Notstand in der Pflege Diakonie geht das Personal aus

Auch in der häuslichen Pflege fehlt Fachpersonal. Foto: Archiv (dpa/Philipp von Ditfurth)

Die Station in Marbach findet keine Fachkräfte mehr und muss Anfragen abblocken. Auch im restlichen Kreis Ludwigsburg ist die Situation angespannt. Von „großen Engpässen“ ist die Rede.

An der Qualität liegt es nicht, dass bei der Diakoniestation Marbach der Umsatz eingebrochen ist sowie die Zahl der Hausbesuche und der Umfang in puncto Behandlungspflege zurückgegangen sind. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen bewertete den mobilen Pflegeservice zuletzt mit einer glatten Eins. Der Schrumpfkurs ist vielmehr darauf zurückzuführen, dass der Diakonie immer weniger Personal zur Verfügung steht, das sich überhaupt um die Patienten zuhause kümmern könnte.

 

Hatte das Team der Diakonie im Jahr 2021 noch aus 63 Mitarbeiterinnen bestanden, waren es 2022 nur noch 53. „Das Problem ist, dass einfach niemand mehr nachkommt“, erklärte Geschäftsführerin Ann-Kathrin Benneweg nun im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats. So habe man für Kolleginnen, die sich in den Ruhestand verabschiedet haben, keine Nachfolger gefunden. Andere Kräfte seien krankheitsbedingt monatelang ausgefallen, ohne ersetzt werden zu können. Ähnlich sei die Situation, wenn jemand in den Mutterschutz gehe. Etliche Mitarbeiter hätten überdies wegen der Corona-Impfpflicht der Branche den Rücken gekehrt. „Wir hatten das Problem auch sehr lange, dass sich viele Mitarbeiter bei uns nicht impfen lassen wollten“, sagte Benneweg.

Keine Hoffnung auf schnelle Wende

Diese Entwicklung bedingt, dass die Kapazitäten bei der Patientenversorgung geringer werden. „Wir bekommen bestimmt jeden Tag zehn bis 15 Anrufe, die wir überwiegend ablehnen müssen“, erklärte die Geschäftsführerin. Vereinzelt würden zuletzt zwar wieder neue Patienten aufgenommen. Dabei müsse aber stets im Einzelfall abgewogen werden, ob der Umfang der erforderlichen Leistung erbracht werden könne.

Benneweg machte wenig Hoffnung, dass sich die Situation schnell ändert. „Ich sehe momentan kein Licht am Ende des Tunnels, was unseren Personalengpass angeht“, sagte sie.

Einerseits, andererseits

Wenig tröstlich wird es für die Geschäftsführerin sein, dass die Branche insgesamt im Raum Ludwigsburg mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen hat. Das Fehlen von Pflegepersonal sei im Landkreis ein zentrales Thema, konstatiert Franziska Schuster, Pressesprecherin des Landratsamts. „Die Engpässe sind groß“, betont sie. Die ambulanten Dienste seien hiervon nicht ausgenommen. Gleichwohl verzeichne der überwiegende Teil der hiesigen Anbieter steigende Klientenzahlen. Zugleich hätten in den zurückliegenden Monaten ambulante Dienste „erste Schwierigkeiten“ zurückgemeldet, „die Anfragen von Betroffenen nach pflegerischen Unterstützungsleistungen bedienen zu können. Auch die Bedienung von Anfragen nach Betreuung oder hauswirtschaftlichen Leistungen sind nicht immer möglich.“

Die Frage ist, wie die Personalkrise, die auch bei den ambulanten Anbietern durchschlägt, zum Gesamtkonzept des Landkreises passt, speziell die häusliche Betreuung stärken zu wollen – nachdem sich für neue Altenheime kaum Mitarbeiter finden lassen. „Pflege und Betreuung benötigt viele helfende Hände, auch mit unterschiedlichen Qualifikationen. Die Versorgung muss daher auf viele Schultern verteilt werden. Nur in diesem Zusammenspiel kann die Versorgung der Zukunft gelingen“, erklärt dazu Franziska Schuster. Das Angebot der ambulanten Dienste spiele hierbei eine zentrale Rolle für die pflegerische Versorgung. Zusätzliche Stabilität solle das geplante Quartiersmanagement bringen. Darunter ist im Kern zu verstehen, dass die Bedürfnisse und Anliegen der älteren und pflegebedürftigen Menschen vor Ort identifiziert und Projekte zur Verbesserung der Situation angeleiert werden.

„Trotzdem bleibt die Herausforderung, dass ausreichend qualifiziertes Pflegepersonal zur Verfügung steht“, räumt die Pressesprecherin ein. Deshalb sei 2024 unter anderem eine Fachkräftekampagne geplant.

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