Die Laune auf den Offenen Tagen stimmt – vor und hinter der Bar Foto: /Stefanie Schlecht
Die Offenen Tage des Club Forum im Waldheim sind nach Weihnachten seit den Achtzigerjahren der große Anziehungspunkt in Böblingen. Es gibt Cocktails, Musik und – legales – Glücksspiel. Doch einen Kult legt der Club in diesem Jahr ab.
Wohin nach Weihnachten, wenn die familiären Verpflichtungen abgearbeitet sind und es Feierwütige nach draußen zieht? Für viele Jugendliche und Junggebliebene im Raum Böblingen gibt es darauf seit den Achtzigerjahren eine klare Antwort: die Offenen Tage im Club Forum. Dort steppt vom 27. bis zum 29. Dezember traditionell der Bär. Ehemalige oder aktuelle Schulfreunde fallen sich in die Arme, der Rubel rollt an Spieltischen und alles ist wie früher. Alles? Nicht ganz. Eine langjährige Tradition haben die Macher in diesem Jahr abgelegt.
Motto des Jahres Markenzeichen der früher vier-, heute dreitägigen Party war immer das Motto, das sich jedes Jahr änderte, aber vor Beginn streng geheim war. In früheren Jahren hämmerten, werkelten und malten die Mitglieder nach Kräften und gestalteten die Partyräume jedes Jahr neu, die sich bis 2009 im Haus der Jugend im Paul-Gerhardt-Weg 8 befanden. Es wurde ein Eisenbahnwaggon gezimmert, ein halber Cadillac, eine Pyramide und einmal sogar eine Berliner Mauer. Wände wurden bemalt, Cocktails umbenannt und eigens T-Shirts bedruckt. In diesem Jahr allerdings lautet das Motto schlicht: Party.
Gegen Mitternacht zählte die Party schon über 300 Gäste /Stefanie Schlecht
Party im Wandel „Das ist für uns der Versuch des Wandels“, sagt Felix Hentsch vom Leitungsteam des Clubs. „Wir mussten schauen, wie wir mit wenig Aufwand einen möglichst großen Effekt erzielen“, sagt der 26-Jährige, der hauptberuflich als Eventmanager in der Medienbranche tätig ist. Mit vielen Leuchteffekten, Schwarzlicht und Neon verwandelt die Truppe das Waldheim in eine Partylocation. Der Aufwand sei für die gut 20 aktiven Mitglieder auch so schon immens. Bars und die Bühne aufbauen, Getränke ordern und sämtliche Technik installieren – all das geschieht nicht von allein. Seit jeher machen die Mitglieder dies ehrenamtlich in ihrer Freizeit, die um Weihnachten ohnehin knapp bemessen ist. Ohne wechselndes Motto wüssten die Gäste zudem„was sie kriegen“, sagt Hentsch. Nämlich eine klassische Party mit allem was dazugehört.
Klassentreffen Das fehlende Motto gut verschmerzen kann Besucher Sebastian Werner aus Böblingen: „Ich finde, die Mottos sind ohnehin in den Vorjahren etwas untergegangen“, sagt er. Es gehe schließlich darum, die Leute zu treffen, sagt der 35-jährige Böblinger, der mit alten Schulfreunden gekommen ist. Seine Bekannte Stella Prokoph ist da ganz seiner Meinung: „Es ist mega cool hier“, sagt die 29-Jährige. Die Offenen Tage seien die Gelegenheit, alte Freunde zu treffen, die sie noch aus ihrer Zeit im Waldheim kennt, wo sie als Betreuerin aktiv war.
Skin of Clazz spielen zur Eröffnung auf /Stefanie Schlecht
Live-Musik Statt alles rund um ein Thema zu dekorieren, stellten die Macher in diesem Jahr die Live-Bands in den Fokus. Am Eröffnungstag spielten Skin of Clazz auf, die Formation, die sich mit ihrem perkussiven Pop im Kreis Böblingen und darüber hinaus einen Namen gemacht hat. Zum Konzert ist der Saal gefüllt mit mehr als 100 Gästen. Von der drangvollen Enge früherer Jahre ist am ersten Offenen Tag allerdings wenig zu spüren, was allerdings keine Verschlechterung ist. Weitere Bands sind Fynbrb, Benelex & Lofera sowie wechselnde DJs, die nach den Konzerten die Beschallung des Saals übernehmen. Und dieser füllt sich erst gegen Mitternacht so richtig.
Rien ne va plus Bevor nichts mehr geht, versuchen viele ihr Glück am Roulette-Tisch. Zwei Forum-Mitglieder teilen sich den Job des Croupiers. Mit Spielgeld im Gegenwert von fünf oder zehn Cent setzen die Gäste auf die Felder. Diese sind mit fluoreszierender Farbe gezeichnet und leuchten im Schwarzlicht in Neonfarben. Die Kugel rollt, nichts geht mehr – und die 21 in rot auf der unteren Hälfte gewinnt. Ein Glücklicher hat darauf gesetzt und sammelt das 35-fache seines Einsatzes ein, was er an der Bar gegen einen Drink einlösen kann.
Der Roulettetisch fluoresziert sogar /Stefanie Schlecht
Feier mit Geschichte Die Tradition der Offenen Tage geht zurück bis in die Achtzigerjahre. Damals erbte die evangelische Kirche immer wieder komplette Haushaltseinrichtungen, für die sonst keine Verwendung war. Der Club Forum nahm diese dankend an – und richtete sein Party-Wohnzimmer damit ein. Entstanden ist der Club im Jahr 1980 aus einer Konfirmandengruppe des damaligen Jugendpfarrers Arthur Egle-Theurer. Seit 1981 residierte das „Forum“ im ehemaligen Haus der Jugend im Paul-Gerhardt-Weg 8, einst Verwaltungsgebäude der Böblinger Zuckerfabrik. Doch da die Kirche das Grundstück 2009 verkaufte, musste der Club in den ehemaligen Ratskeller in der Marktstraße 9 umziehen. Nachdem die Offenen Tage dort nicht durchführbar waren, zog die Party 2015 ins Waldheim Tannenberg.