OB Fritz Kuhn zieht Bilanz Nur die halbe Wahrheit
OB Kuhn habe viel für die Stadt getan, aber auch einiges unterlassen, meint StZ-Autor Jörg Nauke. Seine Parteifreunde könnten ein Lied davon singen.
OB Kuhn habe viel für die Stadt getan, aber auch einiges unterlassen, meint StZ-Autor Jörg Nauke. Seine Parteifreunde könnten ein Lied davon singen.
Stuttgart - Stuttgarts scheidender und stetiger Kritik ausgesetzter OB Fritz Kuhn (Grüne) hat eine sehr positive Bilanz seiner Arbeit gezogen. Das verwundert nicht; das Stadtoberhaupt, das vor die Presse tritt und sich für acht Jahre im Amt entschuldigt, ist noch nicht geboren. Kuhn hat allerdings deutlich gemacht, dass es sich um seine Deutung handelt. Ob andere Meinungen erwünscht sind, blieb offen; Mängellisten und Relativierungen dürften aber schon in Arbeit sein.
Mancher Stadtrat wird bei der Lektüre seine Ideen wiederfinden und sich daran erinnern, wie viel Überzeugungsarbeit es bedurfte, um Kuhn aufs Gleis zu bringen. Dass der OB Sachverhalte als eigene Erfolge verkauft – wie die wegen Rekordeinnahmen zwangsläufige Entschuldung des Haushalts – geht in Ordnung. Zumal Projekte wie die VVS-Tarifreform seinem Verhandlungsgeschick zu verdanken waren. Er bezog auch für alle die Prügel, etwa bei der Schließung des Fernsehturms wegen Brandschutzmängeln. Kuhn ist zudem hoch anzurechnen, dass er den Ruf Stuttgarts als weltoffene Stadt gestärkt hat und Rechtspopulisten klare Ansagen machte.
Er benannte die Schwerpunkte seines Wirkens: Kultur, Masterpläne, Konzepte – und durch Weglassen, was entbehrlich schien: die Außenbezirke, die Vereine und Initiativen, auch der Sport, den er vor allem aus der Stadionlogenperspektive wahrnahm. Wie seinem Vorgänger fiel es ihm schwer, auf die Bürger zuzugehen.
Mit den Grünen ist Kuhn im Reinen. Ob sie es mit ihm sind, dürfte sich am Samstag bei der Aufarbeitung der OB-Wahl-Niederlage weisen. Sollte jemandem einfallen, Kuhn für das Debakel wegen seiner überraschenden Weigerung, erneut anzutreten, verantwortlich zu machen, ist ihm Kontra gewiss. Sein Argument, ein früheres Bekenntnis hätte nichts an der Absage von Parteipromis geändert, ist jedoch dünn: Jeder Monat früher hätte der Suchmannschaft die Arbeit erleichtert.