseitig ersetzen könnten. Die Notwendigkeit, Feldbetten zu bevorraten, sehe man noch nicht. Wichtige Dinge, wie Chlor oder Treibstoff, habe man aber aufgestockt.
Zur sogenannten kritischen Infrastruktur gehören allgemein das Gesundheitswesen, der Rettungsdienst und die Ernährungsbranche, aber auch die öffentliche Verwaltung, das Finanz- und Versicherungswesen sowie Medien und Kulturgüter. Auf der technischen Seite sind Energie- und Wasserversorgungsunternehmen wichtig, aber auch Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnik sowie Verkehrsunternehmen.