Oberbürgermeister-Wahlkampf in Herrenberg – die Kandidaten Hubert Reichardt will die Brücke schlagen zu den Stadtteilen

„Der Mietspiegel muss runter, die Gewerbesteuer muss gesenkt werden“, sagt der OB-Kandidat Hubert Reichardt. Foto: S/tefanie Schlecht

Der Industriemeister Hubert Reichardt will Oberbürgermeister von Herrenberg werden. Der Weg dahin geht für ihn über die Stadtteile.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Wenn man eine Stadtverwaltung als Haus bezeichnet, dann lassen sich viele Parallelen finden, zu dem, was der unabhängige Kandidat Hubert Reichardt gerade im Herrenberger Stadtteil Kuppingen tut. Dort ist er fest verwurzelt, dort hat er sich am Marktplatz ein Haus gekauft, das so alt ist, dass sein Bau auf keiner Urkunde mehr verzeichnet ist: Seit knapp acht Jahren renoviert er den ehemaligen Dorfladen, der seit 1982 geschlossen ist und einem Dornröschenschlaf lag, aus dem ihn Reichardt gerade befreit. Im Beruf ist der gelernte Industriemeister für Lackierung in der Logistik bei Daimler-Benz, in seiner Freizeit ist er ein Handwerker, der ein Haus renoviert.

 

Weg von der Zentralisierung

„Man braucht eine Vorstellungskraft, wie so ein Haus einmal aussehen soll“, sagt der 52-Jährige – hier im alten Dorfladen, dort in der Stadtverwaltung Herrenberg. Seine Vorstellung für das künftige Herrenberg ist klar: weg von der Zentralisierung. Weil es in der Herrenberger Kernstadt keine geeigneten Flächen gebe, seien viele wichtige Betriebe weg nach Nufringen oder Nagold gezogen. Mit Gewerbegebieten, die man in den Ortsteilen ausweisen sollte, könnte man das Abwandern der örtlichen Handwerker und Betriebe verhindern. Weg von der Zentralisierung heißt für ihn auch, weg vom vielen Verkehr in der Innenstadt, der sich dann auf das gesamte Stadtgebiet verteilen würde. Das bezieht er aber nicht nur auf das Gewerbe. Auch die Pflegeheime in der Stadtmitte seien für die Angehörigen aus den Ortsteilen schwer zu erreichen, weswegen sie genauso in den Teilorten stehen sollten.

Vieles in Herrenberg sei zu teuer: „Der Mietspiegel muss runter“, sagt er, die Gewerbesteuer solle gesenkt werden. Die Finanzierung von einzelnen Projekten kann er sich mit einer Idee vorstellen, die er als „Bürgerfonds“ bezeichnet. Hier können die Bürger nicht nur Geld einzahlen, sondern auch Arbeitskraft oder Know-how bereitstellen, um kommunale Projekte zu stemmen. Vielleicht so, wie man sich in den Dörfern gemeinsam hilft, wenn es darum geht, ein Vorhaben zu verwirklichen.

Die Generationen sollen sich untereinander verständigen

In Kuppingen zumindest hat so der Jugendtreff funktioniert, den er mit seinen Freunden vom sogenannten „Treff am Eck“ eingerichtet hat, einem losen Zusammenschluss von Jahrgängern im Dorf. Dieser Treff unterhält auch einen Bauwagen, in den bereits mehrere Generationen von Jugendlichen genutzt haben. Dazu mussten sie sich selbst verwalten und selbst mit den Nachbarn und den Älteren verständigen. „Es hat geklappt“, sagt Hubert Reichardt, und das ist es auch, was ihm am Herzen liegt: dass sich die Generationen untereinander informell verständigen können.

Die Stadt ist da gefragt, wo es um die Entwicklung der Innenstadt gehe, denn „die Leute kommen nicht in die Geschäfte, wenn sie keine Parkplätze haben“. Deswegen will er die bezahlten Parkplätze abschaffen und durch eine Parkscheibenregelung ersetzen, „damit die Aquarienstimmung in der Stadt aufhört“. Gebäude, die tagsüber nicht benutzt werden, könnten so auch anderen Zwecken zugeführt werde, etwa Vereinsheime, in die man tagsüber Kinderbetreuung einrichten könnte.

Wo die Stadt kein eigenes Know-how habe, müsste sie sich die Expertise von außen holen: Etwa beim Naturfreibad, denn „es gibt genügend Gemeinden, wo das Naturfreibad funktioniert“. Dass es in der vergangenen Saison so viele Schließungstage gegeben habe, sei nicht hinnehmbar.

Für ihn jedenfalls ist in Herrenberg viel in eine Sackgasse geraten, „das Ding ist gegen die Wand gefahren!“, sagt er plakativ. Sein Ausweg aus dieser Misere, den er als Oberbürgermeister verwirklichen will, ist es, die Brücke zu den Teilorten zu schlagen.

Die Wahl in Herrenberg

Termin
 Die Herrenberger wählen am Sonntag, 3. Dezember, einen neuen Oberbürgermeister. Thomas Sprißler (Freie Wähler) tritt nach 16 Jahren im Amt nicht wieder an. Wenn beim ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht, findet am Sonntag, 17. Dezember, eine Stichwahl statt.

Quartett
 Für die OB-Wahl gibt es eine Kandidatin und drei Kandidaten. Diana Kobrow, Hubert Reichardt, Nico Reith und Thomas Werner treten am 3. Dezember an, wir stellen sie einzeln in der Zeitung vor. Die öffentliche Kandidatenvorstellung der Stadt Herrenberg findet am Freitag, 24. November, um 19 Uhr in der Stadthalle statt.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Oberbürgermeisterwahl Herrenberg