OB-Wahlkampf in Leonberg Riesiges Interesse an den vier OB-Kandidaten

Von Thomas K. Slotwinski 

Bei der offiziellen Präsentation ist die Stadthalle voll wie selten. Alle wollen ein starkes Krankenhaus.

Keine freien Plätze: So voll ist die Stadthalle höchst selten. Foto: factum/Granville
Keine freien Plätze: So voll ist die Stadthalle höchst selten. Foto: factum/Granville

Leonberg - Eines ist unumstritten: So voll ist die Stadthalle seit Jahren nicht mehr gewesen. Die offizielle Präsentation der OB-Kandidaten mobilisiert die Massen. Gut 1000 Menschen sind gekommen.

Die Spielregeln verkündet der Amtsinhaber: Jeder hat 20 Minuten Zeit, erklärt Bernhard Schuler. Dem Vortrag eines Kandidaten dürfen die drei anderen nicht beiwohnen. Die Reihenfolge orientiert sich am Eingang der Bewerbungen. Ulrich Vonderheid macht den Auftakt, gefolgt von Martin Kaufmann, Inge Horn und Klaus Brenner.

Ulrich Vonderheid (52, CDU, tritt parteiunabhängig an, seit 2009 Bürgermeister ) stellt seine Amtszeit in den Vordergrund. Die jährlichen Gewerbesteuereinnahmen hätten sich von 16 Millionen auf 28 Millionen Euro erhöht. Bei den Stadtwerken, deren Geschäftsführer er ist, entwickle sich das Parkhaus am Bahnhof zum „profitablen Betrieb“. Auf die Feuerwehr ist er stolz. Dass es Kritik an der Führung gibt, „kann ich nicht verstehen“. Es herrsche „eine gute Kameradschaft.“

Durch mehr Kinder ergebe sich ein höherer Bedarf an Tagesstätten und Schulen. Das Wohnungsproblem will er mit einer kommunalen Baugesellschaft lösen. Beim Thema Klinik sagt er: „Unser Krankenhaus ist nur so lange sicher, bis die Flugfeldklinik eröffnet wird.“ Freundlicher Applaus.

Martin Kaufmann (51, SPD, Bürgermeister in Rudersberg) spricht nicht am Pult und ohne Manuskript. Er stellt seine Durchsetzungskraft in den Mittelpunkt, mit der er in seiner Heimatgemeinde gegen übergeordnete Behörden eine moderne Ortsdurchfahrt durchgesetzt habe.

Die Leonberger Verkehrsprobleme will er mit einem Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit einer Hochschule lösen. Ihm schwebt eine großflächige Lösung vor. Er wirbt für ein eigenständiges Wirtschaftsdezernat, das sich um die Industrie und um den Handel kümmern soll: „Wir dürfen keinen gehen lassen.“ Eine Verkleinerung des Leobads lehnt er vorerst ab.

Beim Krankenhaus hält er weiterhin einen harten Kurs gegenüber Kreis und Land für nötig. Reger Applaus.

Inge Horn (parteilos, 54, zwölf Jahre Bürgermeisterin in Leonberg, jetzt Geschäftsführerin) spricht ebenfalls ohne Pult und Papier. Sie geht auf Themen ein, die ihr Bürger an ihre Wahlwand geschrieben haben: Baugebiete müssten erweitert werden, ohne das Grün zu vernachlässigen. Und zwar in allen Teilen der Stadt. Für den Einzelhandel bedürfe es passender Konzepte, das Parkgebührensystem hält sie für kundenunfreundlich.

Das Krankenhaus müsse in einen künftigen Medizincampus eingewoben werden, „so dass es niemand herausholen kann.“

Sie lobt die Ehrenamtler („Wir brauchen euch!“), appelliert mit emotionalen Worten an den Gemeinsinn in der Stadt und untermauert ihre Pläne für eine Gartenschau, mit der die ganze Stadt nach vorne gebracht werden könne. Zuschüsse von 50 Prozent seien möglich. Reger Applaus.

Klaus Brenner (57, parteilos, seit 2013 Baubürgermeister) verhehlt nicht, dass er sich erst im Sommerurlaub seiner Kandidatur sicher gewesen sei. Er will im kommenden Jahr eine Verkehrserhebung machen, um aufgrund der Ergebnisse ein konkretes Konzept zu entwickeln. Eine Umfahrung der Kernstadt hält er für machbar, da sie stark gefördert würde.

Die Wirtschaftsförderung und ein Citymanagement will er direkt beim Oberbürgermeister ansiedeln. Die Bäder und die Stadthalle will er in die Stadtwerke ausgliedern: „Hier kann sich Herr Vonderheid beweisen.“ Eine starke Altstadt sei eines seiner wichtigsten Ziele. Das Krankenhaus könne mit einem attraktiven Umfeld gestärkt werden. Freundlicher Applaus.