OB-Wahl-Umfrage der Uni Hohenheim Viele Wähler sind noch unentschieden

Wer macht das Rennen? OB-Kandidaten-Runde bei der Podiumsdiskussion am 26. Oktober in der Porsche-Arena Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Eine neue Umfrage der Universität Hohenheim sieht ein offenes Rennen um die Nachfolge von Oberbürgermeister Fritz Kuhn in Stuttgart – mit Vorteilen für Frank Nopper und Veronika Kienzle.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Stuttgart - Nach der am 17. Oktober veröffentlichten Umfrage von Infratest dimap im Auftrag unserer Zeitung und des Südwestrundfunks liegt jetzt eine zweite, methodisch anders gelagerte Umfrage zur Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl vor, initiiert und finanziert von der Universität Hohenheim unter der Federführung von Professor Frank Brettschneider am Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften. Die Stuttgarter Nachrichten berichteten darüber exklusiv.

 

Dabei zeigt sich: wenige Tage vor der Wahl am 8. November hat sich rund ein Viertel der Wahlberechtigten noch nicht entschieden, hinter welchem der 14 zur Wahl stehenden Namen sie ihr Kreuz setzen. 17 Prozent der Befragten gaben an, bereits per Briefwahl abgestimmt zu haben. Insgesamt registrierten die Kommunikationswissenschaftler ein „relativ großes Wahlinteresse“. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, sich für die OB-Wahl zu interessieren.

„Eine Momentaufnahme, keine Prognose“

Anders als die Infratest-Umfrage, die bei der Frage, welche Kandidatin oder welchen Kandidaten die Wähler für geeignet halten, Mehrfachnennungen erlaubte, enthält die Umfrage der Universität Hohenheim die sogenannte Sonntagsfrage (Welche Kandidatin oder welchen Kandidaten würden sie wählen, wenn jetzt bereits OB-Wahl wäre?). Gefragt wurden auch Wähler, die bereits per Briefwahl abgestimmt haben. Das Ergebnis: zwischen 24 und 29 Prozent sprechen sich für Frank Nopper (CDU) aus. Zwischen 19 und 24 Prozent stimmen für Veronika Kienzle (Grüne). Platz drei nimmt demnach Hannes Rockenbauch (SÖS) ein mit einem Ergebnis zwischen 13 und 17 Prozent. Der unabhängige Kandidat Marian Schreier folgt mit zwölf bis 16 Prozent. Für den SPD-Kandidaten Martin Körner stimmen 10 bis 13 Prozent. Die anderen neun Kandidaten bewegen sich der Umfrage zufolge im niedrigen einstelligen Bereich.

Die Spannen bei der Bewertung erklärt die Universität mit den bei Umfragen üblichen Stichprobenfehlern. Brettschneider sagte den Stuttgarter Nachrichten: „Die Umfrage ist eine Momentaufnahme und noch keine Prognose. Es gibt Spielraum.“ Bis zur Wahl könne sich noch einiges tun. Das Rennen um die Nachfolge von Amtsinhaber Fritz Kuhn hält Brettschneider für offen. Kuhn selbst attestierten die Befragten nach Einschätzung Brettschneiders ein eher mäßiges Ergebnis. Auf einer Skala von 1 (sehr negativ) bis 5 (sehr positiv) erreichte er den Wert 2,8. Defizite sehen die Befragten in den Kategorien Tatkraft, Bürgernähe, Konzept. Gut schnitt Kuhn bei der Frage der Vertrauenswürdigkeit ab.

Topthema Wohnen

Für die Umfrage hatte die Universität Hohenheim 10 000 Bürgerinnen und Bürger aus dem Einwohnermelderegister der Stadt gezogen und am 20. Oktober per Brief zu der Befragung eingeladen. 1739 von ihnen nahmen bis zum 28. Oktober an der Befragung telefonisch oder online teil. 1642 von ihnen füllten den Fragebogen vollständig aus. Die Sonntagsfrage stützt sich auf die Angaben von 1210 Befragten.

Abweichungen zu der (nicht direkt vergleichbaren) Infratest-dimap-Umfrage mit 509 Teilnehmern ergeben sich besonders in Bezug auf Martin Körner, der dort 23 Prozent erreichte. Kienzle lag bei 25 Prozent, Nopper bei 24, Rockenbauch bei 19 und Schreier bei 18 Prozent.

Laut der Uni-Hohenheim-Umfrage erreichen Nopper, Kienzle und Rockenbauch einen Bekanntheitsgrad von mehr als 50 Prozent. Schreier liegt bei 50, „Querdenker“ Michael Ballweg bei 41 und Körner bei 39 Prozent. Interessant: den von Parteien unterstützten Bewerbern gelingt es unterschiedlich stark, Parteianhänger zu mobilisieren. Nopper und Rockenbauch schneiden in dem Punkt bisher besser ab als Kienzle und Körner.

Auf die Frage, worum sich das neue Stadtoberhaupt vor allem kümmern soll, nannten viele Befragten die Themen bezahlbarer Wohnraum, Umgang mit der Corona-Pandemie, Mobilität, Klimaschutz, Sicherheit und Ordnung.

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