Öffentlicher Nahverkehr Mal fährt eine neue S-Bahn, mal nicht

Von Jens Noll 

Die DB Regio AG will 87 moderne Züge des Typs ET 430 aufs Gleis bringen. Auf der Linie S 2 zwischen Filderstadt und Schorndorf ist die Inbetriebnahme ein kompliziertes Unterfangen.

Im Betriebswerk Plochingen stehen zwei S-Bahnen des Typs ET 430. Noch hat das  Eisenbahnbundesamt keine Zulassung für den Linienverkehr erteilt. Foto: Horst Rudel
Im Betriebswerk Plochingen stehen zwei S-Bahnen des Typs ET 430. Noch hat das Eisenbahnbundesamt keine Zulassung für den Linienverkehr erteilt. Foto: Horst Rudel

Filderstadt - Von Juli an sollen im Stuttgarter S-Bahn-Netz die hochmodernen und klimatisierten Züge des Typs ET 430 unterwegs sein. Eigentlich sollten die ersten Triebwagen schon fahren, doch es gibt Verzögerungen. „Die neuen Züge befinden sich immer noch im Zulassungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt“, berichtete Siegmund Freitag am Montag im Technischen Ausschuss in Plattenhardt.

Der Leiter der Angebots- und Produktionsplanung bei der DB Regio AG konnte noch nicht sagen, wann Züge der neuen Baureihe nach Filderstadt rollen werden. Er berichtete den Stadträten aber, dass die Erneuerung des Fuhrparks auf der Linie S 2 ein schwieriger Prozess sein würde.

Bisher pendeln auf der S 2 zwischen Filderstadt und Schorndorf hauptsächlich ältere Züge des Typs ET 420. Im Netz der S-Bahn-Stuttgart verkehren zudem die moderneren, bereits klimatisierten Bahnen des Typs ET 423. Nach und nach sollen die neuen ET 430 die dienstältesten Züge ersetzen. „Die Umstellung der Fahrzeugflotte erfolgt in sechs Stufen“, sagte Freitag. Die neuen Züge sollen künftig auf den Linien 1 bis 3 eingesetzt werden.

Verschiedene Zwänge im S-Bahn-Netz

Fahrgäste der S 2 werden die einzelnen Schritte bei der Einsetzung der 87 neuen Wagen besonders bemerken. Auf dieser Linie werden in der Umstellungszeit nämlich immer wieder andere Züge eingesetzt, mal neue und mal alte. „Das ist technisch nicht anders lösbar“, sagte der Referent. Das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn muss nämlich nach Angaben Freitags verschiedene Zwänge beachten.

„Wir können Züge unterschiedlicher Baureihen nicht aneinander kuppeln“, schilderte er. Deshalb kann auf den Linien 4, 5, 6 und 60 nur eine Zugart eingesetzt werden. Gleiches gilt für die S 3. Die S 1 ist für die älteste Baureihe tabu. Auf dieser Linie werden Züge benötigt, die bis zu 140 Kilometer pro Stunde fahren können.

Zunächst werden auf der S 2 neben den bisherigen ET 420 Triebwagen der Baureihe 423 fahren. Dann werden die neuen ET 430 Filderstadt ansteuern. Sie werden allerdings bald wieder von den alten Zügen abgelöst, weil zuerst die Linie S 3 vollständig mit dem neuen Triebwagentyp bestückt wird. Paketweise werden die neuen Züge erst gegen Ende der sechs Monate langen Umstellungszeit wieder auf die Schienen zwischen Remstal und Filderebene gelenkt.

Bürgermeister Reinhard Molt merkte in der Sitzung an, dass die Fahrzeugwechsel den Fahrgästen Unannehmlichkeiten bereiten könnten. So könne es sein, dass statt klimatisierter Bahnen im Sommer plötzlich wieder Züge ohne Klimaanlage eingesetzt werden. Er bat deshalb darum, dass die DB Regio AG ihre Fahrgäste über derartige Änderungen informiert.

Wieder zu 98 Prozent pünktlich

Molt nutzte die Anwesenheit Freitags zudem, um auf einen Schwachpunkt hinzuweisen. Wenn ein Zug, der eigentlich nach Filderstadt fahren sollte, ausnahmsweise schon am Flughafen endet, dann sollte das den Fahrgästen vor dem Halt in Echterdingen mitgeteilt werden. Rolf Kurfess (Freie Wähler) und Matthias Gastel (Grüne/FFL) bekräftigten dies. „Für die Filderstädter ist es immens wichtig, dass sie dann in Echterdingen aussteigen und den Bus nehmen können“, sagte Kurfess.

Gastel gab dem Referenten noch zu bedenken: „Sie haben in Filderstadt eine kritische Öffentlichkeit. Das hängt mit schlechten Erfahrungen zusammen.“ Die Frage von Walter Bauer (SPD), ab wann Filderstadt im 15-Minuten-Takt mit der S-Bahn erreichbar sein könnte, konnte Freitag nicht beantworten. Dies müsse der Verband Region Stuttgart als Aufgabenträger beantragen, sagte er.

Eine gute Nachricht hatte Freitag bereits vorweg genommen. Die wegen mehrerer Unfälle gesperrten Gleise im Hauptbahnhof seien wieder befahrbar, berichtete er. Die Sperrungen hatten laut Freitag für Behinderungen im S-Bahn-Verkehr gesorgt. Wie er sagte, sei die S-Bahn nun wieder zu 98 Prozent pünktlich.