"Occupy Wall Street" Kapitalismuskritiker gehen weltweit auf die Straße

Von dpa 

Die Finanzkrise und ihre Folgen sollen weltweit tausende Menschen auf die Straße treiben. Ziel der Proteste: das Finanzsystem und die Bankenwelt.

Weltweit gehen Kapitalismusgegner auf die Straße. Foto: AP 10 Bilder
Weltweit gehen Kapitalismusgegner auf die Straße. Foto: AP

Berlin - In aller Welt haben am Samstag zahlreiche Menschen gegen die Auswüchse des Finanzmarktes demonstriert. Die Beteiligung an der Aktion in 1000 Städten war sehr unterschiedlich. In Rom versammelten sich Zehntausende und die Veranstalter rechneten mit weit über 100.000 Teilnehmern. In London waren es zunächst mehrere Tausend Demonstranten, in Oslo nur ein paar Hundert.

Unter dem Motto "People of Europe, rise up!" (Völker Europas, steht auf) startete der für 14 Uhr angesetzte Demonstrationszug durch Rom früher als geplant. "Wir sind einfach zu viele", zitierten italienische Medien die Organisatoren aus der Hauptstadt.

Autos angezündet

Einige vermummte Demonstranten zündeten mehrere Autos an, wie italienische Medien berichteten. Andere verbrannten die italienische und die europäische Fahne eines Hotels. Nach einem überraschenden erneuten Sieg des umstrittenen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi bei einer Vertrauensabstimmung hatte die Polizei mit Zwischenfällen gerechnet.

750 Autobusse aus 80 italienischen Regionen waren erwartet worden. Die Organisatoren rechneten mit mindestens 100.000 bis 200.000 Demonstranten. Ersten Fernsehbildern zufolge war die Teilnahme enorm. Die von der spanischen Protestbewegung der "Empörten" und der US-Bewegung "Occupy Wall Street" inspirierte Aktion richtet sich gegen "die Zerstörung der Rechte, des Allgemeinguts, der Arbeit und der Demokratie durch eine Anti-Krisenpolitik, die den Profit und die Finanzspekulation beschützt und rechtfertigt".

"Die Straßen gehören uns"

In London versammelten sich Tausende Finanzmarktkritiker an der Saint Paul's-Kathedrale und der Börse. Die Demonstranten skandierten "Die Straßen gehören uns!" und "Wir sind die 99 Prozent" - als Ausdruck, dass ein Prozent der Bevölkerung auf dem Rücken der 99 restlichen Prozent reich geworden sei. Die Aktion "Besetzt die Londoner Börse" ("Occupy London Stock Exchange") wurde von einem Zusammenschluss von Organisationen veranstaltet wie UK Uncut oder OccupyLSX.

Aktivisten wollten später von der Saint Paul's-Kathedrale in Richtung Börse ziehen. "Warum zahlen wir für eine Krise, die die Banken verursacht haben? Banker fahren weiterhin Milliardengewinne ein und genehmigen sich enorme Boni, nachdem wir sie mit 850 Milliarden Pfund gerettet haben", kritisierte die OccupyLSX-Unterstützerin Laura Taylor. Die Polizei riegelte den Platz vor der Börse ab.

In Schwedens Hauptstadt Stockholm beteiligten sich etwa tausend Demonstranten an den Protestaktionen. In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen erwarteten die Veranstalter einigen hundert Teilnehmer. Deutlich größere Zahlen wurden aus Madrid erwartet. Ähnliche Proteste gab es in Zürich, Manila und anderen Städten.