Öffnungszeiten und Platzvergabe in der Kritik Krach unterm Weihnachtsbaum
Nun müssen doch alle Beschicker des Weihnachtsmarkts bis Betriebsende durchhalten. Die Winterhütte wurde ohne Ausschreibung vergeben.
Nun müssen doch alle Beschicker des Weihnachtsmarkts bis Betriebsende durchhalten. Die Winterhütte wurde ohne Ausschreibung vergeben.
Die städtische Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart hat gegen den Widerstand des gemeinderätlichen Wirtschaftsausschusses nun doch die verlängerten Öffnungszeiten für alle Beschicker des Stuttgarter Weihnachtsmarkts verbindlich gemacht. Nachdem es „verschiedene Diskussionen gab, die bis in die Politik getragen wurden“, so die Veranstaltungsgesellschaft am Dienstag in einem Schreiben an alle Beschicker, „haben wir uns der Öffnungszeiten nochmals angenommen“ – und eine günstigere Festlegung für hinfällig erklärt. Wegen Klagen von Beschickern über den späten Betriebsschluss donnerstags bis samstags um 23 Uhr gab es das Angebot, um 21.30 Uhr Feierabend zu machen, wenn keine Kunden mehr zu erwarten seien. Merkwürdig: Diese Zusage war dem Wirtschaftsausschuss in seiner Sitzung am 10. November nicht bekannt gemacht worden. Er hätte sie folglich nicht fordern müssen.
Am vergangenen Montagabend teilte der Geschäftsführer Andreas Kroll im Bezirksbeirat Mitte mit, nun müsse sich doch jeder Händler an die Marktfestsetzung halten – ob er Umsatz macht oder sich nur die Beine in den Bauch steht: Vorgeschrieben seien Öffnungszeiten von 11 bis 21 Uhr sonntags bis mittwochs, donnerstags bis 22 Uhr sowie freitags und samstags bis 22.30 Uhr. Einige unzufriedene Händler haben gegenüber unserer Zeitung angekündigt, Stuttgart auch deshalb künftig zu meiden. Der Personalaufwand sei nicht zu stemmen. Als weitere Konzession an die Gastro-Lobby („nur weil um die Uhrzeit niemand Glühwein trinkt“) empfinden diese Händler den von 10 auf 11 Uhr verlegten Beginn. Damit verliere man viele Kunden, die vorher auf dem Wochenmarkt einkauften.
Kroll verwies auf eine bessere Abstimmung mit der Anlieferung des Einzelhandels und sprach von einem Rückgang der Beschickerzahl von 209 auf 201. Im Februar hatte Abteilungsleiter Marcus Christen im Ausschuss gesagt: „Wir hatten früher immer 280 Händler, wir sind jetzt auf 235 beim vergangenen Weihnachtsmarkt zurück, und wir möchten wieder über 260, 270 kommen.“
Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Grüne) stellt nach vielen Gesprächen mit Beschickern „ein hohes Maß an Unzufriedenheit und Misstrauen wegen einer willkürlichen Vergabe von Standplätzen“ und fehlender Kommunikation fest. Sie beklagt ein „undemokratisches Verhalten“ der Veranstaltungsgesellschaft. Es gebe, anders als in Esslingen oder Ludwigsburg, auch kein Konzept für den Weihnachtsmarkt. In Stuttgart hätten mittlerweile die gastronomischen Betriebe die Oberhand, die neuen Öffnungszeiten kämen ausschließlich ihnen zupass. Laut Kroll machten sie aber nur 18 Prozent aus – allerdings belegen Wurst- und Glühweinbuden bis zu drei Standplätze. Er kündigte eine Umfrage unter allen Händlern zu den Öffnungszeiten an und sagte eine frühe Berichterstattung im Bezirksbeirat zu. Kienzle hatte kritisiert, Abteilungsleiter Christen „drückt sich seit fünf, sechs Jahren darum, seine Pläne rechtzeitig dem Bürgergremium vorzustellen“ oder „so kurzfristig, dass man kaum noch etwas ändern kann“.
„Es gibt richtig Krach unterm Weihnachtsbaum“, hatte Kienzle zur Begrüßung auch an die Adresse von Thomas Lehmann gesagt, der sich als Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft Märkte Stuttgart für die aktuelle Bespielung des Karlsplatzes rechtfertigen musste. Den hat Bezirksbeirätin Christa Bauer (Grüne) als „Schandfleck“ bezeichnet. Konkret geht es um ein nicht zum Weihnachtsmarkt zählendes, weitgehend eingezäuntes Holzhaus samt Außengastronomie, Eisstockbahn und einen Generator, der „schon vor der Eröffnung dröhnt und stinkt“, wie Veronika Kienzle ermittelt hat. In der Winterhütte können mehr als 120 Personen donnerstags bis sonntags bis 1 Uhr Party machen.
Es ging dem Bezirksbeirat auch darum, wer warum einen Unternehmer in die Lage versetzt, zur lukrativen Weihnachtszeit eine Party-Location auf einer städtischen Fläche zu platzieren, damit der örtlichen Gastronomie Konkurrenz macht und die dort etablierten Flohmarkthändler an den Rand drängt oder gleich ganz vertreibt. Lehmann erklärte, da es sich bei Reinhard Lieb von der Firma Event Deluxe GmbH um den Erfinder dieser Partyhütten handele, wäre man auch mit Ausschreibung wohl bei diesem gelandet. Zur Gewinnoptimierung von Märkte Stuttgart habe er die Fläche freihändig vergeben. Diese Feststellung löste nicht nur Kopfschütteln aus, sie kollidiert auch mit einer früheren Aussage, nach der die Initiative von Marcus Christen ausgegangen sein soll und Märkte GmbH das Projekt von der in.Stuttgart übernommen habe. Der Wirtschaftsausschuss beschäftigt sich damit im neuen Jahr.
Der Weihnachtsmarkt wird am Mittwoch, 29. November, um 18 Uhr eröffnet. Er dauert bis zum 23. Dezember und ist von Sonntag bis Mittwoch von 11 bis 21 Uhr, donnerstags von 11 bis 22 Uhr , freitags und samstags von 11 bis 22.30 Uhr geöffnet.