Stuttgart - Vom Dezember 2021 an werden S-Bahnen der Linie S 2 tagsüber von Schorndorf kommend im 15-Minuten-Takt nach Filderstadt-Bernhausen fahren. Das hat der Verkehrsausschuss der Regionalversammlung am Mittwoch einstimmig beschlossen. Im Gegenzug endet die S-Bahn-Linie S 3 aus Backnang künftig am Bahnhof Stuttgart-Vaihingen. Bisher fahren die Linien abwechselnd in einem Stottertakt mit 10- und 20-Minuten-Abständen bis zum Flughafen. Dort wendet die S 3, die S 2 fährt alle 30 Minuten weiter nach Filderstadt.
Erst Ablehnung, dann Zustimmung
Noch am Montag hatte sich der Leinfelden-Echterdinger OB Roland Klenk in einem Brief, der unserer Zeitung vorliegt, an den Regionalpräsidenten Thomas Bopp gewandt und die Einwände seiner Kommune vorgebracht. Er kritisiert darin, dass die betroffenen Städte nicht gehört worden seien. Die neue Regelung sei eine „Insellösung mit einem für die Benutzer unübersichtlichen Fahrplan mit zweifelhafter Zukunftsfähigkeit.“ Das begründet Klenk damit, dass der 15-Minuten-Takt auch nach Ansicht der Region „nicht mit dem Gäufahrplan von Stuttgart 21 kompatibel ist und möglicherweise wieder abgeschafft werden muss.“ Stattdessen schlägt er vor, den „Stolpertakt“ über den Flughafen hinaus zu verlängern, indem die S 3 bis Bernhausen fährt. Das aber geht nach Auskunft der Region nicht, weil sich die S-Bahnen im einspurigen Flughafentunnel treffen würden.
Diese Auseinandersetzung ist die letzte Volte in einem von einigem Hin und Her geprägten Verfahren. Die Grünen hatten nämlich im Herbst 2020 den Antrag für einen 15-Minuten-Takt nach Filderstadt eingebracht. Die Verbandsverwaltung hatte dies in einer ersten Stellungnahme abgelehnt mit dem Verweis, dies sei erst nach der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 im Dezember 2025 vorgesehen. Dieser Position hatten in der Sitzung dann aber auch andere Fraktionen, allen voran die CDU, widersprochen. Daraufhin kam nun der neue Beschlussvorschlag auf den Tisch, der sich für die Einführung ausgesprochen hat. Allerdings ist das neue Angebot mit jährlichen Mehrkosten von 800 000 Euro verbunden.
Freude bei den Grünen
„Die Taktverdichtung ist ein Qualitätssprung, weil sich die Zahl der Züge nach Filderstadt verdoppelt“, sagte der Grünen-Regionalrat Philipp Buchholz. Davon werde auch die Stadt Leinfelden-Echterdingen profitieren, meinte er.
Dieser Begeisterung wollten die anderen Fraktionen nicht folgen, wenn sie auch in der Abwägung der Vor- und Nachteile für den 15-Minuten-Takt votierten. So wiesen die Regionalräte Rainer Ganske (CDU/ÖDP), Bernhard Maier (Freie Wähler), Thomas Leipnitz (SPD), Armin Serwani (FDP), Holger Dorn (AfD) und Wolfgang Hoepfner (Linke/Pirat) darauf hin, dass Fahrgäste aus dem Raum Backnang/Winnenden künftig keine direkte Verbindung mit der S 3 zu Flughafen/Messe hätten. Zudem handle es sich um eine „vorläufige Lösung“, deren Zukunftsfähigkeit erst feststehe, wenn klar sei, wie die Neuordnung im Zuge von S 21 am Flughafen aussehen werde. Dies ist ja anlässlich der Debatte um den Gäubahntunnel zum Flughafen ungewisser denn je.
Die Abfahrts- und Ankunftszeiten der S 2 verschieben sich im neuen Fahrplan um eine Minute, um die Begegnung im Tunnel zu vermeiden. Deshalb forderten alle Fraktionen, dass die Anschlüsse für den Busverkehr auf den Fildern angepasst werden müssten.