OB-Wahl in Filderstadt 70 Prozent – so bewertet Amtsinhaber Christoph Traub sein Ergebnis
Christoph Traub bleibt für weitere acht Jahre Oberbürgermeister in Filderstadt. Wie beurteilt er sein Abschneiden und die relativ geringe Wahlbeteiligung?
Christoph Traub bleibt für weitere acht Jahre Oberbürgermeister in Filderstadt. Wie beurteilt er sein Abschneiden und die relativ geringe Wahlbeteiligung?
Beim wiedergewählten Filderstädter Oberbürgermeister Christoph Traub überwiegen der Dank und die Freude. „Ich freue mich über das deutliche Ergebnis. Und ich möchte denjenigen danken, die zur Wahl gegangen sind und auch schon im Vorfeld der Wahl großes Interesse an den Themen der einzelnen Kandidaten gezeigt haben“, sagt der 53-jährige Jurist am Tag nach dem Urnengang gegenüber unserer Zeitung. Er ergänzt: „Demokratie lebt davon, dass man sich beteiligt.“
Damit spricht der Christdemokrat einen Punkt an, der nicht zu den Aushängeschildern der OB-Wahl am Sonntag gehört. Denn die Wahlbeteiligung lag bei gerade einmal 29,6 Prozent, so das vorläufige amtliche Ergebnis. „Das muss uns aufmerksam machen“, sagt Christoph Traub. Wenn nicht einmal ein Drittel der Menschen von einem Recht Gebrauch mache, für das in anderen Ländern gestritten und gekämpft werde, dann seien die Gründe dafür zu analysieren. „Alle demokratischen Kräfte müssen dafür Sorge tragen, dass der Bevölkerung wieder bewusster wird, wie wichtig es ist, sich zu beteiligen“, sagt der alte und neue Oberbürgermeister. Von einer Systemkrise möchte er aber nicht sprechen. „Den Begriff Krise sollte man in diesen Tagen nicht überstrapazieren“, so sein Plädoyer.
Dennoch: Bei rund 34 700 Wahlberechtigten in Filderstadt und einer Wahlbeteiligung von knapp 30 Prozent, entsprechen die 70 Prozent, die Christoph Traub auf sich vereinen konnte, in absoluten Zahlen gerade einmal rund 7300 Wählern.
Auf die Frage, ob er enttäuscht sei, dass er lediglich rund 70 Prozent der abgegeben Stimmen auf sich vereinen konnte, wo andere Oberbürgermeister auch gern mal mit 90 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt werden, antwortet Christoph Traub: „Wie schon bei meiner Wahl vor acht Jahren, habe ich vor dem Urnengang keine Prognose für mich selbst gemacht. Insofern bin ich für diese Frage der falsche Ansprechpartner.“
Und wie geht es jetzt weiter? Gefeiert wurde am Sonntag, aufgeräumt am Montag, und am Dienstagmorgen ist der Oberbürgermeister bereits wieder im Büro. „Natürlich werde ich die Wahl noch persönlich für mich auswerten und thematisch und inhaltlich analysieren“, sagt Traub. Während seines Wahlkampfs hätten ihm die Bürgerinnen und Bürger viele Themen mit auf den Weg gegeben, die nun in ein Arbeitsprogramm für die kommenden Jahre münden sollen. Zudem gebe es viele laufende Aufgaben, die fortgesetzt werden müssen.
Der Hausverwalter Guido Schmucker (52, parteilos) hatte als politischer Neuling bei der Oberbürgermeisterwahl am vergangenen Sonntag gerade einmal 4,1 Prozent der Stimmen bekommen. Er spricht von einem „ungleichen Kampf“. Kandidatinnen und Kandidaten, die keine Partei im Rücken hätten, die sie unterstützen, hätten keine Chance. Sie müssten persönlich ins finanzielle Risiko gehen, um einen Wahlkampf zu finanzieren. „Ich hätte das gekonnt, aber das kann nicht jeder, und ich sehe es auch nicht ein“, sagt Schmucker. Das politische System müsse sicherstellen, dass es bei einer OB-Wahl auch schlagkräftige Gegenkandidaten gebe, die nicht einer Partei angehören.
