Wie in einem Horrorfilm habe er sich damals gefühlt, sagt Geschäftsführer Stefan Sendelbach. Bis Ende März wurden die Speisen in einem Lastwagen, in dessen Laderaum eine Küche verbaut ist, zubereitet. Mittlerweile ist wieder Normalität in dem Betrieb an der Austraße 370 eingekehrt. In einem offenen Brief an Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper beschwert sich der gelernte Touristik-und Eventmanager dennoch über die Zusammenarbeit mit dem städtischen Baurechtsamt. Er kritisiert, dass man „trotz aller Mühen und Geduld“ keinen konstruktiven Austausch hinbekommen würde. Man werde ständig mit Anordnungen, Fristen und Einschränkungen konfrontiert, „obwohl man zu Beginn der Übernahme des Betriebs bei einem runden Tisch mit vielen Ämtern einen gemeinsamen Weg vereinbart hatte“, so Sendelbach.
Zwangsgeld in Höhe von 3000 Euro angedroht
Nur ein Beispiel: Der Kiosk, der nach dem Brand nicht mehr zu retten war, ersetzte er interimsweise durch zwei Weihnachtsmarkt-Klapphütten, um unter anderem den Straßenverkauf aufrechtzuerhalten. „Mit ihm konnten wir auch bei schlechtem Wetter mit geringem Personal- und Kosteneinsatz etwas Umsatz generieren“, sagt der Pächter. Umso überraschter sei er gewesen, als er am 20. November 2023 Post von der Stadt bekam: Eine Anordnung, die ihm den Betrieb der Hütten untersagte. Verbunden mit der Androhung eines Zwangsgelds in Höhe von 3000 Euro, falls sie nicht innerhalb von vier Wochen abgebaut sind. Laut Baurechtsamt sei die dauerhafte Duldung des Kiosks durch den Brand erloschen – und für die Hütten gelte diese nicht.
Fristverlängerung wird abgelehnt
Und das, obwohl die Stadt ursprünglich großes Interesse am Betrieb des Kiosks gehabt habe. Zum einen wurde mit ihm die Versorgungslücke am Uferpark geschlossen, zum anderen wurde vereinbart, dass die Riverhouse-Toiletten während der Betriebszeiten öffentlich zugänglich sind. Selbst einer Bitte um Fristverlängerung für den Abbau der Hütten bis zur Klärung, was an dieser Stelle gemacht werden soll, sei nicht stattgegeben worden. Einen Tag vor Weihnachten musste Sendelbach mit seinem Team alles abbauen. „Eine schöne Bescherung.“
„Es ist wirklich paradox. Ich habe gehofft, dass man das Gespräch sucht, um gemeinsam Lösungen zu finden“, sagt Sendelbach. Stattdessen habe man ihn vor vollendete Tatsachen gestellt. „Wir haben der Stadt schon im September nach dem Brand mehrere Alternativvorschläge mit konkreten Plänen durch unser Architektenbüro gemacht, falls ein Wiederaufbau des Kiosks nicht genehmigt wird: Entweder einen mobilen Foodtruck oder einen Lebensmittel- und Eisautomaten dort zu platzieren.“ Bis heute habe er keine Antwort erhalten. Noch immer ist der Bereich ungenutzt, die Fundamente, Strom- und Wasserleitungen liegen noch vor Ort. Mit Blumenkübeln hat Sendelbach versucht, das Gelände zu schließen und wenigstens etwas aufzuhübschen.
Stadt wirbt mit Riverhouse-Angeboten
Der 53-Jährige ist sichtlich angefressen, fühlt sich schikaniert und benachteiligt. „Einerseits will die Stadt den Fluss beleben, wirbt auf ihrer Homepage mit dem Naherholungsziel Neckar und unseren Angeboten wie Stand-Up-Paddling und Bootsverleih. Anderseits werden einem regelrecht Knüppel zwischen die Beine geworfen.“ Bereits seit Februar 2023 habe man die wasserrechtliche Genehmigung für einen saisonalen zusätzlichen Ponton-Steg seitens des Wasserschifffahrtsamtes. „Wegen den Anordnungen des Baurechtsamts konnte er bis heute nicht verwirklicht und ins Wasser gelassen werden.“ Obwohl das „absolut naturnahe und umweltfreundliche“ Angebot politisch gewollt und bei Kunden sehr gefragt sei, könne man es nur sehr eingeschränkt umsetzen.
Rentabler Weiterbetrieb ohne Unterstützung schwierig
In seinem Brief an das Stadtoberhaupt betont Sendelbach, dass er 23 festangestellte und 70 geringfügig beschäftigte Mitarbeiter habe. „Statt uns zu unterstützen, kriegt man einen drauf. Erst, wenn es zu spät ist und man Insolvenz anmeldet, ist der Aufschrei groß.“ Dieses Szenario drohe dem Riverhouse aber noch nicht. „Wir sind finanziell noch gut aufgestellt“, sagt der Geschäftsführer. Die Coronazeit, Brandanschläge und die Einschränkungen durch die Großbaustellen der EnBW – in der Austraße wird die Fernwärmeleitung von Münster nach Mühlhausen ausgetauscht – habe man trotz aller Umstände gut gemeistert. „Wir bekommen aber keinesfalls die notwendige Unterstützung des Baurechtsamtes und der Stadt.“ Je weniger Sendelbach mit seinem Team machen dürfe, desto schwieriger werde ein rentabler Weiterbetrieb. „Folge wäre wieder eine Schließung und ein Verfall, wie er vor der Übernahme des Betriebs lange Zeit stattgefunden hat. Wir haben noch viele gute Ideen für die Stadt am Fluss. Eigentlich sind wir ein Glücksfall für die Stadt und die Bürger.“
Wirtschaftsförderung reagiert auf offenen Brief
Die Kritik ist auch im Stuttgarter Rathaus angekommen. „Eine Belebung des Neckars auch durch Freizeitangebote befürworten wir vom Grundsatz her“, sagt Bernhard Grieb. An den Leiter der Wirtschaftsförderung ist der Brief ebenfalls adressiert gewesen. „Gesetzliche Vorgaben im Baurecht, insbesondere zum Naturschutz, sowie wasserrechtliche Vorschriften, die meistens von Landes- und Bundesseite kommen, schränken die Genehmigungsmöglichkeiten jedoch erheblich ein oder können diese im Einzelfall auch unmöglich machen“, so Grieb. „Welche Möglichkeiten es für das Unternehmen gibt, werden wir in den nächsten Wochen zusammen mit ihm klären. Hierfür sind wir auf den Unternehmer bereits zugegangen.“