Nürtingen investiert Neuer Wohnraum für Geflüchtete
Nürtingen erhöht die Zahl der Plätze für geflüchtete und obdachlose Menschen auf 900. Die Notunterkünfte sind neu, aber einfach gehalten.
Nürtingen erhöht die Zahl der Plätze für geflüchtete und obdachlose Menschen auf 900. Die Notunterkünfte sind neu, aber einfach gehalten.
Nürtingen hat weiteren Wohnraum für geflüchtete und obdachlose Menschen geschaffen. Damit kommt die Kommune erneut ihrer Pflichtaufgabe nach und erhöht die Zahl der Wohnplätze für geflüchtete und für obdachlose Menschen auf 900.
Neu dazugekommen sind große Unterkünfte mit Wohnraum für rund 80 Menschen in der Millotstraße 33 sowie für 60 Menschen in der Max-Eyth-Straße. Das in der Max-Eyth-Straße errichtete Gebäude in Modulbauweise wird von den Nürtinger Stadtwerken für drei Jahre an die Stadt Nürtingen vermietet. Später kann es als Lager und Büro verwendet werden. Die Investition für die beiden Gebäude beträgt insgesamt 5,7 Millionen Euro.
„Das sind Riesenbeträge, die sind uns auf die Füße gefallen und dieser Kraftakt hat natürlich einen Einfluss auf den städtischen Haushalt“, so bewertete Bürgermeisterin Annette Bürkner die finanziellen Herausforderungen, die diese Pflichtaufgabe mit sich bringt. Während in der Max-Eyth-Straße neben 27 Doppelzimmern, die sich über Zwischentüren teils auch verbinden lassen, gemeinschaftliche Sanitäranlagen und Gemeinschaftsküchen gebaut wurden, sind in der Millotstraße Apartments entstanden. Diese verfügen jeweils über ein Mini-Duschbad sowie eine kleine Küchenzeile im Wohnraum. Ergänzt wird der Wohnraum von zwei Schlafzimmern, weshalb sich die Belegung vor allem für Familien eigne, wie Simon Klaiber, der persönliche Referent der Bürgermeisterin, sagte.
Anders als in der Max-Eyth-Straße handelt es sich hier allerdings um eine reine Container-Bauweise aus Metallcontainern mit entsprechend schlechteren Schallschutzbedingungen als bei einem Modulbau. „Wir schaffen hier keinen Luxus, sondern eine reine Notunterkunft“, diese Aussage war Klaiber und den übrigen Beteiligten, darunter auch Cornelius Breitling, Projektleiter bei der Gebäudewirtschaft Nürtingen (GWN), wichtig. Und davon konnten sich auch die Nachbarn einen Eindruck verschaffen, die zu einem Besichtigungsrundgang eingeladen waren.
In der Unterkunft Millotstraße gibt es erstmals auch einen Gemeinschaftsraum, der künftig für Sprachkurse, Hausaufgabenhilfe und andere Angebote für die Bewohnerinnen und Bewohner genutzt werden soll. Außerdem verfügen beide neuen Unterkünfte über jeweils ein Büro für die Hausleitung und die soziale Beratung der Bewohner. Nürtingen geht hier neue Wege. „Für viele Menschen ist der Weg ins Rathaus eine zu hohe Hürde“, beschreibt Nadine Karim, die Leiterin der Abteilung Bürgertreff, Integration und Sozialer Dienst, die Herausforderungen für geflüchtete Menschen, die häufig durch die Sprachbarriere noch verschärft werde.
Deshalb sollen künftig Beratungen in den großen städtischen Notunterkünften angeboten werden. Dieses Projekt wird im Auftrag der Kommune vom Träger EVA e.V. dort jeweils stundenweise angeboten. Unterstützt wird vor allem die Vermittlung in Sprachkurse, die Suche nach Ausbildung und Arbeit sowie die Suche nach Wohnraum.
Die neuen Angebote waren auch notwendig, da einige Unterkünfte befristet waren. Nicht mehr genutzt werden können demnach die Unterbringungsmöglichkeiten in der Bismarckstraße sowie im Europahaus, wo die Mietverhältnisse abgelaufen sind. Bei der Unterbringung von Geflüchteten verfolgt die Stadt Nürtingen nach eigenen Angaben einen dezentralen Ansatz, um keinen Stadtteil zu überlasten. Der Wohnraum verteilt sich demnach auf einzelne Wohnungen, Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Containerstandorte an insgesamt rund 100 Standorten im gesamten Stadtgebiet.