Obstbauern aus dem Kreis Böblingen profitieren Streuobst-Schorle bei Edeka

Von Februar an gibt es heimische Streuobst-Schorle  im Supermarkt. Foto: factum/Granville
Von Februar an gibt es heimische Streuobst-Schorle im Supermarkt. Foto: factum/Granville

Nicht nur in Baden-Württemberg wird Apfelsaft aus dem Landkreis Böblingen bald im Supermarktregal stehen. Dort muss er allerdings mit Dumping-Angeboten konkurrieren.

Böblingen: Kata Kottra

Landkreis Böblingen - Für Besitzer von Streuobstwiesen im Kreis Böblingen ist das vergangene Jahr verheerend gewesen. Die Ernte fiel in ganz Europa reichlich aus. Wegen des russischen Handelsembargos schwappte zusätzlich Obst aus osteuropäischen Ländern auf den deutschen Markt. Die Folge: magere 3,50 Euro zahlten Händler für 100 Kilogramm Äpfel von Streuobstwiesen. Obstbauern, die ihre Bäume pflegen und abernten, zahlten deshalb sogar drauf.

Doch jetzt gibt es wieder gute Nachrichten für sie: der Getränkehersteller Schwarzwald-Sprudel wird in Zukunft Apfelsaft aus dem Landkreis Böblingen zu Schorle verarbeiten. Dieser soll dann von Februar an in den Supermärkten der Kette Edeka in den Regalen stehen. Auf die Herkunft aus dem Landkreis Böblingen wird das Etikett allerdings nicht hinweisen. Denn das Absatzgebiet wird neben Baden-Württemberg auch Rheinland-Pfalz und das Saarland sowie Teile von Bayern und Hessen umfassen. „Dort wäre der Hinweis auf Böblingen kein Verkaufsargument“, sagt Bernhard Griesau, der bei Schwarzwald-Sprudel den Wildberger Betrieb (Kreis Calw) leitet.

Bauern bekommen Dreifache des Marktpreises

Für den Böblinger Apfelsaft habe sich das Unternehmen entschieden, weil es sein Angebot um ein regional produziertes Produkt erweitern wolle, sagt Duschan Gert, der Geschäftsleiter von Schwarzwald-Sprudel. Doch auch bei der Verkostung habe der Saft überzeugt, sagt Bernhard Griesau: „Er ist weder zu süß noch zu säuerlich.“

Bei der Herstellung der Schorle kooperiert der Getränkehersteller mit der Apfelsaft-Initiative des Landkreises Böblingen. Dort sind zur Zeit 360 Obstbauern mit Apfelbäumen unter Vertrag. Sie haben sich verpflichtet, ihre Streuobstwiesen zu pflegen und immer wieder neue Bäume nachzupflanzen; dafür garantiert ihnen die Initiative einen Abnahmepreis, der deutlich über dem Marktpreis liegt. Vergangenes Jahr bekamen die Bauern statt 3,50 Euro satte 12,50 Euro je 100 Kilogramm Äpfel.

Apfelsaftkonzentrat aus China ist am günstigsten

Kein Wunder, dass viele Streuobstwiesenbesitzer sich der seit 1998 bestehenden Initiative gerne anschließen würden. Doch bislang war dies vor allem durch den Mangel an Abnehmern begrenzt. Durch die Zusammenarbeit mit Schwarzwald-Sprudel erhöht sich die produzierte Apfelsaftmenge um einen Schlag um etwa 30 Prozent. Für den Saft zahlt der Getränkehersteller etwa 20 Prozent mehr als auf dem Markt üblich ist für Apfelsaft, der ebenfalls von Streuobstwiesen stammt. Allerdings werden viele von diesen nicht nachhaltig gepflegt – das will das Böblinger Modell verhindern. Apfelsaftkonzentrat, beispielsweise aus China, ist noch viel günstiger.

90 000 Liter Saft will das Unternehmen im ersten Jahr zu Schorle verarbeiten. „Das entspricht etwa dem jährlichen Ertrag von 600 Apfelbäumen“, sagt Manfred Nuber, der Obstbauberater im Böblinger Landratsamt. An der Gesamtproduktion von Schwarzwald-Sprudel gemessen ist die Liefermenge nicht hoch: in ihrem Wildberger Betrieb füllt die Firma 150 Millionen Flaschen ab. Die Apfelsaftschorle aus dem Landkreis Böblingen wird davon nicht einmal ein Prozent ausmachen.

Auch ein Riesen-Erfolg könnte zum Problem werden

„Wenn die Schorle gut läuft, könnten wir die Produktionsmenge aber erhöhen“, sagt der Wildberger Betriebsleiter Griesau. Dafür müssen die Kunden allerdings bereit sein, für das regionale Produkt tiefer in die Tasche zu greifen: „Sechs 0,5-Liter-Flaschen werden bei Edeka 2,99 Euro kosten“, erklärt Duschan Gert. „Beim Discounter kostet die gleiche Menge 99 Cent.“

Sollten sich allerdings die Kunden im Südwesten um die Schorle reißen, könnte auch das zum Problem werden. Denn neuen Saft können die Streuobstwiesenbesitzer aus dem Landkreis Böblingen frühestens im kommenden Herbst liefern.




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