ÖPNV am ersten Schultag im Kreis Böblingen Mit Chaos auf dem Schulweg geht es wieder los

Nach langem Warten kommt endlich ein Zug, der viele Schüler von Holzgerlingen nach Böblingen bringt. Foto: Stefanie Schlecht

Am Montag hat die Schule begonnen – und für viele Schüler im Kreis Böblingen bedeutet das wieder Warten, Quetschen und Stehen in Bus und Bahn. Und das gleich am ersten Tag. Eindrücke vom ersten Schultag, der gar nicht wie auf Schienen läuft.

Familie, Zusammenleben und Bildung: Julika Wolf (jwo)

6.30 Uhr, Altes Rathaus in Hildrizhausen. Die ersten müden Schüler trudeln an der Bushaltestelle ein. Viele treffen sich nach den Ferien zum ersten Mal wieder, andere haben sich regelmäßig gesehen. Kalt ist es um diese Zeit noch, obwohl viele der Jugendlichen sich das in ihren kurzen Hosen und Tops nicht anmerken lassen. Später werden sie um die leichte Kleidung wahrscheinlich froh sein. Der Sommertag kündigt sich über den immer hellblauer werdenden Himmel an, die Sonne schiebt sich langsam über den Horizont.

 

Pünktlichkeit ist Glückssache

Die Schule geht wieder los. Das bedeutet für viele Schüler im Kreis Böblingen auch, dass sie wieder pendeln müssen. Nicht nur die Strecke von Hildrizhausen über Holzgerlingen nach Böblingen, die viele Schüler jeden Tag nehmen, ist berühmt-berüchtigt für die Quetscherei in den Bussen und Zügen, der die Schüler tagtäglich ausgesetzt sind. Doch auch Verspätungen und Ausfälle verursachen regelmäßig Probleme. Die Schönbuchbahn, im August wegen Bauarbeiten gesperrt, fährt nun immerhin wieder. Trotzdem ist das pünktliche Erscheinen in der Schule zum Teil Glückssache. Wie läuft das Pendeln am ersten Schultag?

Verwirrung bereits um 6.30 Uhr

Am Alten Rathaus in Hildrizhausen fährt um 6.34 Uhr ein Bus nach Ehingen vor, ein paar ältere Schüler steigen ein. Sitzplätze sind kein Problem in diese Richtung. Eine Minute später fährt ein weiterer Bus mit derselben Nummer vor. Darauf steht allerdings Holzgerlingen, Altdorf, Hildrizhausen und Ehingen. Zwei Personen steigen aus, rennen los, versuchen, in den anderen Bus nach Ehningen einzusteigen. Der fährt ihnen vor der Nase weg. Also zurück in den vorigen Bus, auf dem plötzlich „Betriebsfahrt“ steht. Die Lichter gehen aus, der Busfahrer bestätigt dennoch, dass er nach Ehningen fährt. Die beiden Passagiere nimmt er mit, vielleicht als Gefallen. Die Verwirrung ist groß.

Beruhigung von der Mutter

Wieder füllt sich die Haltestelle, Schüler erzählen sich von ihren Ferien. Um 6.47 Uhr fährt ein Bus vor, „Schulbus“ steht darauf. Er ist noch ganz leer. Vor den Türen bildet sich kurz eine Traube. „Alle wollen da rein“, sagt ein kleines Mädchen. „Ja, aber das reicht locker“, erwidert die Mutter. Kurz darauf sind alle drin, Sitzplätze gibt es genug. „Haltet euch an die Großen“, gibt die Mutter dem Nachwuchs noch mit.

Um 6.52 Uhr steigen einige Schüler in den nächsten Bus nach Holzgerlingen Gymnasium. Der ist schon voll, jeder Platz ist belegt, auch im Gang wird es voll. Trotzdem kommen an dieser Haltestelle alle rein, keine Selbstverständlichkeit wie sich zeigen wird. Dann geht es los. Auf der Fahrt werden Handyspiel-Scores verglichen, Fotos gezeigt, Schulmappen herausgeholt oder müde vor sich hingestarrt.

Die Schüler, die an der nächsten Station warten, dürfen nur noch an der hinteren Tür einsteigen. Vorne ist es zu voll. Doch wenig später klappt auch das nicht mehr: Beim nächsten Stopp hält er gar nicht mehr an. Die Gesichter der Kinder zeigen kurz Empörung, dann entspannen sie sich wieder. Manche lässt es ganz kalt, sie sind das Spiel gewohnt. Laut Plan kommt der nächste Bus in wenigen Minuten. Auf dem Weg sieht man viele Kinder auf dem Fahrrad. Für sie ist das offensichtlich das zuverlässigere Verkehrsmittel.

Geisterzug ohne Fahrer blockiert ein Gleis

Am Holzgerlinger Bahnhof steigen nur wenige Passagiere aus, viele fahren weiter – wahrscheinlich bis zur Endhaltestelle am Gymnasium. Diejenigen, die aussteigen, bewegen sich in Richtung Schönbuchbahn. Ein Zug steht schon bereit. Einsteigen geht aber nicht. Kein Licht im Zug, die Knöpfe zum Öffnen der Türen leuchten nicht grün, sie reagieren nicht, wenn man drauf drückt. Ein Fahrer oder Schaffner ist nicht zu finden. Laut Plan sollte in wenigen Minuten eine Bahn fahren, um 7.12 Uhr. Doch auch danach tut sich nichts.

Die Anzeige gibt an, dass auf Gleis 1 eine Bahn nach Böblingen fährt, kurz darauf noch eine. Doch das Gleis ist versperrt durch den Geisterzug ohne Fahrer. Die Aufklärung: „Aufgrund einer Weichenstörung in Dettenhausen kommt es zu Verspätungen und Zugausfällen“, wird auf der Anzeige eingeblendet. Die Abfahrtszeit verschiebt sich immer weiter. Einige Fahrgäste – kleine genauso wie große – beobachten das eine kleine Ewigkeit. „In 90 Prozent der Fälle klappt es gut“, sagt eine Frau, die die Strecke jeden Tag fährt. Nach den Ferien habe es aber schon öfter Probleme gegeben.

Mit dem Risiko zum Fall

Mit zehn Minuten Verspätung kommt dann endlich ein Zug, der nach Böblingen fährt. Alle steigen ein, binnen Sekunden sind die Sitzplätze belegt. Kinder mit bunten Schulranzen und riesigen Taschen, gefüllt mit Ordnern und anderen Schulmaterialien, scheinen beim Anfahren und Stoppen jedes Mal fast zu fallen. Es passiert zum Glück nichts, vielleicht machen sie sich auch einen Spaß daraus. Ein Fahrgast erkennt eine Bekannte. Sie reden über die Zugfahrt, die gar nicht wie auf Schienen läuft. „Der Zug um 7.30 Uhr ist immer voll“, sagt der Mann, der die Strecke kennt – und deshalb extra früher gefahren ist. Mit mäßigem Erfolg.

In Böblingen-Süd steigen vor allem jüngere Kinder aus. Eine Station später ist in der Danziger Straße für viele weitere Kinder Schluss, die womöglich das Otto-Hahn-Gymnasium besuchen. Die Schüler aus dieser Bahn kommen pünktlich zum Unterrichtsbeginn um 7.45 Uhr. Wie es bei den anderen läuft, die in Holzgerlingen auf die späteren Bahnen warten müssen, steht in den Sternen. Wann immer sie angekommen sind – womöglich haben sie den stressigsten Teil ihres Tages bereits hinter sich gehabt.

Weitere Themen