Oberleitungsbusse in Esslingen Seit 66 Jahren unter Strom

Von Lars Harnisch 


Aufpassen muss Etemi auch an den Abzweigungen. Über Weichen in der Oberleitung können die Busse abbiegen. Die Weichen und Kreuzungen sind aber stromlos - da eine Leitung den Plus-, die andere den Minuspol bildet, dürfen sich beide Drähte nicht berühren. Am Esslinger Bahnhof geht Etemi vom Gaspedal und lässt den Bus über die Weiche rollen. Ein Signal ertönt, erst jetzt darf er wieder Gas geben. Die Weichen werden heute automatisch per Funk gestellt: Die Fahrer programmieren bei Schichtbeginn den Fahrplan, den Rest erledigt die Technik

Die Abhängigkeit vom Oberleitungsnetz ist der größte Nachteil des Obusses. "Auf lange Sicht lohnt sich das aber", sagt der SVE-Werkleiter Mickaél Pandion. Schließlich halte das Netz vierzig Jahre. Das Geld muss allerdings auf einen Schlag investiert werden, das wagt heutzutage keine Kommune mehr. Die Kosten für die Infrastruktur haben den meisten der einst 66 deutschen Linien bereits in den 60er und 70erJahren den Garaus gemacht. Als damals Instandhaltungsinvestitionen anstanden, verlor der Obus die Kostenrechnung gegen den Dieselbus. Der Sprit war zu dieser Zeit billig, und dass diese Busse lärmten und die Luft verpesteten, spielte eine untergeordnete Rolle. Nur in Eberswalde, Solingen und Esslingen haben sich Obusse gehalten.

"Aus Umweltsicht spricht alles für den Obus"


Fritz Burger weiß das zu schätzen. Am Mettinger Bahnhof steigt der 79-Jährige ein, nicht zum ersten Mal. "Ich fahre gerne Obus, eine alte liebe Gewohnheit", sagt der gebürtige Esslinger. Seit 1958 lebt er in Mettingen, er hat schon viele Bustypen den langen Kontaktstangen gesehen. In den ersten Jahren fuhren die Esslinger sogar mit einem Bus aus der italienischen Edelschmiede Alfa Romeo, die Leihgabe machte dann aber schnell den einschlägigen Marken Platz - MAN, Henschel, Vetter, Büssing.




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