Offener Brief an Kulturministerin Freie Bühnenkünstler befürchten Verlust an Vielfalt

Auch für die Bühnenkünstler der freien Szene darf in der Coronapandemie der Vorhang nicht aufgehen. Außer der eigenen Existenz sehen sie die Vermittlung von gesellschaftlichen Werten bedroht. Foto: dpa/Marcus Brandt
Auch für die Bühnenkünstler der freien Szene darf in der Coronapandemie der Vorhang nicht aufgehen. Außer der eigenen Existenz sehen sie die Vermittlung von gesellschaftlichen Werten bedroht. Foto: dpa/Marcus Brandt

Freie Theater und Bühnenkünstler leiden besonders unter dem Lockdown. Nun haben sich ihre Interessenvertreter an die zuständige Ministerin Baden-Württembergs gewandt, um auf die prekäre Lage aufmerksam zu machen.

Kultur: Andrea Kachelrieß (ak)
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Stuttgart - Die freien Bühnenkünstler und Theater in Baden-Württemberg haben sich über ihre Interessenvertretungen mit einem offenen Brief an die Kulturministerin Theresia Bauer und die Kunststaatssekretärin Petra Olschowski gewandt. Grund sind die seit fast einem Jahr andauernden Arbeitsbeschränkungen in der Coronapandemie, durch die freischaffende Künstler ihre Existenzgrundlage verloren haben. „Vermehrt in den letzten Wochen stellen wir eine deutliche Zuspitzung der prekären Lage der Akteure und Akteurinnen der freien Szene fest“, schreiben die Freie Tanz- und Theaterszene Stuttgart, das Produktionszentrum, die Freien Theater Stuttgart sowie die Vereinigung freier darstellender Künstlerinnen und Künstler für Stuttgart und die Region. Sie betonen in ihrem offenen Brief „die dringende Notwendigkeit eines Umdenkens hinsichtlich der Strategien im Umgang mit kulturellen Angeboten und Veranstaltungen in Pandemiezeiten“.

Dass im harten Projekt zudem schulische Projekte wegfallen, trifft einerseits viele pädagogisch darin involvierte Künstler finanziell hart; andererseits befürchten die Interessenvertreter der freien Bühnenkünstler gesellschaftliche Einbußen. „Kindern und Jugendlichen fehlt es bereits seit November 2020 an Angeboten der kulturellen Bildung“, heißt es im offenen Brief. „Es droht nicht nur ein unwiederbringlicher Verlust an kultureller Vielfalt, sondern auch erhebliche Bildungslücken und Defizite bei der Vermittlung von gesellschaftlichen Werten.“

Kleinere Häuser sind flexibler

Viele der Coronahilfen des Bunds seien spät oder bislang gar nicht bei den Antragstellern angekommen. Zudem mache die Verlängerung des aktuellen Lockdowns die Aufstockung der „Neustart Kultur“-Mittel um eine Milliarde Euro zum „Tropfen auf den heißen Stein“. Das alles nehmen die Künstler zum Anlass, um konkrete Forderungen zu formulieren. Diese umfassen die Teilnahme von Interessenvertretern der freien Szene an Gesprächen über Öffnungsperspektiven; gerade kleine Einrichtungen könnten flexibler reagieren als große Staatstheater. Neben einem leichteren Zugang zu Förderprogrammen, der Weiterführung des fiktiven Unternehmerlohns und einer Kommunikation, die auch die freie Szene wertschätze, steht der baldige Neustart in der kulturellen Bildung mit Angeboten für Kinder und Jugendliche ganz oben auf der Prioritätenliste der Briefschreiber.




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