Oldtimer-Treffen in Beuren Von Arbeitspferden und Nobelkarrossen

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Am Wochenende geben sich die Oldtimer im Freilichtmuseum Beuren die Ehre. Rund 800 automobile Schätze werden am Samstag und Sonntag in der historischen Kulisse des Museumsdorfs zu sehen sein.

Woher der  Lanz-Mops seinen Namen hat, ist unschwer zu erraten. Er und  seine Altersgenossen nehmen am Wochenende Kurs auf das  Beurener Museumsdorf. Foto: Bildarchiv Freilichtmuseum
Woher der Lanz-Mops seinen Namen hat, ist unschwer zu erraten. Er und seine Altersgenossen nehmen am Wochenende Kurs auf das Beurener Museumsdorf. Foto: Bildarchiv Freilichtmuseum

Beuren - Sie haben offensichtlich keinen Rost angesetzt: weder die betagten Schlepper, Traktoren, Motorräder und Autos noch ihre Besitzer – auch wenn das Oldtimertreffen im Freilichtmuseum Beuren jetzt nur noch alle zwei Jahre stattfindet. „Wir sind mit den Anmeldungen sehr zufrieden“, sagt die Museumsleiterin, Steffi Cornelius, im Vorfeld des Veteranentreffens, das am Samstag, 18. August, und Sonntag, 19. August, im Museumsdorf über die Bühne geht. Ihren Worten zufolge werden sich am Samstag rund 300 Fahrzeuge von den motorisierten Anfängen bis einschließlich Baujahr 1969 auf dem Museumsgelände präsentieren. Für den Sonntag liegen 500 Anmeldungen vor.

Nicht nur der Zwei-Jahres-Rhythmus ist neu. Erstmals haben sich die Teilnehmer mit ihren fahrbaren Untersätzen in diesem Jahr auch schon im Vorfeld anmelden müssen. „So konnten wir das Geschehen besser steuern“, sagt Daniel Kondratiuk, bei dem die Fäden der zweitägigen Autoschau zusammenlaufen. Schließlich sei das Museum ja kein Parkplatz, unter Hinweis auf die 1500 Oldtimer, die sich damals zu Spitzenzeiten die Plätze unter den Obstbäumen streitig gemacht haben.

Anmeldeverfahren hat sich bewährt

Das Anmeldeverfahren hat sich seinen Worten zufolge allein schon deshalb bewährt, weil in diesem Jahr die Sicherheitszonen unter den Bäumen erheblich ausgeweitet werden mussten. „Die Äste unserer Obstbäume biegen sich unter dem Gewicht der Früchte“, sagt Kondratiuk. Es sei nicht auszuschließen, dass es zu Obstschlag kommen könnte. Mensch und Maschine sollten ja schließlich keinen Schaden nehmen.

Für manchen Oldtimer wäre eine Beule im Blech in der Tat eine mittlere Katastrophe. Nicht so sehr für die Bautz-Schlepper, die sich am Wochenende zu einer Sonderschau aufreihen werden. Die motorisierten Lastgäule der Landwirtschaft sind schließlich raue Luft und schwere Arbeit gewohnt. Ganz anders dagegen die Luxuskarrossen mit dem Stern, die sich am Samstag die Ehre geben. „Zum 50-Jahr-Jubiläum der S-Klasse von Mercedes-Benz haben wir die Baureihe am Samstag nahezu lückenlos auf dem Museumsgelände“, sagt Kondratiuk. Um 12 Uhr und um 14 Uhr werden die Mercedes-Benz S-Klassen-Freunde Stuttgart ihre Schätze dem Publikum präsentieren. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit, sollte es den rollenden Veteranen nicht an Aufmerksamkeit fehlen. Die Organisatoren erwarten an den beiden Tagen bis zu 6000 Besucher. „Das Oldtimer-Treffen ist traditionell unsere besucherstärkste Veranstaltung, noch vor den Schäfertagen“, sagt Steffi Cornelius.

Damit das auch so bleibt, richten sie und ihre Mannschaft ein besonderes Augenmerk auf den Nachwuchs. „Für die Kinder haben wir wieder einen Parcours vorbereitet, der mit Spielzeug-Traktoren absolviert werden muss“, sagt Kondratiuk. Und auch die historischen Feuerwehr-Fahrzeuge, die am Samstag aus dem ganzen Landkreis Esslingen Kurs auf das Museum nehmen, dürften ihre Anziehungskraft auf das ganz junge Publikum nicht verfehlen. Um 13 Uhr und um 15 Uhr wird die knallrote Lösch-Armada demonstrieren, wie vor 100 Jahren dem Feuerteufel zu Leibe gerückt worden ist. „Damals ist das erste Löschfahrzeug mit mechanischer Pumpe zum Einsatz gekommen“, sagt Kondratiuk, der sich freut, auch diese Rarität im Rahmen der Oldtimertage präsentieren zu können.

Sonderschau von Bautz-Schleppern

Das im oberschwäbischen Saulgau beheimatete, 1890 gegründete Familienunternehmen Josef Bautz hatte, bevor es im Jahr 1949 die von der Firma Zanker aufgegebene Schlepperproduktion übernahm, bereits einen guten Ruf als Hersteller von Erntemaschinen. Vom Erfolgsmodell „Attila“, einem Grasmäher, wurden zwischen 1914 und 1934 mehr als 100 000 Exemplare verkauft. Bautz-Traktoren standen für Eigenschaften, die gerade auf dem Land hoch gehalten wurden: unauffällig, zuverlässig, beständig, solide. Und für viele Nebenerwerbslandwirte war der erste Schlepper ein Bautz. Das Unternehmen, das zu seiner Blütezeit rund 700 Mitarbeiter beschäftigte, stellte im Jahr 1962 den Traktorenbau ein und ging sieben Jahre später im Landmaschinenkonzern Claas auf.


Einer der betagtesten Oldtimer, das Sofazügle, schafft es gar nicht bis zum Freilichtmuseum. Dafür pendelt die Dampflok aus dem Jahr 1905 am Sonntag, beginnend um 11.07 Uhr, im Zweistundenrhythmus von Nürtingen nach Neuffen, wo ein Linienbus den Weitertransport ins Museum übernimmt. Von dem Ausweichparkplatz im Tiefenbachtal aus verkehrt ein kostenloser Pendelbus.