Oldtimer in Sielmingen Seine Käfer wecken viele Erinnerungen

Thomas Stiller hat seinen birkengrünen Käfer, Modell 1300 Export, selbst restauriert. In der Garage steht auch der blaue 1303er. Foto: C. Holowiecki

Thomas Stiller ist nicht nur ein leidenschaftlicher VW-Käfer-Fan, er ist auch ein ambitionierter Autoschrauber. Seinen Oldtimer von 1966 hat er mit eigenen Händen restauriert. Vier Jahre hat er dafür gebraucht.

Thomas Stiller verzieht das Gesicht. Was der unbedarfte Betrachter kaum bemerkt, sieht er sehr wohl, und es ärgert ihn: Auf dem Kotflügel seines VW-Käfers sind Spuren von getrocknetem Wasser- und Dreckspritzer zu sehen. So stellt der 49-Jährige seinen Oldtimer normalerweise nicht in die Garage, aber tags zuvor ist er in einen Schauer gekommen. „Es hat wie aus Kübeln geregnet“, sagt er.

 

Dass Thomas Stiller mit seinem Auto pingelig ist, hat durchaus Gründe. Zum einen ist es ein besonderes Fahrzeug, ein Käfer vom Modell 1300 Export, Baujahr 1966. Zudem hat er sein Schmuckstück mit eigenen Händen restauriert. Vier Jahre hat er dafür gebraucht. Geschafft wurde in der Freizeit.

Der Sielminger ist gelernter Industriemechaniker und arbeitet in der Automobilentwicklung. Zudem ist er Mitglied im Motorsportclub (MSC) Sielmingen, Teil des Organisationsteams der vereinseigenen Oldtimerschau und seit jeher Käfer-Kenner. „Ich fahre, seit ich 18 bin, immer Käfer“, sagt er, und auch im Autobasteln habe er früh Erfahrungen gesammelt, als Teil einer Schraubergemeinschaft und später auch beim Opa in der Heimwerkstatt im Esslinger Stadtteil Oberesslingen. „Das Handwerkliche war da“, sagt er.

Die Fotos vom Restaurationsprozess füllen zwei Alben

Den Restaurationsprozess von 1997 bis 2001 hat Thomas Stiller akribisch dokumentiert. Die Fotos füllen zwei Alben und zeigen die alte Karosserie, einst in Rubinrot, die zerlegte Bodengruppe, Schweißarbeiten, Blicke unter die Motorhaube, den Probezusammenbau vor dem Lackieren, den Tag der Hochzeit von Karosserie und Fahrwerk im Mai 2000 und die erste Fahrt im Juli 2001. „Es macht Spaß, aber es war auch zäh“, sagt er rückblickend. Tiefpunkte habe er durchaus gehabt, etwa beim Rausflexen rostiger Teile. Angetrieben habe ihn aber stets der Wille, ein Traumauto zu erhalten. „Ich wollte es perfekt haben. Ich weiß dann, was ich verbaut habe.“ Der voll restaurierte Flitzer in auffälligem Birkengrün ist nicht der einzige Käfer in Thomas Stillers Garage. Daneben parkt ein blaues 1303er-Modell von 1974. Gefahren werden die Oldtimer nur zu besonderen Anlässen. Dabei komme es mitunter zu skurrilen Szenen. Statt der ursprünglichen 40 PS hat Thomas Stillers 1966er-Gefährt stolze 110. „Es macht Spaß, wenn die Augen der Menschen im Auto dahinter im Rückspiegel immer größer werden“, sagt er lachend. Auf der Straße ernte er anerkennende Blicke. „Die Leute gucken, es geht oft der Daumen hoch. Mit dem Käfer verbinden viele Leute etwas.“ Fans hat Thomas Stiller aber auch im eigenen Haus. Sein Sohn werde bald 18, die Tochter 15 – und beide hätten bereits ein Auge auf die Käfer geworfen.

Weitere Themen