Ein weiteres „Systemproblem“ sieht Schmucker in der geringen Wahlbeteiligung. In anderen Städten sei die Bereitschaft, zur Urne zu gehen, ähnlich niedrig. Für ihn ist das ein Beleg dafür, „dass die Menschen das Vertrauen in die Politik verloren haben“. Eine Bearbeitung des gesamten politischen Systems sei notwendig, um die Gesellschaft wieder zu aktivieren. „Die Parteien schaffen das nicht mehr“, sagt Schmucker und ergänzt: „Das kann so nicht weitergehen.“
Auf die Frage, ob er selbst – wie vor der OB-Wahl angekündigt – bei weiteren Wahlen kandidieren wolle, antwortet Guido Schmucker. „Dazu kann ich mich noch nicht äußern.“ Er sei in seinem Wahlkampf von Tür zu Tür gegangen, und habe dabei erlebt, wie frustriert die Menschen gegenüber der Politik sind. „Das hätte ich so nicht gedacht“, sagt er. Den wiedergewählten OB Traub und seiner Frau habe er gratuliert, ihnen und den Menschen in Filderstadt wünsche er alles Gute – und einen jüngeren Gemeinderat in der Zukunft.
Auch der Polizeihauptkommissar Stephan Raff (52, parteilos) kandidierte ohne politische Vorerfahrung und ohne eine Partei an seiner Seite. Mit 24,6 Prozent der abgegebenen Stimmen erzielte er mindestens einen Achtungserfolg. Dieser könnte Traub zu denken geben. Denn den Großteil seiner Stimmen wird Raff von den Wählern bekommen haben, die mit dem Amtsinhaber unzufrieden waren. Raff selbst spricht von einem „überragenden Ergebnis, das so nicht zu erwarten war“. Es sei ein Erfolg aus dem Stegreif. Er habe nur drei Wochen Wahlkampf gemacht, in dieser Zeit aber sehr intensiv.
„Ich bin superzufrieden“, sagt Raff. Von seinem Erfolg beflügelt bei OB-Wahlen in anderen Städten antreten, möchte er aber nicht. „Mir ging es um Filderstadt, das ist meine Heimat. Ich wollte, dass die Menschen eine echte Wahl haben“, sagt er und ergänzt: „Aber ich überlege mir, nächstes Jahr für den Gemeinderat zu kandidieren.“
Ergebnis
Mit 70,52 Prozent der Stimmen ist Filderstadts Oberbürgermeister Christoph Traub (CDU) am vergangenen Sonntag im ersten Wahlgang wiedergewählt worden. Die Amtszeit beträgt acht Jahre. Ebenfalls zur Wahl angetreten waren Guido Schmucker (parteilos). Er bekam 4,05 Prozent der abgegebenen Stimmen. Stephan Raff (parteilos), erzielte mit 24,58 Prozent mindestens einen Achtungserfolg. Diese Zahlen sind das vorläufige amtliche Wahlergebnis.
Wahlbeteiligung
Rund 34 700 Menschen in Filderstadt waren aufgerufen, zur Wahl zu gehen. Die Wahlbeteiligung lag bei 29,56 Prozent. Zum Vergleich: Auch in Mannheim ist am vergangenen Sonntag ein neuer Oberbürgermeister gewählt worden. Dort war die Wahlbeteiligung mit 32,22 Prozent im ersten und 30,90 Prozent im zweiten Wahlgang ähnlich niedrig. Beide Ergebnisse liegen deutlich unter dem vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg ermittelten Durchschnittswert für Bürgermeisterwahlen in den Jahren 2010 bis 2017. Demnach haben sich im statistischen Mittel 44,4 Prozent der Wahlberechtigten an Bürgermeisterwahlen im Land beteiligt. Die höchsten Jahresdurchschnittswerte bezüglich der Wahlbeteiligung gab es immer in den Jahren, in denen auch eine Landtags- oder eine Bundestagswahl stattfand, sodass Bürgermeisterwahlen mit diesen Parlamentswahlen gekoppelt werden konnten.