OB-Wahl in Esslingen Das Duell geht in die Entscheidung

Wer wird neuer OB in Esslingen: Matthias Klopfer (links) oder Daniel Töpfer? Foto: Ines Rudel/Rudel

Die aussichtsreichen Esslinger OB-Kandidaten Matthias Klopfer und Daniel Töpfer kämpfen gegen die Verwechselbarkeit ihrer Positionen.

Esslingen - Jungdynamiker gegen erfahrenen Praktiker? So hätten sie es vielleicht gern. Tatsächlich haben Daniel Töpfer (32) und Matthias Klopfer (53), die verbliebenen Esslinger Oberbürgermeisterkandidaten mit realistischen Siegchancen, ein anderes Problem. Ein Bürger brachte es in einer Diskussionsveranstaltung – der letzten vor der entscheidenden Wahl am Sonntag – auf den Punkt: „Im Was zeigt sich kein großer Unterschied. Aber vielleicht im Wie?“ Ein Profilierungsproblem also.

 

Auf die Wie-Frage hin wurde es persönlich: Klopfer, Oberbürgermeister von Schorndorf, empfiehlt sich als „Gestalter statt Verwalter“, selbstredend stets unter Einbezug von Bürgern und Mitarbeitern. Und Töpfer, seit sieben Jahren Bürgermeister von Weissach, sieht sich als Chef einer Gemeindeverwaltung, die – selbstverständlich in den vergangenen sieben Jahren – „zu einer der bürgerfreundlichsten im Land“ wurde. Sein Rezept: „Ich denke das Ganze von unten – aus Sicht der Mitarbeiter.“

Kontraste werden betont

Sonst waren die Kandidaten durchaus bemüht, den Profilstachel deutlicher auszufahren – moderiert wurde die Runde von Johannes Fischer, dem Chefredakteur der Eßlinger Zeitung und Leiter der Gemeinschaftsredaktion mit Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Zunächst wurden die Kontraste betont: Kontinuität versus Aufbruch. Der Sozialdemokrat Klopfer, von manchen als jüngerer Wiedergänger seines Parteifreunds, des scheidenden Amtsinhabers Jürgen Zieger, gedeutet, präsentiert sich als routinierter Verwaltungskämpe an der „Weiter so“-Front: Esslingen sei „eine der attraktivsten Städte Deutschlands. Da muss man in den vergangenen Jahren einiges richtig gemacht haben“. Freilich nicht alles: Beim Bürgerservice gebe es Handlungsbedarf, denn dieser sei „ein Mega-Ärgernis“.

Der CDU-Mann Töpfer, dessen Wahlkampf vom drohenden Millionenverlust der Gemeinde Weissach bei der insolventen Greensill Bank überschattet wurde, setzt auf parteipolitische Wechselstimmung: Nach gut 30 Jahren SPD-Führung im Esslinger Rathaus sei „der Zeitpunkt für eine Veränderung gekommen.“ Und so fand man schließlich doch zu erkennbar kontroversen Positionen, zum Beispiel in puncto Haushaltskonsolidierung. Denn woher sollen die Mittel kommen für Lösungen in den – da war man sich wieder einig – drei entscheidenden Problembereichen der kommenden Jahrzehnte: Klimawandel, Mobilität und Wohnraummangel?

Personalabbau in der Verwaltung vorstellbar

Ein „Drehen an der Einnahmeschraube“ kommt für Töpfer nicht in Frage: „Die Stadt muss an Ausgaben ran“, und zwar namentlich bei den Personalkosten. Durch „Prozessoptimierung“ und digital gestützte „Implementierung des Servicegedankens“ kann sich Töpfer einen Personalabbau in der Verwaltung vorstellen. Klopfer hält davon gar nichts: „Wir brauchen mehr Personal, um gerade den Bürgerservice voranzubringen.“ Eine Erhöhung der Grundsteuer ist für den SPD-Mann naheliegend.“

Bei der Kulturförderung distanzieren sich allerdings dann wieder beide vom „fetten Rotstift“, wie Töpfer es formuliert, der zudem „wegkommen will von Gießkannenfinanzierung und bloßer Projektförderung“. Neues könne freilich nicht einfach „on top“ dazukommen, man müsse entsprechend etwas einsparen. Klopfer sieht in der Interimsnutzung von leer stehenden Flächen eine Chance für Kulturinitiativen, will das Neckar Forum mehr für die Bürger öffnen und plant einen Kulturgipfel.

Ähnlichkeiten beim Wohnraum

Beim Thema Wohnraum dann wieder viel Gleichklang: Die Bebauung von Frischluftschneisen sei tabu, sagt Töpfer. Klopfer kündigt diesbezüglich einen Kurswechsel im Vergleich zur bisherigen Esslinger Wohnungsbaupolitik an. Er lässt durchblicken, dass er einer Bebauung des VfL-Post-Geländes in der Pliensauvorstadt ablehnend gegenübersteht.

Konkret zum Sozialwohnungsbau wollen beide die Esslinger Wohnungsbau-Gesellschaft aktivieren, möglichst ohne Flächenverbrauch: durch Nachverdichtung (Töpfer), durch alternative Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser oder Wohngenossenschaften (Klopfer).

Vage bei der Mobilität

Beim Thema Mobilität unterscheiden sich die Positionen zwar, bleiben aber vage. Klopfer spricht von der „Reduzierung des Autoverkehrs“, Töpfer vom Auto als wichtigstem individuellen Verkehrsmittel – „auch in den kommenden Jahren“.

Und so bleibt im Vorfeld vor allem ein Thema übrig, das dann wirklich Potenzial für Zündstoff und eine echte Kontroverse der Kandidaten bietet: die Sperrstunde für die Außengastronomie. Töpfer will sie im Sinne des „Servicegedankens“ um eine Stunde nach hinten verschieben, Klopfer pocht auf „das Recht auch der Innenstadtbewohner auf Nachtruhe“.

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